Carl Friedrich Freiherr von Langen

Geboren wurde Carl Friedrich Freiherr von Langen am 25.Juli1887 in Klein Belitz.

Er besaß das Gut Parow sowie die Ortschaften Klein Belitz und Boldenstorf bei Wismar.
Carl Friedrich Freiherr von Langen absolvierte in Paderborn die Reitschule.

Im Ersten Weltkrieg wurde er im Osten als Rittmeister beim des 1.Garde-Ulanen-Regiment eingesetzt. 1915 stüzte er bei einem Patrouillenritt in den Karpaten mit seinem Pferd in einen Gebirgsbach. Dadurch war er bis 1919 aufgrund erheblicher Lähmungen an den Rollstuhl und Krücken gefesselt.
Carl Friedrich wollte unbedingt wieder reiten, deshalb bemühte er sich mit großem Willen und eiserner Disziplin um seine Genesung.

Von Langen begann 1920 eine außerordentliche sportliche Karriere im Turnierreiten, als er das Große Hannoversche Jagdspringen auf seinem Lieblingspferd „Hanko“ gewann.
Der Wallach „Hanko“ war übrigens ein Franzose und wurde 1914 in der Marneschlacht von einem anderen Rittmeister erbeutet, der das Pferd nach dem Krieg an den langsam genesenden Carl Friedrich verkaufte. Zuerst wurde „Hanko“ als Zugpferd eingsetzt. Der Freiherr erkannte aber die Fähigkeiten des Pferdes. In Parow wurde „Hanko“ an der Longe und dann vom Freierrn von Langen in der Dressur und im Springen ausgebildet.

Im Jahr 1921 gewann er 26 Springprüfungen, war 20mal Zweiter und 44mal platziert; hinzu kamen Dressur- und Vielseitigkeitsprüfungen. Die Reisen zu den Turnieren wurden in der Regel mit der Eisenbahn gemacht.
1922 startete von Langen erstmals im Ausland (Malmö, Schweden), blieb aber noch erfolglos. 1923 gewann er mit dem Pferd „Goliath“ in Malmö gleich fünfmal (Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Military).
1924 gewann von Langen mit „Hanko“ und 1927 sowie 1928 mit „Falkner“ das Deutsche Spring-Derby.
1924 startete er in Italien, der damaligen Hochburg des Springreitens. In Rom gewann er gegen 102 Mitstreiter ein schweres Springen mit dem Hannoveraner „Apoll“ und siegte im Hochspringen mit „Hanko“.
Der Pferdesport boomte Mitte der 20er Jahre wie nie zuvor und wurde bei der Bevölkerung immer beliebter .
Die Einzel-Dressurprüfung auf der Olympiade in Amsterdam gewann von Langen am 11.08.1928 gegen 29 Reiter aus 13 Nationen mit seinem Pferd „Draufgänger“. Im Springen patzte wider Erwarten sein Pferd „Falkner“ gleich zu Beginn; 8 Fehler ergaben Platz 28. Olympiasieger wurde er auch mit der Mannschaft in der Dressurprüfung.
Im Juli 1929 fand in Stralsund ein groß angelegtes Turnier statt, dessen Schirmherr Carl Friedrich Freiherr von Langen war.

1933 wurde er Präsident des örtlichen Reit- und Fahrverbandes. Dieser Verband wurde durch die Nazis mit vielen Reitervereinen zum SA-Reitersturm gleichgeschaltet. Dadurch wurde von Langen Chef des SA-Reitersturms in einem Rang eines Obersturmbannführes, ohne sich politisch mit den Nazis zu identifizieren. Seine Leidenschaft waren die Pferde und das Reiten. (Durch Zeitzeugen wurde dies bestätigt.)

Carl Friedrich Freiherr von Langen bereitete sich für die Olympiade 1936 in Berlin vor. Am 25.Juli 1934, zu seinem 47. Geburtstag, mussten die deutschen Olympiakandidaten auf dem Truppenübungsplatz Döberitz bei Berlin ein schweres Military reiten. Im Ziel kamen von 25 Startern nur zwei an. Auch von Langen stürzte mit dem Pferd „Irene“ schwer. Mit zertrümmertem Becken lag er mehr als eine Stunde im märkischen Sand, dann erst fanden ihn die Hilfsmannschaften und konnten ihn bergen. Wenige Tage später, am 03.August 1934, erlag der herausragende Reiter in Potsdam seinen Verletzungen . Arbeiter und Angestellte der Güter Parow und Groß Damitz würdigten Carl Friedrich Freiherr von Langen in einer Zeitungsanzeige als „gütigen und gerechten Arbeitgeber“. Am 06.August 1934 fand die Trauerfeier statt. An dieser nahmen außer den Familienangehörigen auch Angehörige des Hochadels und Militärs teil, insgesamt waren etwa 1000 Trauergäste anwesend. Beigesetzt wurde Carl Friedrich Freiherr von Langen in der Familiengruft in Neuhof.
Sein Pferd „Hanko“ wurde in Parow begraben. Ein kleiner Gedenkstein, ein Stück vom Schloss entfernt, erinnert an das Pferd, die Inschrift ist leider nicht mehr zu lesen.
Eine andere Quelle berichtet, dass dass die Witwe Freifrau Marie Louise von Langen nach Schloss Alt Plestlin übersiedelte und das Pferd mitnahm. Die Freifrau übernahm die Pflege des Pferdes. Als sie aber wieder heiratete, starb „Hanko“. Ein Gedenkstein für den Wallach „Hanko“ befindet sich noch heute hinter dem Schloss von Alt Plestlin.

Sein autobiographisches Buch „…reitet für Deutschland“ von Clemens Laar 1936 wurde 1941 von der UFA verfilmt. Die Hauptdarsteller waren Willy Birgel und Gerhild Weber, Regie führte Arthur Maria Rabenalt.

1944 wurde der Film für eine Propagandakampagne durch Goebbels in eine Liste der 18 großen nationalen Filme aufgenommen. Deshalb wurde er 1945 verboten und erst 1952 in der Bundesrepublik in einer geschnittenen Version freigegeben. In der DDR war der Film nicht zugelassen. 1991 wurde der Film als Video produziert.

Sein Sohn Karl Anton Freiherr von Langen gründete nach dem Krieg den Landesverband der Reit- und Fahrvereine Hamburg 1948 neu.

1992, am Tag der Deutschen Einheit, wurde vom Reit- und Fahrverein Altenpleen zum Gedenken an Carl Friedrich Freiherr von Langen ein Schauturnier und Volksfest durchgeführt sowie eine Gedenktafel am Schloss Parow angebracht.

Carl Friedrich Freiherr von Langen war Europas vielseitigster Reiter und Mecklenburgs erster Olympiasieger.

© 2005 - 2015 Peter Kieschnick