www.parow-info.de     (Stand: 27.08.2015)  

Kreuzeryacht S 80 „Hirondelle“

Umbauprojekt 008

Die S 80 beim Seetörn mit Offiziersschülern vor Warnemünde.
 

Die Segelyacht soll aus einer älteren Andertalbmaster-Yacht mit etwa100 m² Segelfläche wiederaufgebaut worden sein. Die Bauausführung erfolgte im Werkteil B der Yachtwerft in Berlin-Friedrichshagen als Umbauprojekt 008.

Der Yachtumbau erfolgte 1950 extra für den Film „Die letzte Heuer“ Dieser Film wurde 1950 bis 1951 durch die DEFA Deutsche Film AG nach einem Roman von Ludwig Turek [Bild] gedreht. Ein wesentlicher Teil der Filmhandlung spielte an Bord einer Segelyacht im „Mittelmeer“. Die Filmyacht trug den Namen „Hirondelle“. Das Wort kommt aus dem Französischen und heißt „Schwalbe“. In der Literatur gibt es abweichende Schreibweisen: „Irondel“, „Irondelle“ und „Hirondell“. Die Regie führten Ernst Wilhelm Fiedler und Hans Heinrich [Bild]. Die Premiere des Films war am 12.04.1951 in Berlin.

Nach den Dreharbeiten fand die robuste und seetüchtige Yacht keinen Interessenten, zu groß für Berliner Gewässer. Die VP-See kaufte sie und überführte sie an die Küste. Nach anderen Quellen wurde folgendes erzählt: Da dieser Streifen unter Mitwirkung der damaligen Seepolizisten gedreht wurde, bekam nach Abschluss der Dreharbeiten die Marine die Yacht zugesprochen, anstelle der Gagen.

Diese Fotos sollen die „Hirondelle“ zeigen, wie sie bei den Filmaufnahmen lief. 
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Noch 1951 ging die Yacht in die Peene-Werft Wolgast mit der Auftrags-Nr. 2039 zum Umbau als Ausbildungsschiff für die Hauptverwaltung Seepolizei. Hier erhielt sie bereits die Bezeichnung Hochsee-Yacht S 80, abgeleitet von der 80 m² Segelfläche der Ketschtakelung.
Bei dem Umbau erhielten Takelage und Einrichtung eine gründliche Überholung. Die Entwürfe und Zeichnungen dafür kamen vom Konstruktionsbüro T10 der Peene-Werft.
Aufbau:
Die Masten waren mit dem Kiel verbunden. Achtern und vorn befand sich je ein Stauraum. Im vorderen Stauraum gab es zwei Klappkojen.
In der selbstlenzenden Plicht befanden sich ein Steuerkompaß und Sitzbänke. Über eine Schieberklappe gelangte man in die Aufbauten. Dort befanden sich auf Backbord eine Kochnische und Steuerbord ein WC mit einem Jachtpump-Klosett und Waschbecken. Im Wohnraum gab es je zwei Sofabänke an Backbord und Steuerbord, die als Schlafsofa benutzt werden konnten. Ein Klapptisch, Kleiderschränke und Ablageflächen vervollständigten den Raum. In der Vorpiek wurden  wurde das Ankergeschirr, die Segel und sonstiges Inventar verstaut.
  
Am 05.07.1952 wurde die Yacht der Seepolizeischule Parow übergeben. Außer mit der Bezeichnung S 80 wurde die Yacht auch umgangssprachlich mit ihrem Filmnamen bezeichnet. Ab wann sie den Namen „Hirondelle“ offiziell bekam, ist zurzeit unbekannt.
Eingesetzt wurde der Segler als Dienstsegelboot und Ausbildungsfahrzeug.
Mit der Aufstellung der Schulbootsabteilung am 01.01.1953 wurde die Yacht dieser unterstellt. Auch nach der Umstrukturierung zur Schulbootsdivision am 01.01.1954 gehörte sie zum Bestand.
Ende 1954 wurde der Segler der Seeoffiziersschule Stralsund übergeben. Dort war die Kreuzeryacht offiziell im Bestand der Beiboote des Leiters des Hafenkommandos der Schwedenschanze. Die Yacht wurde zur Ausbildung der Offiziersschüler im Segelpraktikum eingesetzt. Meist wurden die Fahrten gemeinsam mit dem Seefahrtkreuzer S 150 durchgeführt. Sie dauerten bis zu ca. vier Wochen.

Drei Planstellen gab es für die Kreuzeryacht:

Am 21.09.1955 wurde der Segler ins BDS-Register (Bund Deutscher Segler der DDR), in die 9 KR-Klasse, Kreuzeryacht, mit Register-Nr. 2985 eingetragen. Als Eigner wurde „VP-See Schwedenschanze“ und als Betreiber „SC Vorwärts Stralsund“ angegeben.
Die S 80 nahm bis Anfang der 1960er Jahre an verschiedenen nationalen Wettkämpfen teil.

Mit der Einführung eines Schiffsregisters für seegehende Yachten der Volksmarine 1968 bekam die S 80 auch eine Bord-Nr..

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Detailfotos, herzlichen Dank Dieter Winter
       

Die Außerdienststellung erfolgte ca. 1970. Nach Angaben von mehreren Zeitzeugen soll die Yacht Anfang/Mitte der 70-er Jahre an der Slipanlage in Parow verbrannt worden sein.

Länge: 14 m
Breite:   3,30 m
Tiefgang:   1,90 m
Segelfläche: 80 m²
Takelage: Ketsch
Masten:  2 
Vmax unter Segel: bei Windstärke 7 und raumem Wind 10,5 bis 11 kn
Hilfsmotor: NSU 4-Zylinder-Ottomotor mit einer Kupplung von Bausche & Co Hamburg und mit Wendegetriebe, Leistung: 35 bis 40 PS
Tanks: ein Treibstofftank für 90 l
  zwei Frischwassertanks mit je 125 l
Lenzpumpe: Handflügelpumpe, Leistung: 60 l/min
Schlafplätze: für 8 Personen
Bekannte Skipper: Paul Valentin [Bild]

Wer ist auf der S 80 gefahren und kann berichten? Auch Einzelheiten, wie Daten zur Yacht, Ausrüstung, Angaben zu Wettkämpfe und Bilder sind interessant. Bitte eine Mail an webmaster@parow-info.de.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Alexander Jenak für die Übersendung von Fotos und Informationen.

© 2014 / 2015 Peter Kieschnick

Eine Chronologie der Bordnummern und -namen der Seegehenden Yachten der Volksmarine ist durch Helbe und Horma erarbeitet worden, Stand: Oktober 2013
Interessenten zu einzelnen Booten oder anderen Details melden sich bitte über E-Mail: webmaster@parow-info.de
Weitere Chronologien sind hier.