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Wohnschiff „Grobian“

 
Wohnschiff Grobian 
Wohnschiff Grobian im Hafen Parow
 

Vorgeschichte:
1928 ist auf der holländischen Werft „Scheepsbouwwerf Gebroeders Topf" in Bolnes der Tankschleppkahn 1116 T „Sallandia" gebaut worden. Am 16.08.1942 wurde der Kahn von der deutschen Kriegsmarine beschlagnahmt und nach Deutschland verbracht, wo er weiter als Tankschleppkahn eingesetzt wurde. 1945 erhielt er auf der Elbe bei Wittenberge bei Wittenberge Bombentreffer und sank.

1946 wurde er durch das Wasserstraßenamt Magdeburg gehoben und nach Plaue an der Havel geschleppt, wo er von 1951 bis 1954 zum Hebeschiff umgebaut wurde. 1954 wurde das Hebeschiff mit dem Namen „Grobian" in Dienst gestellt. Es kam beim VEB Schiffsbergung und Taucherei Stralsund für Schrottbergungsaktionen an der Ostseeküste zum Einsatz. Die Hebeeinrichtung mit einer Hubkraft von 120 t war dafür jedoch zu schwach ausgelegt und auch sehr störanfällig. Das Schiff wurde deshalb kaum für den eigentlichen Verwendungszweck genutzt.

Truppeneinsatz:
Am 31.05.1956 wurde das Schiff an die Seestreitkräfte übergeben. Seinen Namen behielt es. Durch den VEB Neptun-Werft Rostock erfolgte der Umbau zum Wohnschiff für die Besatzungen der TS-Boote Typ „183". Während dieser Zeit trug das Schiff die Bordnummer H-44 und war der 4.Flottille unterstellt. Für ein noch nicht in Dienst gestelltes Schiff war die Vergabe einer Bordnummer ein Novum.
Der Kranausleger wurde abgebaut. Das Schiff erhielt zusätzliche Wohnkammern, eine neue Kombüse, Proviantlasten und Sanitäranlagen. Für Kombüsen- und Heizungsbetrieb baute man mittschiffs eine Dampfkesselanlage mit ölgefeuertem Flammrohrkessel (Betriebsdruck 1 MPa) ein. Der „Grobian" hatte keinen Eigenantrieb und musste deshalb geschleppt werden.

Achtern befanden sich die Offizierskammern (je Kammer 2 Kojen), der Funkraum, Duschen und der zentrale Waschraum, danach kamen die Matrosendecks (je Deck 12 Kojen), die Offiziersmesse und die Kombüse. Vorn befand sich die Kammer für die Wache.

Die Indienststellung erfolgte am 08.10.1958 als H-64 „Grobian" (weitere Bord-Nr. siehe Chronologie unten). Der erste Standort war Parow. Dort war er dem Hafenkommando unterstellt und diente als Wohnschiff für die 6.Torpedoschnellboots-Abteilung (TSA). Mit der Übergabe des Schiffes war eine bessere Unterbringung und Versorgung der Bootsbesatzungen der TS-Boote gewährleistet.
Am 01.01.1959 erfolgte die direkte Unterstellung des Wohnschiffes der 6.Flottille
Ab 1960 war der „Grobian" das Wohnschiff der selbstständige Torpedoschnellbootsbrigade und dieser unterstellt. Der „Grobian" wurde bis 29.03.1961der 4.TSA zugeordnet.

Die Stationierungsorte des Wohnschiffes wechselten entsprechend der Manöverorte. Vom 01.04.1959 bis 30.10.1959 und von März 1960 bis 29.03.1961 lag der „Grobian" z.B. im Hafen Gager.
1962 war das Wohnschiff beim Kommando der Volksmarine in Rostock-Gehlsdorf stationiert.
Vom 16.03.1962 bis 1963 diente es im Manöverstützpunkt Darßer Ort als Basis für Bereitschaftskräfte der TS-Brigade.

Am 01.05.1963 erfolgte die Unterstellung der TS-Brigade der 6.Flottille und somit auch die des „Grobian“.

Nach Angaben von Zeitzeugen soll das Wohnschiff bei der Peenewerft Wolgast mindestens Mai/Juni 1972 gelegen haben. Auch der Standort Rostock-Gehlsdorf wird für 1972 genannt.

Ab dem 01.12.1972 wurde der „Grobian" der Schulbrigade in Parow unterstellt.
Von 1976 bis Februar 1977 wurde das Wohnschiff befristet von der Schulbrigade an das Marine-Pionierbataillon (ohne Nr.-Änderung) abgestellt, als Standort wurden durch Zeitzeugen Kühlungsborn und Darßer Ort genannt.
Danach ging der „Grobian" nach Parow zurück, wo er am 18.09.1981 außer Dienst gestellt wurde. Das Schiff wurde 1982 durch den MAB Rostock-Marienehe verschrottet.

  

technische Daten:

 Verdrängung, voll:  580 t
 Länge über alles:  58,26 m
 Breite über alles:  10,22 m
 Tiefgang:  1,15 m
 Besatzung:  8 (22) Mann + 157 Mann Unterbringung
 Antrieb:  ohne
 Bewaffnung:  ohne

© 2011 - 2015 Peter Kieschnick

Eine Chronologie des Wohnschiffs „Grobian“ ist durch Helbe und Horma (Horst Maiwald, [Horma] †2014) erarbeitet worden. Diese Chronologie unterliegt dem Urheberrecht. Für private Nutzung ist diese frei. Für Veröffentlichung in Print-Medien und/oder im Internet bedarf es der Genehmigung durch die Autoren. Das gilt auch für Auszüge aus dieser Chronologie. Weitere Chronologien sind hier.