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Motordingi „MD-6“ Projekt 401

Diese Boote wurden vom VEB Yachtwerft Berlin unter der Werftprojekt-Nr. 401 hergestellt. 1951 bis 1952 erhielt die Seepolizei 18 Boote dieses Typs. Es folgten 1962 und 1964 jeweils ein Dingi. Ein weiterer großer Abnehmer von ca. 48 Dingis war die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) von 1953 bis 1964. Einige wenige Boote gingen an staatliche Stellen.

Aufbau
Der Bootskörper bestand aus geschweißtem Schiffbaustahl. Das Deck und die Innenausbauten waren aus Holz (Mahagoni, Eiche und Kiefer).
In der Achterpiek war der Treibölbehälter für den Motor untergebracht. Der Motor selbst war mittschiffs eingebaut, so war er von allen Seiten zugänglich. Den störrischen Gegenkolben-Dieselmotor Typ HK-65 musste man mit einer Handkurbel anwerfen. Gebaut wurde der Motor im VEB Dieselkraftmaschinenwerk Karl-Marx-Stadt, das Schiffswendegetriebe kam aus dem VEB Getriebewerk Gotha. Eine Schleppvorrichtung war hinter dem Motorkasten angebracht.

Im Ruderstand waren Armaturen, ein Bootskompass und ein kleines Steuerrad angebracht. Mit diesem wurde das Ruder über Seilzüge bewegt.
Auf dem Vordeck stand ein klappbarer Signalmast mit Rah, Topp- und Schlepplaternenhalterung. Zum Schutz vor überkommendem Spritzwasser gab es vor dem Ruderstand eine abnehmbare Windschutzscheibe mit Seitenteilen.
Zur Abdeckung der offenen Plicht und des Ruderstandes konnte ein Rohrgestell aufgebaut und mit einer Persenning überdeckt werden. An jeder Bordseite waren je zwei Sitzbänke angebracht.
Die Dingis waren mit einer Heißvorrichtung zum Herausheben aus dem Wasser ausgerüstet.

Es gab mehrere Bauserien des Dingis Projekt 401, diese unterschieden sich in Details. So war der Mast aus Holz oder aus Winkelblech, die Scheuerleisten waren unterschiedlich, ebenso die Steckdosen für die Schiffslaternen auf dem Vordeck. Die ersten Boote hatten auch einen Ottomotor eingebaut und es fehlte die Schleppvorrichtung.
Ab 1967 erhielt die GST Dingis aus der Werft Barth. Diese Schiffskörper waren aus Holz gefertigt.

Verwendung und Einsatz
Das Fahrgebiet der Dingis waren die Binnen- und nahen Küstengewässer. Die Boote wurden als Ausbildungs-, Arbeits- und Verkehrsboote verwendet. Es konnten damit auch leichte Wasserfahrzeuge geschleppt werden.

Bei der Seepolizei sollen die Dingis als Hilfs-Minenräumboote vorgesehen gewesen sein. Dafür gibt es keine belastbare Bestätigung. Ebenso ist es sehr schwierig, bis zum Jahr 1958 die Aufteilung und Verwendung der Boote zu verfolgen. Im Jahr 1959 wurden noch 16 Dingis bei den Seestreitkräften mit Bordnummern nachgewiesen. Verteilt waren diese über zehn Dienststellen von Tarnewitz über Saßnitz bis nach Wolgast. Die Flottenschule Parow hatte zwei Motordingis im Bestand. 1967 verteilten sich die 16 Dingis auf acht Volksmarine-, eine Grenz- und zwei SHD-Dienststellen. Zum 01.12.1971 wurden nur noch vier Dingis bei den Schiffsgruppen des SHD nachgewiesen.
Einige Motordingis Projekt 401 gibt es heute noch in privater Hand (siehe unten – Video)

Taktisch-technische Daten

Verdrängung: ca. 2 t
Länge über alles: 6,40 m
Breite auf Spante: 1,93 m
Breite über alles: 2,10 m
Tiefgang in KWL: 0,48 m
Seitenhöhe: 1,01 m
Antrieb: 1x Typ 1 HK 65,
Leistung 9,12 kW bei 1500 U/min
Getriebe: Schiffswendegetriebe Typ 174.203
Schraube: 3 Flügel linksdrehend
Geschwindigkeit: ca. 6 kn
Treiböltank: 90 l
Besatzung: 1 Mann + 9 Personen möglich

Danke für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung der Fotos von Maik Wolter (SSC Krakow am See e.V.).

© 2012 - 2015 Peter Kieschnick

Motordingi Typ 401 Ablegemanöver
Video by youtube - Länge 2:20 min
Gegenkolbenmotor in Action
Video by youtube - Länge 0:58 min
Weitere Bilder und Videos findet man auf der Homepage des Seesportclubs Krakow am See e.v. .

Eine Chronologie von Bordnummern des Motordingi „MD-6“ Projekt 401 ist durch Helbe erarbeitet worden.
Interessenten zu einzelnen Boote oder anderen Details melden sich bitte über E-Mail: webmaster@parow-info.de
Weitere Chronologien sind hier.