www.parow-info.de              (Stand: 16.07.2015) 

Reedeverkehrsboot Projekt 066

Von 1966 bis 1973 baute die Schiffswerft Rechlin eine Serie von Gleitbooten des Projekts 066 für den Einsatz auf Binnengewässern.
Bootskörper und Aufbauten bestehen aus korrosionsfestem Aluminium. Die Linienführung ist auf Geschwindigkeit und Wendigkeit ausgelegt.

Hauptsächlich wurden diese Boote als Grenzsicherungsboote in den Grenztruppen der DDR eingesetzt. Einige Boote erhielt auch die Wasserschutzpolizei. Insgesamt wurden 77 Boote für die DDR hergestellt.
Weitere Boote wurden in dieSowjetunion (1966 - 1 Boot), nach Bulgarien (1971 - 5 Boote) und in die CSSR (1972 bis 1973 - 30 Boote) exportiert.
1971 erfolgte bei 30 Booten die Nachrüstung mit Radaranlagen Typ Tesla (Import CSSR). Bei 62 Booten wurde 1974 auf Antriebsanlage des Typs AQ 170/280 umgebaut, diese Boote erhielten dann die Bezeichnung 066 M. Eine weitere Umrüstung von 30 Booten erfolgte 1978 bis 1980 auf Motoren AQ 255/280, diese Boote wurden als 066 M1 bezeichnet.

Die Volksmarine bestellte ein Boot des Projekts 066 sowie zwei Boote der modifizierten Variante „Projekt 066 S“ als Chefboote. Eine Umklassifizierung erfolgte im Dezember 1981 als „Reedeverkehrsboot“ und im Dezember 1986 in „Jacht“. Zuvor war bereits ein Boot direkt dem Ministerium für Nationale Verteidigung unterstellt worden.

Die Indienststellung bei der Volksmarine erfolgte 1968/69.
Die Boote nach Projekt 066 S waren für den neuen Verwendungszweck umgebaut worden. Die Kajüte war entsprechend besser ausgestattet und nach achtern erweitert. Zeitweise liefen sie auch in der Sonderlackierung weiß-blau.

Die Boote waren in Rostock-Gehlsdorf stationiert.
Anfangs waren die Boote dem Chef des Stabes des Kommandos der Volksmarine als Hilfsschiffe unterstellt. Ab 1976 erfolgte die Zuordnung dem Hafenkommando des Stützpunktes Rostock.

Ein Austausch gegen leistungsfähige Motoren des Typ AQ 255/280 und damit eine Steigung der Geschwindigkeit auf 35 kn soll laut Literatur 1979 erfolgt sein. Die VEBEG verkaufte aber zwei Boote der ehemaligen Volksmarine mit der Bau-Nrn. 129 und 145 im August 1991 (Ausschreibung) mit den ursprünglich eingebauten Typ AQ 150/200. Gibt es dafür eine Erklärung?

Taktisch-technische Daten:

  066 066 M 066 M1
Verdrängung normal: 4,15 t 4,10 t 4,30 t
Länge üner alles: 9,65 m 9,65 m 9,65 m
Breite über alles: 3,20 m 3,20 m 3,20 m
Tiefgang Bootskörper: 0,43 m 0,43 m 0,45 m
Tiefgang Propeller: 0,70 m 0.70 m 0,75 m
Motor: 2x Dieselmotoren Volvo Penta  (Import Schweden)
  Typ AQ 150/200 Typ AQ 170/280 Typ AQ 225/280
Vmax: 28,6 kn 29,50 kn 35,00 kn
Besatzung: 2 Mann 2 Mann 2 Mann

Miniaturbilder zur Vergrößerung bitte anklicken 

 Ein zusätzliches Boot wurde als Vermessungsbarkasse für das Vermessungsschiff Projekt 136 „Carl Friedrich Gauss“ modifiziert. Es wurde als Beiboot „Gauss I“ an Oberdeck  mitgeführt und mit Hilfe eines Kranes ausgesetzt bzw. aufgenommen. Die Besatzung bestand aus 4 Personen.

Ausgerüstet war das Boot mit Radar, Kreiselkompaß, Positionierungssystem zur Schiffsortbestimmung, Echographenanlage zur Wassertiefenmessung, Bordcomputer mit Dateneingabe- und Kontrollgerät, Zeichenautomat (Plotter) und Funknavigationssystem sowie verschiedener Vermessungstechnik aus Großbritannien, USA und der Bundesrepublik Deutschland. 

1975 erfolgte auf der Müritz und im Greifswalder Bodden die Erprobung. Ein Nachteil war, dass das Vermessungsschiff Projekt 136 erst 1976 fertiggestellt wurde und somit erst dann die Seeerprobung stattfand.

Auch dieses Boot muss ein „Vorleben“ gehabt haben, denn der Bau des Typs 066 endete bereits 1973!

Suche Fotos, Dokumente und Berichte (auch Kopien) zum Projekt 066 S und zur Vermessungsbarkasse. Originale werden zurück geschickt und Unkosten erstattet.

© 2012 - 2015 Peter Kieschnick

Eine Chronologie von Bordnummern des Reedeverkehrsboot Projekt 066 ist durch Helbe und Horma erarbeitet worden.
Interessenten zu einzelnen Booten oder anderen Details melden sich bitte über E-Mail: webmaster@parow-info.de.
Weitere Chronologien sind hier.