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Dokument:

" An die Bevölkerung der Stadt Stralsund

Das verbrecherische Regime des Nationalsozialismus hat unaussprechliches Unglück über die Welt und damit auch über das deutsche Volk gebracht.
Die Folgen erleben wir in ihren Anfängen. Wir müssen uns bewußt sein, daß das ganze Volk ohne Rücksicht darauf, ob der einzelne sich schuldig fühlt oder nicht, für die Verbrechen mit verantwortlich ist. Wir werden durch unser Verhalten und durch Einsatz beweisen müssen, daß jeder in einem bis an die Grenzen des Möglichen herangehenden Rahmen bereit ist, wiedergutzumachen. Um diesen Gedanken und unserer alten Stadt Stralsund zu dienen, habe ich mich bereit erklärt, die Führung des Rates der Stadt Stralsund zu übernehmen. Für die Verwaltung der Stadt sind Bürgermeister und Rat an die Befehle des Militärkommandanten gebunden.
Für die Stadt selbst ist es ein großes Unglück, daß sie verteidigt wurde. Sie wird deshalb jetzt als eroberte Stadt behandelt.
Die Behörden haben sofort ihren Dienst wieder aufzunehmen. Die Behördenleiter sind mir für die ordnungsmäßige Abwicklung der Dienstgeschäfte ihrer Betriebe persönlich verantwortlich.

1.Mai 1945                                    Otto Kortüm"

© 2006 Peter Kieschnick