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Gebäude Nr.: 7  /  7a  /  20

Wehrmacht - Luftwaffe
Das erste Gebäude an dieser Stelle wurde 1936/37 als Wirtschaftsgebäude mit der Gebäude-Nr. 7 errichtet. In ihr waren Speisesäle und die Kantine für Mannschaften untergebracht. Den Krieg überstand das Gebäude unbeschadet.
Entsprechend des Potsdamer Abkommen sollten alle militärischen Anlagen zerstört werden. Das Gebäude 7 wurde abgetragen. Das Material wurde laut Sowjetische Militäradministration in Deutschland Befehl 209 vom 09.09.1947 zum Bau von Wohnhäusern für die Neubauern im Umland verwendet.

  
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Seepolizei / VP-See / Seestreitkräfte / Volksmarine
Die Seepolizei begann 1950 mit dem Aufbau einer Seepolizeischule in Parow. Auf den Fundament des alten Gebäude wurde Anfang der 50`er ein Unterkunftsgebäude errichtet. Es erhielt die Nr. 7a später die Nr. 20.

Dieses Gebäude wurde anfangs mit Kohleofen geheizt.
In der unteren Etage waren Diensträume für die Kompanieführung, ein Schulungsraum und Unterkünfte (Anzahl?). Ein Zimmer war mit 6 Mann belegt. Unten links waren zwei größere Unterkunftsräume. Zeitweise war auch der Obermeister Lehrgang mit Dienstzimmer und Unterkünfte auf dieser Etage untergebracht (z.B. 1956).
In der oberen Etage waren zwei große Säle für á 70 Matrosen der Grundausbildung bzw. Maatenlehrgang. Geschlafen wurde in schmalen Doppelstockbetten. Die Spinde waren an der Wand gegenüber den Fenstern. Zwei Mann mussten sich einen Spind teilen [weitere Informationen]. In den 60`er Jahren waren dann nur noch 50 bis 60 Mann je Saal untergebracht.
In der Mitte jedes Flures befanden sich die Gemeinschaft-Sanitärräume. Im Schulungsraum wurde später auch ein Fernseher eingestellt. Im Unterkunftsblock war eine Lautsprecheranlage installiert, die mit einem Radio oder Plattenspieler gekoppelt werden konnte. Die Anlage wurde für Durchsagen genutzt wie auch zur Unterhaltung. (1956 wurde öfters das Lied „Tulpen aus Amsterdam“ gespielt.)

In den 70´er Jahren wurde das Gebäude umgebaut. Es wurde an die zentrale Heizungsanlage angeschlossen und für die Militärhandelsorganisation (MHO) hergerichtet.
In der unteren Etage links war nun die „Cola-Bar“ untergebracht. Es war eine Gaststätte für Mannschaften und Unteroffiziere. Es gab nur alkoholfreie Getränke und ein begrenztes Speiseangebot (beliebt war das Hamburger-Schnitzel.). Auch stand ein Schallplatten-Spielautomat im Gastraum, der sehr oft betätigt worden ist. Geöffnet war immer nur für die Dienstfreie Zeit, auch über das Wochenende, bis eine Stunde vor der Nachtruhe.
Auf der rechten Seite nach vorn war ein kleiner Verkaufstand. Verkauft wurde aus dem Fenster, es gab Getränke, Zigaretten und auch mal eine Bockwurst. Geöffnet war der Kiosk in der Regel am Tage zu den Pausen.
Von der rechten Giebelseite aus konnten die Berufssoldaten und zivile Mitarbeiter eine Gaststätte betreten. Hier wurde bedient und es gab nach Dienst auch Alkohol zu kaufen. Geöffnet war sie mittags und natürlich nach Dienst. Als die Sturmbahn hinter dem Gebäude in den 80`er Jahren fertig war, nannte man diese Einrichtung auch „Sturmbahn-Eck“
Im oberen Stockwerk war links eine Verkaufsstelle für Waren des täglichen Bedarfs, auch als Industrieladen bezeichnet. Hier gab es alles was der Soldat brauchte, vom Bleistift über Näh- und Schuhputzzeug, Feldflaschen bis hin zu Bekleidung. Heute wurde man sagen: Marketenderware. Neben diesem Raum befand sich die Lebensmittelverkaufsstelle.
In der Mitte des Flures befand sich der Friseur. Rechts gab es noch eine gute Buchverkaufsstelle.
Genutzt wurde dieses Gebäude bis zur Auflösung der MHO. Danach wurde es leer gezogen.

         

Bundesmarine / Deutsche Marine
Bereits im März 1991 hatte die Planung für die Errichtung einer Inspektion Staatlich anerkannte Berufsausbildung (SABA) in Parow durch BMVg FüM I 1 begonnen. Am 10./11.06.1991 erfolgte eine hochrangige Besprechung zur Einrichtung SABA in Parow an der Marineschule Stralsund. Es wurden die vorhandenen Lehrsaal- und Werkstattkapazität besichtigt und die erforderlichen Räumlichkeiten festgelegt. Für die Ausbildung wurde die Sanierung des Lehrgebäudes Nr. 90 [Bild] vorgeschlagen. Am 19.06.1991 wurde die Grobplanung für das Lehrgebäude Nr. 90 durch das BMVg FuM I 1 dargelegt. Dieses Gebäude wurde aber für die Nutzung nicht freigegeben, es wurde später abgerissen. Stattdessen wurde das Gebäude 20 umgebaut. Die Sanierung / Umbau des Gebäudes erfolgte Ende Januar 1992 mit Bauunterhaltungsmitteln durch die Standortverwaltung Stralsund. Unterstützt wurde sie durch einen Infrastruktur-Offizier des Heeres aus Hannover. Beteiligt war die Architektenunion Stralsund. Handwerker aus der Region Stralsund führten die erforderlichen Arbeiten durch. Durch das Landesbauamt Greifswald wurden die Unterrichts- und Laborräume entsprechend den Vorschriften hergerichtet. Die Gewerbeförderungsanstalt der Handwerkskammer Hamburg lieferte das Material für die Ausbildung, die letzten Labortische kamen am 10.04.1992 pünktlich mit Beginn der praktischen Ausbildung.

Am 01. April 1992 wurde die SABA-Inspektion in Dienst gestellt. Erster Inspektionschef war Kapitänleutnant Harald Krispin. Die SABA-Inspektion wurde dem Aufstellungsstab der MTS unterstellt. Am 06.04.1992 um 07:30 Uhr begann die zweijährige Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker mit 24 Lehrgangsteilnehmern. Der zweite Hörsaal begann mit 22 Lehrgangsteilnehmern die Ausbildung zum Kommunikationselektroniker, Fachrichtung Informationstechnik, am 02.01.1993. Am 01.04.1993 folgte der dritte Hörsaal mit der Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker. Mit dem vierten Hörsaal ab 15.11.1993 war die SABA-Inspektion vollständig aufgestellt. Diesmal wurden die ersten Industrieelektroniker in der Fachrichtung Gerätetechnik ausgebildet.
Der Hörsaal 1 beendete seine Ausbildung zum 31.03.1994. Nach der Abschlussprüfung durch die Industrie- und Handelskammer konnten 19 Maate den Gesellenbrief zur Freisprechung am 28.03.1994 erhalten. Als Bester konnte der gebürtige Stralsunder Maat Martin Lissner mit der Gesamtnote 1 abschließen.

           

Der erste hohe Besuch im Gebäude 20 erfolgte am 05.05.1992 durch Admiral Ciliax.
Der Verteidigungsminister Volker Rühe besuchte am 22.08.1994 das dritte Mal die zukünftige MTS und informierte sich über den Planungs- und Baufortschritt. Bei diesem Besuch waren auch Frau Ministerin Dr. Angela Merkel und der Oberbürgermeister von Stralsund Harald Lastovka zugegen. Der Minister informierte sich auch über den Unterricht der SABA-Ausbildung.

        

Der Unterricht im Gebäude 20 für die Berufsausbildung endete erst im Jahr 2003.
Danach wurde das Gebäude durch die Modellbau AG und der Musik AG genutzt. Bis diese auch andere Räumlichkeiten nutzen konnte.
Das Gebäude wurde nicht mehr benötigt. Es diente gelegentlich nur noch als Übungsobjekt für die Polizei.
Ein Teil des Daches stürzte ein. Dies war von außen wenig sichtbar und wurde im Jahr 2013 zufällig festgestellt. Das Gebäude wurde baupolizeilich gesperrt. Es folgte ein Notabriss. Damit verschwand wieder ein geschichtsträchtiges Gebäude.

        

© 2013 Peter Kieschnick