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Erste Durchführungsbestimmung
zur Verordnung über die Dienstflagge für Schiffen und Booten der Volksmarine
- Flaggenordnung für Schiffe und Boote -

vom 27. Oktober 1960

Auf Grund des § 5 der Verordnung vom 27.Oktober 1960 über die Dienstflaggen für Schiffe und Boote der Volksmarine (GBl. II. S. 407) wird folgendes bestimmt:

I. Arten der Flaggen
Rangabzeichen und Kommandozeichen
1. Von den Schiffen und Booten der Volksmarine werden geführt:
  a) Die Standarte Vorsitzenden des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik
    (Anlage zum § 3 des Gesetzes vom 26. September 1955 über das Staatswappen und die Staatsflagge der Deutschen Demokratischen Republik [GBl. I S. 705] in der Fassung des Gesetzes vom 4. Oktober 1960 über die Anpassung von gesetzlichen Bestimmungen an die Bildung des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik [GBl. I S. 532]).
  b) Die Staatsflagge der Deutschen Demokratischen Republik
    (Anlage zum Gesetz vom 1. Oktober 1959 zur Änderung des Gesetzes über das Staatswappen und die Staatsflagge der Deutschen Demokratischen Republik [GBl. I S. 691]).
  c) Die Dienstflaggen für Schiffe und Boote der Volksmarine
    (Anlage zur Verordnung)
2. Als Rangabzeichen werden von Schiffe und Boote der Volksmarine geführt:
  a) Die Flagge des Ministers für Nationale Verteidigung (Anlage 1)
    Die Farbe der Flagge ist blau. In der Mitte der Flagge befindet sich das Staatswappen der Deutschen Demokratischen Republik. Die Breite der Flagge verhält sich zu ihren Länge wie 3:5, der Durchmesser des Staatswappens zur Länge der Flagge wie 1:3.
  b) Die Flagge des Chefs der Volksmarine (Anlage 2, Abb.1)
    Die Flagge zeigt in der Mitte einen unklaren gelben Anker auf blauem Grund, an der dem Stock abgewandten Seite drei untereinanderstehende gelbe, fünfzackige, mit einer Spitze nach oben zeigende Sterne. Die Breite der Flagge verhält sich zu ihrer Länge wie 3:5. Die Höhe des Ankers verhält sich zur Breite der Flagge wie 2:3. Die Größe eines Sternes beträgt etwa ein Fünftel der Breite der Flagge.
  c) Die Flagge eines Vizeadmirals (Anlage 2, Abb. 2)
    Die Flagge zeigt in der Mitte einen unklaren gelben Anker auf blauem Grund, an der dem Stock abgewandten Seite zwei untereinanderstehende gelbe, fünfzackige, mit einer Spitze nach oben zeigende Sterne. Die Größenverhältnisse der Flagge, des Ankers und der Sterne sind die gleichen wie unter Buchst. b.
  d) Die Flagge eines Konteradmirals (Anlage 2, Abb. 3)
    Die Flagge zeigt in der Mitte einen unklaren gelben Anker auf blauem Grund, an der dem Stock abgewandten Seite im unteren Drittel einen gelben, fünfzackigen, mit einer Spitze nach oben zeigende Stern. Die Größenverhältnisse der Flagge, des Ankers und des Sternes sind die gleichen wie unter Buchst. b.
3. Als Kommandozeichen werden Schiffe und Boote der Volksmarine geführt:
  a) Der Stander eines Brigadechefs (Anlage 3. Abb. 1)
    Der Stander ist weiß und oben und unten mit je einem waagerechten blauen Streifen eingefaßt. Er hat in der Mitte einen tiefen dreieckigen Ausschnitt. Die Breite des Standers verhält sich zu seiner Länge wie 2:5. Die Breite der blauen Einfassung beträgt etwa ein Viertel der Breite und die Tiefe des Ausschnitts etwa ein Drittel der Länge des Standers.
  b) Der Stander eines Abteilungschefs (Anlage 3, Abb. 2)
    Der Stander besteht aus einem weißen Dreieck mit einem waagerechten blauen Mittelstreifen. Die Breite des Standers verhält sich zu seiner Länge wie 2:5. Die Breite des Streifens beträgt etwa ein Drittel der Breite des Standers.
  c) Der Stander eines Gruppenchefs (Anlage 3, Abb. 3)
    Der Stander besteht aus einem weißen Dreieck mit einem waagerechten blauen Mittelstreifen. Die Breite des Standers verhält sich zu seiner Länge wie 3:4. Die Breite des Streifens beträgt etwa zwei Fünftel der Breite des Standers.
  d) Der Wimpel eines Kommandanten (Anlage 3, Abbildungen 4 und 5)
    Der Kommandantenwimpel ist entweder rot oder blau und hat in der Mitte einen tiefen spitzwinkligen Ausschnitt. An der dem Stock zugewandten Seite befindet sich eine schwarzrotgoldene Gösch, in deren Mitte das Staatswappen der Deutschen Demokratischen Republik, umgeben von einem goldgelben Lorbeerkranz, angebracht ist. Bei Schiffen verhält sich die Breite des Wimpels zu seiner Länge wie etwa 1:26, bei Booten wie etwa 1:13. Die Länge der Gösch beträgt etwa das Doppelte der Breite des Wimpels.
     
II. Bestimmungen über das Führen von Flaggen, Rangabzeichen und Kommandozeichen auf Schiffen und Booten
4. (1) Die Dienstflaggen für Schiffe und Boote der Volksmarine wird von allen Kampfschiffen und Kampfbooten der Volksmarine geführt. Sie wird auf See an der Gaffel, von vor Anker oder im Hafen liegenden Schiffen und Booten am Flaggenstock gesetzt.
  (2) Schiffe und Boote der Volksmarine, die nicht berechtigt sind, die Dienstflagge zu führen, setzen die Staatsflagge der Deutschen Demokratischen Republik entsprechend den im Abs. 1 festgelegten Grundsätzen.
5. Die Standarte Vorsitzenden des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik wird auf dem Schiff oder Boot, auf dem sich der Vorsitzende des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik befindet, im Großtopp backbord gesetzt.
6. Die Staatsflagge der Deutschen Demokratischen Republik wird auf dem Schiff oder Boot, auf dem sich der Vorsitzende des Ministerrates befindet, im Großtopp gesetzt.
7. Zum Führen der Rangabzeichen sind berechtigt:
  a) Flagge des Ministers für Nationale Verteidigung:
    der Minister und seine von ihm dazu ermächtigten Stellvertreter,
  b) Flagge des Chefs der Volksmarine:
    der Chef der Volksmarine,
  c) Flagge eines Vizeadmirals oder eines Konteradmirals:
    Admirale entsprechend ihrem Dienstgrad,
  d) Flagge eines Konteradmirals:
    Offiziere in Admiralsstellung bei der Führung des ihnen unterstellten Flottenverbandes für die Dauer ihres Aufenthaltes an Bord.
8. Zum Führen der Kommandozeichen sind berechtigt:
  a) die Chefs der Brigade, Abteilungen und Gruppen auf dem Schiff oder Boot des ihnen unterstellten Verbandes, auf dem sie sich aufhalten;
  b) Kommandantenwimpel rot: der Kommandant jedes Schiffes oder Bootes, das berechtigt ist, die Dienstflagge für Schiffe und Boote der Volksmarine zu führen und das er als Kommandant befehligt;
  c) Kommandantenwimpel blau: jeder Kommandant eines Schiffes oder Bootes, das nicht berechtigt ist, die Dienstflagge für Schiffe und Boote der Volksmarine zu führen, wenn er Angehöriger der Volksmarine ist und es als Kommandant befehligt.
9. Angehörige der Volksmarine, die durch Befehl mit der Vertretung eines abwesenden, zur Führung eines Rangabzeichens oder Kommandozeichens berechtigten Vorgesetzten beauftragt sind, führen das Rangabzeichen oder Kommandozeichen des Vorgesetzten, den sie vertreten.
10. (1) Alle Rangabzeichen und Kommandozeichen werden im Großtopp gesetzt.
  (2) Auf dem Schiff oder Boot der Volksmarine, das die Standarte Vorsitzenden des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik oder die Staatsflagge im Großtopp führt, werden mit Ausnahme des Kommandantenwimpels keine anderen Rangabzeichen oder Kommandozeichen gesetzt.
  (3) Auf jedem Schiff oder Boot darf, mit Ausnahme des Kommandantenwimpels, nur ein Rangabzeichen oder Kommandozeichen gesetzt werden. Befinden sich mehrere zum Führen der Rangabzeichen oder Kommandozeichen berechtigte Vorgesetzte aus demselben Schiff oder Boot, wird das Rangabzeichen oder Kommandozeichen des Rangältesten gesetzt.
  (4) Kommandozeichen der Brigade-, Abteilungs- und Gruppenchefs sind, wenn sie durch Heißen eines höheren Rangabzeichen oder Kommandozeichen niedergeholt werden müssen, durch den betreffenden Chef auf einem anderen Schiff oder Boot des ihm unterstellten Verbandes setzen zu lassen.
  (5) In einem Verband von Schiffen oder Booten darf das Rangabzeichen oder Kommandozeichen desselben Chefs nur an einer Stelle gesetzt werden. Bei vorübergehender Einschiffung des Chefs eines Verbandes auf einem ihm nur als Beförderungsmittel dienenden Schiff oder Boot des ihm unterstellten Verbandes darf das Rangabzeichen bzw. Kommandozeichen gleichzeitig mit dem auf dem Flaggschiff (Führerboot) gesetzt werden.
     
III. Bestimmungen über das Setzen von Flagge bei bestimmten Anlässen
11. Flaggenparade
  Auf den Schiffen und Booten der Volksmarine wird die Flaggenparade gemäß der dafür erlassenen Vorschrift durchgeführt.
12. Flaggengruß
  (1) Der Flaggengruß ist eine im Seeverkehr übliche Höflichkeitsform von Nichtkriegsschiffen gegenüber Kriegsschiffen. Ihre Ausführung können Kriegsschiffe im allgemeinen erwarten, aber nicht verlangen.
  (2) Der Flaggengruß anderer Schiffe und Boote ist nur einmaliges Dippen der Dienstflagge zu erwidern, auch wenn der Grüßende seine Flagge mehrere Male dippt oder während des Vorbeifahrens gesenkt hält.
  (3) Wenn ein Verband geschlossen fährt, erwidert einen einzelnen Flaggengruß nur das Flaggschiff (Führerboot).
  (4) Bei Ansammlung mehrerer Schiffe oder Boote der Volksmarine, die keinen Verband bilden, erwidert einen einzelnen Flaggengruß nur das Schiff oder Boot, das dem Grüßenden am nächsten ist.
  (5) Wiederholten oder andauernden Flaggengruß erwidert jedes Schiff oder Boot der betreffenden Seite.
  (6) Von Schiffen oder Booten in Flaggentrauer ist die Flagge vor dem Flaggengruß erst vorzuheißen.
13. Flaggenschmuck
  (1) Flaggenschmuck ist am 1.März, 1.Mai, 8.Mai, 7.Oktober und 7.November sowie auf Befehl bei besonderen Anlässen anzulegen. Die Dauer des Flaggenschmucks richtet sich nach der dafür erlassenen Vorschrift.
  (2) Der Flaggenschmuck besteht entweder im „Heißen der Flagge im Topp“ oder im „Flaggen über die Toppen“.
  (3) Das „Heißen der Flagge im Topp“ besteht darin, daß außer der Heckflagge (und der Gösch im Hafen oder auf Reede) in jedem Topp die Dienst- bzw. Staatsflagge als Toppflagge gesetzt wird, mit Ausnahme desjenigen Topps, in dem die Standarte Vorsitzenden des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik oder ein Rangabzeichen weht. Schiffe und Boote mit einem Mast setzen die Toppflaggen auch neben der Standarte oder einem Rangabzeichen, und zwar an Steuerbord davon.
  (4) Das „Flaggen über die Toppen“ besteht darin, daß außer heck- und Toppflaggen die Signalflaggen in der festgelegten Ordnung vom Bug über alle Toppen nach dem Heck gehißt werden. Es geschieht nur von vor Anker oder im Hafen liegenden Schiffen und Booten.
14. Flaggentrauer
  (1) Flaggentrauer ist durchzuführen:
  a) an Staatstrauertagen für die Dauer der Staatstrauer,
  b) beim Ableben von Angehörigen der Volksmarine gemäß den Bestimmungen des Abs. 2,
  c) bei anderen Traueranlässen auf Befehl des zuständigen Vorgesetzten ab Brigadechef und Gleichgestellte aufwärts.
  (2) Beim Ableben von Angehörigen der Volksmarine führen nach folgenden Bestimmungen auf See die Flagge, im Hafen und auf Reede Gösch und Kommandozeichen halbstocks:
    beim Tod eines Verbandschef vom Bekanntwerden des Todes bis zur Beendigung der Bestattungsfeierlichkeiten das Flaggschiff des Verstorbenen oder das Schiff oder Boot, welches das Kommandozeichen des Verstorbenen führt; am Tage der Bestattung jedes dem Verstorbenen zur Zeit des Ablebens unterstellte Schiff oder Boot;
    beim Tod eines Soldaten, Unteroffiziers oder Offiziers der Besatzung eines Schiffes oder Bootes vom Todestag bis die Leiche an Land überführt wird und am Tage der Bestattung während der Bestattungsfeierlichkeiten des betreffende Schiff.
  (3) Die vorstehenden Bestimmungen sind ohne Rücksicht darauf anzuwenden, ob der Todesfall an Bord oder an Land eingetreten ist. Solange auf einem Schiff oder Boot die Flagge halbstocks gesetzt ist, setzen alle in der Nähe befindlichen Schiffe oder Boote Flagge bzw. Gösch halbstocks. Liegen mehrere Schiffe oder Boote zusammen, so ist jeder Todesfall dem Verbandschef bzw. ältesten Kommandanten zu melden. Alle anderen Schiffe flaggen erst dann halbstocks, nachdem das Schiff des Verbandschef bzw. ältesten Kommandanten geflaggt hat.
15. Die Gösch
  Vor Anker, auf Reede oder im Hafen liegende Schiffe und Boote führen an einem Stock auf dem Bugsprit oder Vorsteven die Gösch. Als Gösch wird die Staatsflagge geführt. Die Gösch wird gleichzeitig mit der Dienstflagge gesetzt und niedergeholt.
     
IV. Schlußbestimmung
16. Diese Durchführungsbestimmung tritt am 3. November 1960 in Kraft.
     
  Berlin, den 27. Oktober 1960
Der Minister für Nationale Verteidigung
Hoffmann

Anlagen:

Rangabzeichen der Volksmarine 
Kommandozeichen der Volksmarine