Marinesoldaten üben für den Ernstfall

von Stabsfeldwebel Sebastian Landgraf, MTS (Bilder zur Vergrößerung bitte anklicken.) 

66 Marinesoldaten der Marinetechnikschule Parow übten zum Abschluss ihrer Ausbildung ein Einsatzszenario auf See. Dabei mussten sie Straßensperren errichten, Hafeneingänge sichern und auf Feuer- und Wassereinbruch richtig reagieren – immer unter den wachsamen Augen der militärischen Prüfer.

Plötzlicher Ruck durchzieht das Schiff der Deutschen Marine. Die Fahrgeschwindigkeit nimmt binnen weniger Momente deutlich ab. Einige Sekunden später ertönt die Durchsage über die Bordlautsprecher: „Maschinenschaden am Motor – vorbereiten zum Einlaufen in den nächsten Hafen“. Was in diesem Moment bedrohlich erscheint, ist am 08.November 2017 Teil der militärischen Ausbildung an der MTS. An diesem Tag befanden sich 66 junge Frauen und Männer in der Übungssituation. Die Lehrgangsteilnehmer sollen zum Ende ihre Ausbildung auf ein Einsatzszenario See vorbereitet werden. Dazu wurde der Bootshafen der MTS, inclusive des ehemaligen Hohlstablenkbootes „Ensdorf“, in einen ausländischen, mit verschärfter Sicherheitslage, befindlichen Hafen umgewandelt. Hauptbootsmann Thomas Neumann, verantwortlicher Leiter der Übung, erklärt den Sinn des Einsatzes: „Die Einsatzübung beinhaltet den letzten Abschnitt der sechswöchigen Ausbildung. Die Teilnehmer sollen das Erlernte richtig anwenden.“

Das äußere Gefecht wird geübt

Die angehenden Seeleute der Marine befinden sich jetzt im Dauerstress. Das Schiff muss gesichert, Straßensperren errichtet und das gesamte Hafengelände beobachtet werden. Gerade in ausländischen Häfen mit gefährlicher Einsatzlage ist die Sicherung des eigenen Schiffes von großer Bedeutung. Gefreiter Niclas-Arne Saul, Lehrgangsteilnehmer der Übung, übernimmt während des Einsatzes die Überwachung der Hafeneingänge. Dazu hat der 23-jährige seinen Beobachtungspunkt auf dem Fahrerhaus eines LKw`s bezogen. „Von hier aus beobachte ich Personen und Fahrzeuge die sich verdächtig unserem Schiff nähern und melde das an meine Vorgesetzte weiter.“ Geübt und überprüft werden dabei das richtige Anlegen der schusssicheren Weste und die Einhaltung aller Sicherheitsbestimmungen beim Umgang mit Schusswaffen. „Die Weste schränkt meine Bewegungsfreiheit schon ein bisschen ein. Aber die Übung macht Spaß und ich habe schon viel dazu gelernt“, ergänzt der Marinesoldat. Nach seiner Zeit an der MTS führt sein Weg entweder auf das Segelschulschiff Gorch Fock oder auf die Fregatte Mecklenburg-Vorpommern. Ein wichtiger Punkt während der Übung ist für Hauptbootsmann Neumann die Kommunikation. Durch Sperrungen im Hafengelände gelangen viele einheimische Fischer nicht mehr an ihre Boote. Dadurch erleiden sie Verdienstausfall und Wut macht sich breit. „Hier möchte wir eine klare Kommunikation zwischen den Lehrgangsteilnehmern und der Bevölkerung sehen. Nur so lassen sich Aggressivität und Gewalt eindämmen“, berichtet der erfahrene Ausbilder.

Im Inneren des Schiffes brodelt es

Doch nicht nur im äußeren Bereich des Schiffes geht es hoch her. Im Inneren ertönt plötzlich ein lauter Schrei – „Feuer in Kombüse“. Jetzt gilt es für die Soldaten die Rettungskette auszulösen und richtig anzuwenden. Die ausgebildeten Brandbekämpfer eilen an ihre Stationen und legen den Brandschutzanzug an. Zielgerichtet kämpfen sich die Brandabwehrtrupps zum Feuer vor. Den Soldaten steht jetzt die Anstrengung und Belastung deutlich ins Gesicht geschrieben. Während der Brandbekämpfung spitzt sich die Lage weiter zu. Durch die Rauchgasentwicklung ist es zu einigen Verletzten unter der Besatzung gekommen. Bergen aus der Gefahrensituation, Kontrolle von Kreislauf und Atemwege und das Anlegen von Verbänden, sind die ersten Behandlungsmaßnahmen vor Ort. Dabei ist die eingeschränkte Bewegungsfreiheit an Bord des Schiffes eine große Herausforderung für die übenden Soldaten. Gefreite Celine Reupsch ist im Leitstand, dem Gefechtsstand während der Übung, als Informationsübermittlerin eingesetzt. Dabei muss sie alle neuen Situationen an die entsprechenden Stellen weiterleiten. „Die Aufgaben sind sehr fordernd, weil viele Informationen über die aktuelle Gefährdungslage des Schiffes auf einmal auflaufen.“ Die 19-jährige wird nach Abschluss ihrer Ausbildung an der MTS auf ein Minenjagdboot der Deutschen Marine eingesetzt.

Sicherheit geht vor Schnelligkeit

Der Verlauf der Übung ist maßgeblich vom Verhalten der Lehrgangsteilnehmer abgängig. Funktionieren die Abläufe der Rettungsketten nicht oder verstoßen die Soldaten gegen Sicherheitsbestimmungen, „können die einzelnen Lagen sehr lang und anstrengend sein“, ergänzt Hauptbootsmann Neumann. In einem sind sich alle Beteiligte einig: Es geht um Handlungssicherheit in gefährlichen Situationen. Die Schnelligkeit kommt mit der Erfahrung und Übung. Diese werden die künftigen Seefahrer in ihren Einsätzen auf den Schiffen der deutschen Marine ausreichend sammeln.

© 2017 Stabsfeldwebel Sebastian Landgraf, MTS