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Einige Lageberichte der Stadtverwaltung Stralsunds

im Bezug zum Bombenangriff am 06. Oktober 1944

Luftschutz
am 06.09.1944
71 öffentliche Luftschutzräume für die Bevölkerung sind hergestellt, rd. 800 Keller abgesteift [Zeichnung], 710 Keller ausgebaut, 1344 Mauerdurchbrüche durchgeführt [Bild], 69 Splitterschutzgräben sind fertiggestellt 9 weitere im Bau, 14 Feuerlöschteiche fertiggestellt [hier eine Aufzählung], 29 Saugstellen errichtet 4 weitere im Bau, 92 Zement-Easserbottiche hergestellt.

Hafenverwaltung
am 28.10.1944
Durch den Luftangriff am 6.10.1944 wurden besonders die Zufahrtgleise zum Hafen zerstört, so daß ein Umschlag von Schiffen auf Eisenbahnwagen nicht vorgenommen werden konnte
Seit dem 21.10. erfolgte die Zustellung der Güterwagen zum Hafen. Die Kraftstromversorgung des Hafens fand ab 26.10. wieder statt.
Infolge der Luftkriegsschäden ist der Schwedenkai auf einer Länge von 80 m, die Kaianlagen am Semlower- und Fährkanal und die Landungsbrücke für den Passagierverkehr nach Bug a.Rg. nicht mehr benutzbar.
Der feste Teil der Semlower-Brücke und die Baden-Brücke sind zerstört. Vollportel-Wippkran und der 3 to Drehkran am Hafenamt sind beschädigt - Reparatur läuft.
Schäden am Stückgutschuppen sind teilweise behoben, Beschädigungen am Lagerschuppen des Ippenkais werden z.Zt. behoben

am 28.11.1944
Gesunkene Kahn Sn 496, Besitzer Velzke, mit rd. 80 to Roggen wurde durch Bergungsfirma Wulf-Cuxhaven gehoben, das Getreide entladen und mit der Bahn nach Rostock zum Trocknen befördert, als Futtermittel. Dampfer „Heimat“ wurde gehoben und zur Krögerwerft gebracht. Schäden an den Kränen sind seit dem 04.11.44 beseitigt. Die Zuschüttung der Badenbrücke wurde in Angriff genommen.

am 31.01.1945
Das beim Luftangriff am 6.10.44 gesunkene Vermessungsschiff "Triton" der Kriegsmarine ist bisher nicht gehoben worden. Die Zuschüttung zwischen den Pfeilern der Badenbrücke ist soweit fertiggestellt, daß schwere Fuhrwerke die Brücke benutzen können. Gas-, Wasserleitungen und Starkstromkabel sind in der Schüttung verlegt worden.

24.05.1945 Kriegsschäden an den Bauten im Stralsunder Hafen beim Luftangriff am 06.10.1944:

Gesamtkosten 547 000,-RM

Schutzpolizei
am 29.10.1944
Durch den Terrorangriff am 6.10.1944 auf Stralsund ist die Zivilbevölkerung von einer Angstpsychose ergriffen und verlässt bei Öffentlicher Luftwarnung und Fliegeralarm fluchtartig das Stadtinnere. Das Vertrauen zu den Schutzräumen und Deckungsgräben ist verloren.
Die Straßenräumung sowie die Aufräumungsarbeiten bei den Versorgungsbetrieben sind durch Hilfe der Wehrmachtsarbeitskommandos einen guten Schritt vorwärtsgekommen. Wehrmacht zieht die Kräfte ab, so daß in den letzten Tagen nur noch 200 Mann zum Arbeitseinsatz zur Verteilung kamen.
Die durch den Angriff obdachlos gewordene Bevölkerung wurde schnell in den hiesigen Vorstädten oder auf dem flachen Lande in der Nähe Stralsund untergebracht.

Krankenhausverwaltung
am 30.10.1944
Größerer Teil der Bombenverletzten sind nach Greifswald, in das Marinelazarett Stralsund und das Hilfskrankenhaus in der früheren Provinzial-Heilanstalt überführt, später auch in das Hilfskrankenhaus Damgarten. Die Gesamtzahl der Bombenverletzten beträgt 125. In den städtischen Leichenhallen wurden insgesamt 100 Leichen eingesargt. Weitere Tote sind in die übrigen Leichensammelstellen eingeliefert worden. Die Gesamtzahl der Toten ist im Krankenhaus nichts bekannt geworden.
Der Betrieb im städtischen Krankenhaus konnte bald nach dem Angriff wieder aufgenommen werden. Die Fenster wurden provisorisch abgedichtet. Bald war auch die Wasser- und Stromzufuhr wieder hergestellt. Es fehlt jedoch noch Gas. Dies war für die Küche schlecht.

Ortspolizeibehörde
am 31.10.1944
Die Zahl der amtlich festgestellten Toten beträgt nach dem Stand vom 30.Oktober 1944
687 Zivilpersonen 27 Soldaten 54 Kriegsgefangene. Die Zahl der Vermissten steht noch nicht fest. Es werden auch jetzt noch Tote aus den Trümmern geborgen.
Besonders schwer wurden die Innenstadt und die Frankenvorstadt getroffen. Da der Feind vorwiegend Sprengbomben schwersten Kalibers abwarf, sind die entstandenen Schäden sehr gross. Es hat sich besonders gezeigt, dass die Luftschutzkeller, auch die die als sehr sicher galten, der Sprengwirkung nicht standhielten. Darauf ist die hohe Zahl der Menschenverluste zurückzuführen. In der Bevölkerung besteht allgemein eine grosse Abneigung, Angesicht der schweren Sprengwirkung künftig noch die Luftschutzkeller aufzusuchen, sie zieht es vor, ins Freie zu gehen, um nicht verschüttet zu werden. Betriebe der Innenstadt halten es für zwecklos, künftig noch Nachtwachen durchzuführen, da die Menschen bei Wiederholung eines derartigen Angriffs von vorneherein als verloren angesehen werden müssen.

am 30.11.1944
Nach dem Terrorangriff auf Stralsund vermehrte Rattenplage, sodaß die Rattenbekämpfung im ganzen Stadtgebiet durchgeführt werden muß unter Einschluß der zerstörten Häuser.

Stadtschulverwaltung
am 31.10.1944

Stadtwirtschaftsamt
am 01.11.1944
durch Luftangriff vom 06.10.1944 geschaffene schwierige Wirtschaftslage hat sich im Laufe des Monats Oktober noch verschärft.

01.12.1944
Dachschäden können wegen geringer Dachziegelmengen nur zu ganz kleinem teil beseitigt werden

04.06.1945
Kostenanschlag über Instandsetzung der durch Feindeinwirkung vom 06.10.1944 zerstörten Entwässerungsleitung
Am Fischmarkt, Boddenufer, Rügendammstrasse, Frankenschulstrasse, Gr. Diebsteg, Gartenstrasse, Ziegelstrasse, Werftstrasse, Frankendamm, Wulflamufer, Bahnhofstrasse, Gr. Plauderberg, Kl.Plauderberg und Reiferbahn = 50 000,- RM

Wirtschaft

Elektrizitätswerk und Straßenbahn Aktiengesellschaft
21.10.1944 an Reichsverkehrsministerium
Durch Feindeinwirkung sind uns von den vorhandenen 13 Straßenbahnwagen 2 restlos zerstört und 6 so schwer beschädigt worden, das eine Instandsetzung nur durch eine Waggonfabrik vorgenommen werden kann.

Totalschaden durch Fliegerangriff am 06.10.1944:
IH 192 778 Magirus Strabus 235, IH 34 779 Mercedes-Benz LO 2000 - Diesel, 20 Sitzplätze, IH 34 935 Mercedes-Benz LO 2000 - Diesel, 20 Sitzplätze, IH 97 502 Mercedes-Benz L 1500 - Diesel Lastwagen, Nutzlast 1 1/2 t, IH 192 777 Lindner Magirus Omnibus- Flüssiggas, 36 Sitzplätze, IH 192 778 Lindner Magirus Omnibus - Flüssiggas, 36 Sitzplätze, IH 97 537 D.K.W.  N.Z. 350 - Motorrad, IH 97 574 Opel Opel-Olympia O-L-38 - leicht beschädigt, Omnibus-Anhänger Poliz.ZulassungsNr. 717 und IH 67 570 Elektro-Lasteagen, Accu 80 Volt, Nutzlast 1 1/2 t.

noch vorhandene Fahrzeuge am 08.11.1944: 2 Omnibuse, 3 Personenwagen, 1 Lastwagen, 2 Motorräder

Firma „Otto Wilhelm“
Schadenssumme gesamt: 2 019 778,73 RM
Wohnhaus Hafenstr. 22 zerstört, und Heilgeiststraße 76 schwerst beschädigt 90%, Tankanlage Hafenstr. 21 zerstört, Autohalle und Maschinenhaus zerstört, Trafo Südkai 50% Schaden; Holzschuppen Autohalle zerstört, Wohnhaus Reiferbahn zerstört, von 13 Zug-Wagen 5 zerstört, von 3 LKW 2 zerstört, ein Bauwagen zerstört

Gesellschaft für Elektrizitäts Anlagen m.b.H
21.10.1944 an die Kraft Versicherungs AG
Fahrzeugversicherungen
Durch Feindeinwirkung sind am 6. d. M. die nachstehenden Kraftfahrzeuge unserer Tochtergesellschaft Elektrizitätswerk und Straßenbahn AG Stralsund völlig vernichtet worden:
Omnibus Nr. 10 Pol.Nr. IH 192.777; Omnibus Nr. 11 Pol.Nr. IH 192.778, Omnibus-Anhänger, Elektro-Lastwagen Pol.Nr. IH 67.570, DKW-Rad Pol.Nr. IH 97.537, Daimler-Benz-Lastwagen Pol.Nr. IH 97.505

21.10.1944 an die Deutsche Lloyd Versicherungs AG
Durch Feindeinwirkung sind am 6. d. M. die nachstehenden Omnibusse unserer Tochtergesellschaft Elektrizitätswerk und Straßenbahn AG Stralsund völlig vernichtet worden:
Omnibus Nr. 1 Pol.Nr. IH 34.767 und Nr. 3 Pol.Nr. IH 34.935

Meldung der Schäden durch Feindeinwirkung am 06.10.1944

© 2014 Peter Kieschnick