Marinetechnikschule fest in Mädchenhand

Autor: StFw Sebastian Landgraf

Technik, Marine und Frauen – passt das zusammen? 15 Schülerinnen aus der Region besuchten im Rahmen des bundesweit durchgeführten „Girls Day“ die Marinetechnikschule in Parow. Unter dem Motto – Berufsorientierung einmal ganz anders, tauchten die Mädels in den Alltag eines Marinesoldaten ein und erkundeten, was hinter den Zäunen und Mauern einer Kaserne passiert.  Das Tagesprogramm beinhaltete Teile der Militärischen Grundlagen, einen Einblick in die Schiffstechnik und das Gefühl vom Leben an Bord eines Schiffes.

Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, Sonnenschein und leichter Wind. Am Morgen des 27. Aprils 2017 war die Aufregung bei den „Girls“ am Kasernentor noch deutlich zu spüren, als der Verantwortliche für den Aktionstag an der Marinetechnikschule Parow, Stabsfeldwebel Sebastian Landgraf, die Mädchen im Alter zwischen 15 und 16 Jahren herzlich willkommen hieß. Die Schülerinnen aus Stralsund, Barth und Prohn haben für ein paar Stunden die Schultaschen gegen den Blaumann, den Laptop gegen Arbeitshandschuhe und den Schulbus gegen ein Schiff getauscht. Sie nahmen die Welt der Marinetechnik ganz genau unter die Lupe. Nach den einleitenden Worten nahmen di e Teilnehmerinnen Kurs auf die Grundausbildung. Hier wurde Ihnen der Wechsel vom Zivilleben hinein in die militärische Umgebung anschaulich vorgestellt. Die Mädchen zeigten sich beeindruckt vom Leben in der militärischen Gemeinschaft. Das Schlafen auf engstem Raum in Doppelstockbetten und das zeitlich eingeschränkte Schminkritual sorgte für Erstaunen bei den Schülerinnen. Bootsmann Philipp Klose steuerte eindrucksvoll die Einkleidung der Mädels, die in ihre ungewohnte „Uniform“ schlüpften. Im Blaumann angetreten, konnten die Teilnehmerinnen einen 15 kg schweren Rucksack aufsetzen und ein paar Schritte damit gehen. Auch das Anlegen der stich- und schusssicheren Weste war für die Schülerinnen eine erste Herausforderung. Laura Junghanß (16) aus Stralsund sagte: „ Die zwölf Kilogramm schwere Weste ist sehr ungewohnt. Zusammen mit dem Rucksack stelle ich mir das wirklich anstrengend vor.“

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Schiffsdieselmotor seeklar machen und Ölprobe ziehen
Ein weiterer Programmpunkt lag im Bereich der Schiffstechnik. Auf den Spuren von Diesel und Pascal wurde den Schülerinnen die Funktionsweise eines Schiffsdieselmotors anschaulich erklärt. Kapitänleutnant Christin Greeb und Oberleutnant zur See Lisa Rathje erläuterten leidenschaftlich das See klarmachen des Schiffsmotors. Die Girls konnten dabei den Ölstand, den Wasservorrat und die Kraftstoffmenge prüfen. Ein weiterer Arbeitsgang war das „Törnen“ des Motors. Die Mädels drehten dabei den Motor auf eine bestimmte Stelle. Maria Smentek (15) aus Stralsund erklärte: „ Das habe ich mir schwerer vorgestellt. Das war auf jeden Fall machbar.“ Nach der Überprüfung kam der besondere Moment – das Starten des Dieselmotors. Celina Michelle Töllner (15) aus Prohn durfte den Startknopf drücken und circa 4000 PS dröhnten in der Ausbildungshalle. Der Motor sprang an und die Schülerinnen waren stolz auf Ihre Leistung. Nach dem Ausflug in die Motorentechnik wurde von dem Motor eine Ölprobe genommen. Gemeinsam mit der Chemielaborantin Susanne Both tauchten die Mädchen in die Geheimnisse der Chemie. Was in der Schule noch für einige Fragezeichen sorgt, stellte sich jetzt als „ coole“ Arbeitsprobe heraus. Die Schülerinnen stellten die Viskosität der entnommenen Ölprobe fest und konnten anhand Ihrer Ergebnisse die Veränderungen und Auswirkungen auf den Schiffsmotor erkennen. Ausgestattet mit Handschuhen und Schutzkleidung wurden die Proben präzise durch die Teilnehmerinnen getestet. „ Es war gar nicht so leicht das Öl von der großen in die kleine Flasche zu füllen. Das Schmieröl an den Händen ist nicht schlimm, eher cool“, sagte Lena Peters (15) aus Barth. Den Abschluss in der Schiffstechnik bildete der Einblick in das modernste Schiff der deutschen Marine, der Fregatte F- 125. Am nachgestellten Leitstand der Fregatte wurde den Teilnehmerinnen die umfangreiche Technik erläutert.

Leben an Bord
Nach dem gemeinsamen Mittagessen in der Truppenküche der MTS, hieß es: „Willkommen an Bord!“ Im Bootshafen der MTS liegt das Hohlstablenkboot Ensdorf. Das Ausbildungsboot diente den Mädchen als schwimmendes Klassenzimmer. Die Soldaten der Ensdorf erklärten den Girls die Brand- und Leckabwehr, Ankermanöver aber auch das Beheben technischer Störungen an den Maschinenanlagen. Besonders die Unterkunft der Seeleute hatte es den Besucherinnen angetan. Wie kann man nur in solchen kleinen Betten schlafen und auf so einem engen Raum wohnen, waren die häufig gestellten Fragen. Hier nutzten einige Mädchen die Gelegenheit, sich von der Bequemlichkeit der Kojen zu überzeugen. Andere schlüpften in die Rolle des Kapitäns und nahmen auf dem Chefsessel Platz. Es war ein spannender und erhabener Moment  von der Brücke das Boot zu „steuern“. Seefest und voller maritimer Eindrücke ging es wieder an Land und sammelte sich zum Abschlussgespräch im Betreuungsgebäude der Kaserne. In gemütlicher Atmosphäre wurde der Tag ausgewertet und die Schülerinnen erhielten einen kurzen Einblick über Einsatzmöglichkeiten in den technischen Berufen der Marine und informierten sich über Praktikumsplätze an der MTS.

 

© 2017 Sebastian Landgraf