Schiffe und Boote der Volksmarine
im Bestand der Bundesmarine

Am 02.10.1990 wurden die Flaggen der DDR feierlich eingeholt. Am 03.10.1990 wurde auf allen Schiffen und Booten der ehemaligen Volksmarine die Dienstflagge der Bundesmarine gehisst.

Alle Schiffe, die in die Bundesmarine übernommen werden sollten, standen bereits vor der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten fest. Nach einem Konzept des Kommandos der Volksmarine sollten 12 Schiffe weiterfahren. Das BMVG stimmte diesem Konzept zu.

Die übernommenen Schiffe bekamen eine Flaggenbescheinigung. Die nicht in die Bundesmarine übernommenen Schiffe wurden noch am 03.10.1990 außer Dienst gestellt.

Küstenwachgeschwader

Maximal 12 aktive Kampfschiffe sollten unter bundesdeutscher Flagge weiter ihren Dienst bis Ende 1991 tun. Organisatorisch waren diese als Küstenwachgeschwader zusammengefasst. Die Schiffe sollten aus ihren bisherigen Stützpunkten heraus eingesetzt werden.
Aus den Resten des Stabes der 4.Sicherungsbrigade der Volksmarine wurde ein Mini-Stab des Küstenwachgeschwaders in Warnemünde gebildet. Er koordinierte den Einsatz des Geschwaders. Zu einer normalen Geschwaderbildung kam es nicht!

Die Aufgaben dieses Küstenwachgeschwaders sollten sein:

Der vorgesehene Bestand von 12 Schiffen war keine feste Größe! Es wurde an 15 Kampfschiffe eine Hull-No. vergeben.
Eine langfristige Übernahme der Technik war nicht vorgesehen, da diese nicht ins logistische Konzept der Bundesmarine passte. Auch insgesamt musste die neue Deutsche Marine ihr Personal verkleinern [weitere Informationen].

Die Materialerhaltung der ehemaligen Volksmarine-Schiffe und -boote erfolgte hauptsächlich durch Rückgriff auf Ersatzteile aus den übrigen an der Pier liegenden Einheiten. Es gab große Probleme, die Schiffe in Fahrt zu halten. Besonders gab es Schwierigkeiten, die zum Betrieb der Schiffe benötigten Besatzungsstärken zusammenzubekommen.
Daran scheiterte auch der Versuch, das Küstenschutzschiff „Berlin“ in Fahrt zu bringen. Selbst bei der „Rostock“ kam es wegen Personalmangel zu keiner größeren Fahrt mehr. Die Schiffsbesatzungen sahen keine Perspektive in der Bundesmarine. Sie hatten nur den Status eines „Dienstverhältnis eigener Art“. Wer als Soldat auf Zeit für 2 Jahre übernommen wurde, musste die schwimmenden Einheiten der ehemaligen Volksmarine verlassen. Sie wurden auf feste Dienstposten, laut Stellen- und Ausrüstungsplan der neuen Deutschen Marine, versetzt.
Wer woanders Arbeit gefunden hatte, konnte sofort seinen Dienst beenden. Neues Personal für die Schiffe der ehemaligen Volksmarine wurde nicht ausgebildet.

Das Küstenwachgeschwader wurde Mitte 1991 sang- und klanglos aufgelöst. Zu diesem Zeitpunkt waren nur wenige Schiffe fahrbereit.

Die Schiffe des Küstenwachgeschwaders hatten verschiedene Einzeleinsätze bis April 1991. Es waren Fahrten in westliche Häfen mit dem Ziel des gegenseitigen Kennenlernens und der Vertrauensbildung, so z.B.

  Zielhafen Einheiten
April 1990 Kiel Gardebusch, Teterow
08.-11.12.1990 Wilhelmshaven Halle
Dezember 1990 Kiel Halle, Wismar, Lübz
Dezember 1990 Wilhelmshaven Halle
23./24.04.1991 Olpenitz Wismar, Lübz
Februar 1991 Kiel Bernau, Eilenburg
Juni 1991 Kiel Gardebusch, Teterow
September 1991 Kopenhagen Gardebusch
Oktober 1991 Flensburg, Vejle und Aarhus Gardebusch
März 1992 Kiel Rostock [Bordstempel]

Für Test- und Erprobungszwecke ist folgendes bekannt:

  Einheiten Zweck
November 1990 Halle mit zwei MSR lang, U-Boot U21 und ein U-Jäger der Thetis-Klasse U-Jagd Übung in der Ostsee, die einsatztaktische Erkenntnisse liefern sollte.
einige Male Halle zu Demonstrationszwecken (Waffeneinsatz, Munitionsverschuß)
05.02.1991 Rostock „Asbest-Messfahrt“
nach Außerdienststellung Rostock Zu Testzwecken beim WTD 71 Eckernförde. Ab Mai 1995 abgegeben zur Royal Navy (Portsmouth) als Zielschiff.

Bestand des Küstenwachgeschwaders

Projekt-Nr. Schiffsname Hull-No. Heimathafen Aktiv am
22.10.1990
 
Fregatte Klasse 600 Koni (Küstenschutzschiff Projekt 1159)
1159.1 Rostock F 224 Warnemünde nein / Werft bis Ende Oktober 1990 in der Werft; Außerdienst 18.04.1991 (andere Quellen am 21.03.1991, siehe auch oben März 1992); [Bordstempel 1] [Bordstempel 2], 1998 in Aliağa (Türkei) abgebrochen.
1159.3 Halle F 225 Warnemünde ja Außerdienst 30.03.1991 (andere Quellen am 20.03.1991) [Bordstempel], 1995 in Rostock abgebrochen
Korvette Klasse 140 PARCHIM (Küstenschutzschiff Projekt 133.1)
133.101 Wismar P 6170 Warnemünde ja Außerdienst 27.09.1991 [Bordstempel]
133.105 Lübz P 6169 Warnemünde ja Außerdienst 27.09.1991 [Bild] [Bordstempel 1] [Bordstempel 2]
133.112 Teterow P 6168 Peenemünde ja Außerdienst 31.12.1991 [Bordstempel]
133.113 Gardebusch P 6167 Peenemünde ja Außerdienst 31.12.1991 [Bordstempel]
133.114 Grevesmühlen P 6164 Peenemünde nein / Werft Außerdienst 13.03.1991 [Bordstempel]
Schnellboot Klasse 620 BALCOM 10 (Patrouillenboot Projekt 151)
151.0 Saßnitz P 6165 Dranske-Bug ja Außerdienst 21.03.1991 [Bild] [Bordstempel]
Schnellboot Klasse 621 TARANTUL (Raketenschiff Projekt 1241 RÄ)
1241.2 Hiddensee
ex. Rudolf Eglhofer
P 6166 Dranske-Bug ja Außerdienst 22.04.1991 [Bild] [Bordstempel]
Hochseeminensuchboote Klasse 300 KONDOR II (Hochsee-Minenabwehrschiff Projekt 89.2)
89.233 Bitterfeld M 2672 Peenemünde nein Außerdienst 22.04.1991 [Bordstempel]
89.234 Tangerhütte M 2669 Peenemünde nein Außerdienst 20.03.1991
89.240 Bernau M 2673 Warnemünde ja Außerdienst 22.04.1991 [Bordstempel]
89.241 Eilenburg M 2674 Warnemünde ja Außerdienst 22.04.1991 [Bordstempel]
89.244 Sömmerda M 2670 Peenemünde ja Außerdienst 22.04.1991 [Bordstempel]
89.245 Eisleben M 2671 Peenemünde ja Außerdienst 22.04.1991 [Bordstempel]

Hilfsschiffe

Zum Betrieb der einzelnen Stützpunkte wurden einige Hilfsschiffe vorerst übernommen. Die endgültig übernommenen Hilfsschiffe unterzog man einem Umbau auf bundesdeutschen Standard.

Im Rahmen der humanitären Hilfe für die UdSSR wurden Schiffe der Darß-Klasse von Dezember 1990 bis August 1991 extra in Dienst gestellt. Sie transportierten über 35.000 Paletten mit ca. 17.000 Tonnen Lebensmittel. Es wurden die Häfen von Leningrad/St.Petersburg, Tallinn und Klaipeda angelaufen.

Projekt-Nr. Schiffsname Hull-No. Heimathafen Aktiv am
22.10.1990
 
Wohnschiffe Klasse 650 (Schwimmender Stützpunkt Projekt 162)
162.01 Vogtland Y 890 Rostock-Gehlsdorf nein Winterhalbjahr 1990/91 nach Warnemünde, Außerdienst 25.04.2002 [Bordstempel]
162.02 Altmark Y 891 Dranske-Bug nein Winterhalbjahr 1990/91 nach Warnemünde, Januar 1992 Standort Wilhelmshaven, Umbau 1996 auf der Volkswerft Stralsund, danach Standort Wilhelmshaven, war dort noch 2015 vorhanden [Bordstempel]
162.03 Wische, ex. Harz Y 895 Dranske-Bug nein Januar 1992 Standort Wilhelmshaven, Umbau 1996 auf der Volkswerft Stralsund, danach Standort Wilhelmshaven, war dort noch 2015 vorhanden [Bordstempel] [Bordstempel]
162.04 Havelland Y 892 Dranske-Bug nein Außerdienst 30.09.1991, März 1992 in Kiel [Bordstempel]
162.05 Börde Y 894 Dranske-Bug nein neuer Standort Warnemünde ab ?, Außerdienst 23.12.1992 [Bordstempel]
162.06 Uckermark Y 893 Dranske-Bug nein neuer Standort Warnemünde ab ?,Dezember 1991 Standort Wilhelmshaven, Außerdienst 19.04.2002 [Bordstempel]
Hafenschlepper Klasse 660 (Reedeschlepper 414)
414.01 Wustrow, ex. Zander Y 1656 Warnemünde nein Außerdienst 09.12.2010 [Bild] [Bordstempel]
414.02 Dranske,
ex. Kormoran
Y 1658 Warnemünde nein Außerdienst 22.03.2010 [Bordstempel]
414.03 Koos, ex. Delphin Y 1651 Peenemünde nein Außerdienst 28.09.1995 [Bordstempel]
Schlepper Klasse 660 (Bergungsschlepper 19)
270.3 Havel Y 1654 Warnemünde nein Außerdienst 06.02.1992 [Bordstempel]
270.4 Zingst Y 1655 Warnemünde nein Außerdienst 20.03.1991 [Bordstempel]
270.5 Oder Y 1659 Peenemünde nein Außerdienst 31.12.1991 [Bordstempel]
270.6 Saale Y 1660 Peenemünde nein Außerdienst 12.07.1991 [Bordstempel]
Schlepper Klasse 660 (Hochsee-, Reede- und Hafenschlepper Projekt 498)
498 Ummanz Y 1650 Peenemünde nein Außerdienst 20.03.1991 [Bordstempel]
Schlepper Klasse 660 (Hochseeschlepper 700)
700 Thale A 1459 Peenemünde nein Außerdienst 20.03.1991 [Bordstempel]
Tanker Klasse 670 (Reedetanker Projekt 2850)
2853 Kölpinsee Y 1652 Peenemünde nein Außerdienst 22.04.1992 [Bordstempel]
2854 Fleesensee Y 1657 Warnemünde nein Außerdienst 30.09.1994 [Bordstempel]
Seezeichenkontrollschiff Klasse 680 (Großes Hydrographisches SK-64)
64.106 Kolliker Ort Y 1653 Peenemünde nein Außerdienst 20.03.1991 [Bordstempel]
Bergungsschiff Klasse 600 (Projekt 256)
  Hugo Eckener Y-896 Peenemünde ja geplant war A 1454, Hull-No. wurde nicht äusserlich gezeigt, Rufzeichen DRTQ und Name äusserlich sichtbar, Stilllegung IV/1990 [Bordstempel]
Hochseeversorger Klasse 690 (Hochseeversorger Projekt 602)
602.131 Darß A 1432 Warnemünde nein Außerdienst August 1991 [Bordstempel]
602.132 Mönchgut A 1431 Peenemünde nein Außerdienst August 1991 [Bordstempel]
602.133 Wittow A 1430 Peenemünde nein Außerdienst August 1991 [Bild] [Bordstempel]
602.134 Kühlung A 1433 Warnemünde nein Außerdienst August 1991 [Bordstempel]
602.136 Werdau A 1434   nein Außerdienst August 1991

Bemerkung: Bei den Außerdienststellungsdaten gibt es mitunter unterschiedlichen Angaben.

Weitere kleinere Schlepper Projekt 1344 (Warnow) [Bild], Barkassen Projekt 407 und Segelkutter ZK 10 wurden zeitweise übernommen. Mit Stand März 2015 sind noch drei Barkassen im Dienst der Deutschen Marine [weitere Informationen].

© 2014 - 2016 Peter Kieschnick