700 Jahre Parow

Am 2. Juni 1317 wurde das Dorf Parow zum ersten Mal urkundlich genannt. Und so kam es dazu:

Der Fürst Wizlaw III. von Rügen wurde in den Markgrafenkrieg um die Vorherrschaft im Ostseeraum zwischen seinem Lehnsherrn dem König von Dänemark Erik VI. Menved, Markgraf Waldemar von Brandenburg und den reichen Handelsstädten an der Ostsee verwickelt.

Schwierig war das Verhältnis Wizlaw zu Stralsund. Die Hansestadt wurde durch den Handel einflussreicher mächtiger und selbstbewusster. Wizlaw versuchte seinen Einfluss auf die Stadt auszuweiten. Die Verhandlungen dazu scheiterten, da Stralsund nicht bereit war, die geforderten Einschränkungen des lübischen Rechts anzuerkennen.

Anfang Juni 1316 führte Herzog Erich I. von Sachsen-Lauenburg, als Verbündeter des Rügenfürsten, Truppen aus Polen, Mecklenburg, Sachsen, Holstein und Truppen einiger kleinerer Fürsten vor den Toren Stralsunds.
Diese Vorhut des Heeres der Fürstenkoalition schlug sein Lager im Hainholz auf. Damals ein großer Wald. Hier wollte Erich I. warten bis die Hauptmacht eintrifft, sowie die dänischen Flotte mit 80 Schiffen im Sund segelte.

Die Stralsunder waren sich der Gefahr bewusst und mussten handeln bevor die Hauptmacht vor Ort war. Im Morgengrauen des 21. Juni 1316 rückten die Stralsunder in drei Gruppen aus dem Knieper-, Hospital und Tribseertor hinaus. Die Stralsunder Bürger voran die Hutmacher wickelten Filz um die Füße ihrer Pferde, dadurch waren sie bei ihrem Ausfall nicht zu hören. Das Lager war völlig schlecht gesichert. Es gelang die Gegner zu überraschen. Sie flohen oder wurden gefangen genommen.
Herzog Erich I, 24 Ritter und 11 Knappen wurde gefangengenommen. Nach der Vernichtung der Vorhut legte die Hauptmacht der Fürsten einen Belagerungsring um Stralsund. Die dänische Flotte versperrte den Hafen. Die Stralsunder setzten sich heldenmütig zur Wehr. Die Belagerung wurde im Herbst 1316 aufgehoben.

Fürst Witzlaw III. von Rügen schloss am 2. Juni 1317 mit der Stadt Stralsund Frieden, sodass sie bei allen ihren Rechten und Freiheiten bleiben und ihren alten Besitz in seinen Landen behalten soll. Alle Güter, die eine Meile um Stralsund lagen sollten der Stadt gehören. Die Stadt Stralsund verzichtete zugunsten des Fürsten Witzlaw III. und seiner Erben auf das Dorf „to Parowe“ und das fürstliche Schloss zu Prohn.

Vortmer so laten desse vorbenomeden borghere mit godeme willen van der ansprake des huses to Perun unde des dorpes to Parowe, also dat we unde uns erfnamen dat besitten scolen.

Es scheint so, dass der Besitz des Dorfes Parow zwischen dem Landesherrn und der Stadt Stralsund strittig war. Also existierte das Dorf bereits über einen längeren Zeitraum.

Der Name Parow trat nachweislich zuerst als Beiname von Personen auf. Bis ins 12. Jahrhundert gab es, bis auf wenige Ausnahmen, nur einnamige Personennamen. Beinamen dienten aber bereits zur Unterscheidung von Personen. Der Name Parow wird erstmals 1158 erwähnt, als ein Swentepolk von Parow an der Seite des Abodritenfürsten Niklot kämpfte. In diesen Zusammenhang bedeutet der Name, dass Swentepolk der aus Parow stammende.

Die Familie Parow gehörte zu den ältesten Patriziergeschlechtern Stralsunds. Nach Meinungen einiger Historiker gehörten Sie zu den ersten Gründern dieser Stadt. Aufgrund des von ihnen erworbenen Grundbesitz erhielten sie ihren Beinamen Parow. Wulvold von Parow (lateinisch: Wluolt de Parowe) war bereits 1293 Ratsherr zu Stralsund.
Im Städtischen Einnahmenregister Stralsunds von 1278 und 1285 ist ein Hinrico de Parowe genannt, also Hinrico von Parow. Bei den Rechtsgeschäfte 1279 – 1288 ist der Name Parow mehrmals aufgeführt, so Aliken de Parowe und Hinricum de Parowe. Im „Pommersches Urkundenbuch“ sind u.a. folgende Personen genannt: am 30.11.1265 Wulfardus de Parowe, am 11.04.1296 Conradus de Parow und Gemahlin Mechtildis.

Auf Grund dieser genannten Personen darf man annehmen, dass der Ort Parow mit seinem Namen bereits im 12. Jahrhundert existierte.

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© 2017 Peter Kieschnick