Räumboot Typ R-218

NATO-Code: 511-Klasse

Die Schulboote R3 und R1 im Hafen von Parow

(Stand: 19.02.2016, Änderungen sind fett und kursiv gekennzeichnet)

Inhalt:

Konstruktion
Bezeichnung der Boote
Zeitlicher Überblick
Besondere Kennzeichnung
Taktisch-technische Daten
Vorgeschichte der Räumboote
Technische Daten der Kriegsmarine Räumboote

 

Konstruktion

1944/45 wurden diese Boote auf den Werften Burmeister in Bremen-Burglesum und Swinemünde sowie bei Abeking & Rasmussen in Lemwerder gebaut. Sie gehörten der Bauserie R 218 bzw. R 401 an. (siehe unten - Vorgeschichte der Räumboote)

Die Boote waren Glattdecker in Kompositbauweise. Ihre Spanten waren aus Leichtmetall und die Außenhaut aus Holz. Die Beplankung war doppeldiagonal-kraweel ausgeführt, als Zwischenlagen wurde Segeltuch verwendet. Bei R1 wurde Mahagoni und bei R2 bis R6 astfreie Kiefer verwendet. Der Bootskörper war durch sieben wasserdichte Querschotte in acht Abteilungen unterteilt. Das Ruderhaus war gepanzert, aufgesetzt war ein offener Steuerstand. Achtern davon befand sich eine nockartige Kompassplattform.

Das Mannschaftsdeck befand sich im Achterschiff, das Unteroffiziersdeck und die Offizierskammern im Vorschiff. Im Ruderhaus waren ein Funk- und ein Kartenraum vorhanden. In der Kombüse gab es einen Kochherd, der mit einem Ölsaackebrenner beheizt wurde. Zur Navigation waren drei Magnetkompasse vorhanden: im Vorschiff, im Ruderstand und in der Nock hinter dem Ruderstand über dem Maschinenraum.

Zwischen den Bauserien gab es geringfügige Abweichungen in Details bei der Ausführung.

Bezeichnung der Boote

Die sechs Räumboote der Seepolizei erhielten die Bezeichnung R1 bis R6. Namen wurden keine vergeben.

In den zeitgenössischen Veröffentlichungen in der DDR wurden nach ihrer Außerdienststellung diese Boote als „Räumboote der ehemaligen Kriegsmarine“, „Räumboote älteren Typs“ oder als „Räumboote des Typs 1940“ (R-Boot 40) definiert. Erst mit der autorisierten Herausgabe des Standardbuchs „Vom KS-Boot zum Raketenschiff“ 1986 [Mehl /Schäfer / Israel] wurden diese Boote als „Typ R 218“ bezeichnet, nach der Bauserie 218 bis 290 der Werft Burmester.

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Zeitlicher Überblick

01.04.1950 Kapitän I. Ranges Jurin von der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) kündigte die Lieferung von sechs Räumbooten aus ihrem Anteil an der deutschen Kriegsbeute an.
29.05.1950 Eine sowjetische Kommission unter Leitung des Kapitäns I. Ranges M. F. Krochin übergab die sechs Räumboote im Hafen Parow an die DDR. Übernommen wurden sie vom Stellvertretenden Ministerpräsidenten der DDR Heinrich Rau und VP-Kommandeur Friedrich.
Die Boote wurden käuflich erworben. Der technische, optische und sanitär-hygienische Zustand waren schlecht. Die Boote hatten keine Bewaffnung. Die in mancher Literatur getätigte Aussage, dass sich auf verschiedenen Booten teilweise Originalräumgeräte der Kriegsmarine befanden, kann aus heutiger Sicht nicht bestätigt werden. Seit 1947 sind die Boote als Wachboote bei der Baltischen Rotbannerflotte gefahren, wofür sie keine Räumgeräte benötigten. Bei der Übergabe in Parow waren an Oberdeck und an der Reling keine Halterungen und Lagerungen für Räumgeräte (Tragbojen, Scherdrachen) vorhanden.
Nacht vom 19.06.
zum 20.06.1950
die ersten Besatzungen für die Boote R1 und R3 kamen in Parow an. Es waren ehemalige Schüler der Volkspolizeioffiziersschule Prenzlau im Alter von 18 bis 20 Jahre.
Begonnen wurde mit theoretischem Unterricht. Dazu wurde Literatur aus der Kriegsmarine genutzt. Bei der praktischen Ausbildung an der Maschinenanlage wurden die Maschinisten durch Angehörige der Baltischen Rotbannerflotte eingewiesen.
Die Boote wurden nach und nach mit Personal aufgefüllt. Es waren vorwiegend seemännisch unerfahrene Leute im Alter von 18 bis 25 Jahren.
Ende Juli 1950 An der Seepolizeischule in Parow begannen die ersten Lehrgänge für Kommandanten, Wachoffiziere und Ingenieuroffiziere zur Besetzung der R-Boote. Auch Maate und Mannschaften sind ausgebildet worden. Die offizielle Eröffnung der Seepolizeischule war am 05.08.1950.
Juli bis
September 1950
wurde die Seeausbildung durchgeführt, dabei kamen navigatorische und technische Mängel zum Vorschein.
Beim Anlegen im freien Seeraum rammte das R-Boot R6 das vor Anker liegendes R-Boot R3. Ergebnis: R3 hatte im Achterdeck ein Loch und R6 einen beschädigten Vorsteven.
01.08.1950 besuchte der Generalsekretär der SED Walter Ulbricht die Seepolizeischule Parow, dabei wurde eine Fahrt mit dem Räumboot R3 durchgeführt.
15.09.1950 Der Aufbau der Räumflottille in Parow war abgeschlossen. Das Datum gilt als Gründungstag der Räumflottille. Zum Bestand gehörten diese sechs R-Boote sowie ein Baubelehrungslehrgang. Bei dem Baubelehrungslehrgang soll es sich um einen R-Boot-, Seekutter-Lehrgang handeln, der die Personalreserve für die Auffüllung der R-Boots-Besatzungen und die Formierung der Seekutter-Besatzungen sicherte.
Die Baubelehrung als eigenständige Einheit innerhalb der Räum- und Küstensicherungs-Division wurde am 15.11.1951 in Dienst gestellt.
02.10.1950 Die Räumflottille verlegte den Standort nach Wismar. Der Stab war im Kurhaus Wendorf bei Wismar und die Besatzungen in Baracken vor der Hansewerft Wismar untergebracht.
Die Boote R1, R2, R3 und R6 wurden in die Hanse-Werft Wismar zur Instandsetzung verlegt. R2 wurde nicht instandgesetzt, nur R3 und R6.
R4 ging zur Schiffswerft „Neptun“ des sowjetischen Transportmittelbau A.G. Rostock und R5 in die auf Holzschiffbau spezialisierte VEB Schiffs- und Bootswerft nach Gehlsdorf, die ehemalige Max Rohde Schiffs- und Bootswerft. R5 hatte 1944 im Ärmelkanal einen Artillerietreffer erhalten. Dieser war bisher nur notdürftig repariert worden.
R1 war nur kurz in Wismar und wurde dann ebenfalls zur ehemaligen Rohde-Werft verlegt.
23.11.1950 Befehl, dass die R-Boote in den Stützpunkt Wolgast einlaufen sollen.
25.11.1950 neuer Standort des Stabes war Zinnowitz (Insel Usedom).
Die R-Boote R1, R2, R4 und R5 liefen in den Wolgast-Stichkanal der ehemaligen Zementfabrik ein. Die Boote R3 und R6 folgten Ende 1951 bzw. Anfang 1952.
Zur Unterbringung wurde das Ferienheim „Glück auf“ beschlagnahmt. Dort waren die Besatzungen der R-Boote untergebracht. Die Maschinisten der Boote R4 und R5 wohnten während der Werftliegezeit im Keller des Verwaltungsgebäudes der Peene-Werft (ehemaliges Krankenhaus Wolgast). Der Stab der R-Abteilung befand sich im Haus „Schmirgal“ der späteren HO Gaststätte „Seeblick“.
Dezember 1950 R4 und R5 wurden zur Werftliegezeit in die Peenewerft Wolgast verlegt. Diese Boote blieben bis 08.06.1951 bzw. 16.07.1951 in der Werft und bekamen dort auch ihre Geschützbewaffnung.
  Werftliegezeiten wurden wie folgt beendet:
R1-27.01.1951 / R2-21.01.1951 / R3 nicht mehr 1951 / R4+R5 siehe Dez. 1950 / R6-18.12.1951.
  Ende 1950 wurden vom Boot R3 beide Hauptmaschinen in der Hanse-Werft Wismar ausgebaut und zur Instandsetzung zum VEB Dieselmotorenwerk Rostock transportiert. Dort wurden sie zerlegt und vermessen. Dies bildete die Grundlage für Antriebsanlage 6KVD 43 A für die Minenleg- und Räumschiffe (MLR) Typen „Habicht“ und „Krake“.
 
In der Literatur gibt es dazu auch folgende Aussagen:
  • 1952 machte R 4 Probefahrten mit der Steuerbordmaschine. Die Backbordmaschine war ausgebaut worden. (Reinhard Kramer)
  • 1953/54 war R3 außer Dienst wegen Ausbau einer Hauptmaschine, für die ausgebaute Maschine waren Zementgewichte an Bord (Reiner Wachs in mbh 2/81, auch bei Hans Mehl/ Knut Schäfer)
Anfang 1951 Befehl 1/51 des Leiters der HVS:
bis zum 01.05.1951 sollte der Verband für das Räumen von Ankertauminen ausgebildet werden und ab dem 01.07.1951 zum Räumen anderer Minenarten in der Lage sein.
Aufgrund des Zustandes der Boote und der Personal- und Materiallage konnte dieser Befehl nicht umgesetzt werden! (siehe auch 14.04.1951)
Frühjahr 1951 Die theoretische Minenräumausbildung wurde in Zinnowitz durchgeführt. Dabei wurde am Strand der Kurpromenade das Achterschiff des R-Bootes nachgebildet. Das Aus- und Einbringen des Räumgerätes wurde geübt, indem die Besatzung die an Leinen befestigten Bojen und Scheerdrachen für die Räumformationen über den Sand zogen.
17./18.03.1951 Verlegung des Stabes der Flottille von Zinnowitz nach Wolgast (Befehl 24/51)
10.04.1951 Die Räumflottille wurde umgebildet zur Räum- und Küstenschutzdivision.
14.04.1951 Befehl 64/51 des Leiters der HVS legte die Ausbildung der Bootsbesatzungen neu fest. Es wurden die Aufgaben I bis V eingeführt, die viele Jahre gültig waren. [weitere Informationen hier]
vom 24.04.1951
bis   31.05.1951
wurde eine Weisung für die Taktik des Räumens von Ankertauminen mit mechanischen Räumgeräten ausgearbeitet. Allerdings existierten keine Angaben zur tatsächlichen Minenlage vor der Küste der DDR.
ab 10.06.1951 Die Artillerie wurde in der Peenewerft Wolgast durch die Wirtschaftsabteilung und Waffenwerkstatt der Seepolizei eingebaut, Befehl 114/51. Für die Boote R1 bis R3 und R6 ab September 1952.
Juli 1951

Beginn der praktischen Ausbildung zum Minenräumen. Zum Programm der Ausbildung in See gehörte u.a.

  • das Aus- und Einbringen des Räumgerätes SDG/R in See sowie das Fahren mit SDG/R
  • das Heranfahren an eine Mine in Form einer Übungstonne und das Befestigen einer Sprengpatrone. (wegen Fehlens von Übungsminen wurden bis 1954 Fahrwasserbojen genutzt)
  • das Fahren mit der Geräuschboje T (GBT/R), auch umgangssprachlich Rabatzboje genannt
Das Diorama wurde unter Anleitung von Herrn Egon Wirth für die Ausstellung „Zwangswege über der Ostsee“ gebaut. Diese wurde im Schifffahrtsmuseum Rostock gezeigt.
Räumgeschirr: 1: Schlepptrossen; 2: Tiefendrachen; 3: Greifer; 4:Greifer fasst Ankertau; 5: Scherdrachen; 6 – 10: Minen.
(Miniaturbilder zur Vergrößerung bitte anklicken)
 
30.07.1951 bis
20.10.1952
See- und Ingenieur-Offizier-Kursanten sowie zukünftige Maate der Räumlaufbahn absolvierten eine praktische Ausbildung auf R- und KS-Booten.
August 1951 Aus Anlass der Weltfestspiele der Jugend und Studenten vom 05. bis zum 19.08.1951 [weitere Informationen], wurden Räum- und KS-Boote zur Sicherung der Seegrenze der DDR eingesetzt. Sie sind zeitweilig in Saßnitz stationiert worden (Quelle: Egon Wirth).
02.09.1951 Eine Reorganisation der Strukturen führte zur Trennung der Räumboote und der Küstenschutzboote in zwei selbständige Abteilungen. (Befehl 145/51)
19.11.1951 Für vier Wochen nahm die Seepolizei einen Patrouillendienst an der Ostküste Rügens auf. Beteiligt waren zwei Räumboote, R1und R4, sowie vier Küstenschutzboote vom Typ Seekutter (Befehl 191/51). Stationiert waren sie in Saßnitz.
Dezember 1951 Mit den Befehlen 214 und 246/51 wurden die R-Boote aufgrund ihres technischen Zustandes außer Dienst gestellt.
06. bis 12.12.1951 R1 und R4 verlegten von Saßnitz nach Wismar
26.01.1952 R-Boote in der Mathias-Thesen-Werft in Wismar zur Reparatur
Die Fertigstellungstermine verzögerten sich in Wismar gegenüber der Planung (22.03.1952) mehrfach.
R 1 wurde erst am 27.06.1952 von der Abnahmekommission unter Oberkommissar Jungnickel besichtigt und abgenommen.
31.03.1952 Vergabe der ersten Bordnummern: 511 bis 516 lt. Befehl Nr.91/52 vom 20.03.1952 des Leiters der Hauptverwaltung Seepolizei.
Mai 1952 Begann die Ausbildung zum Räumen von Fernzündungsminen
01. - 15.08. 1952 Verlegte die Räum- und Küstenschutzdivision von Wolgast in den noch im Bau befindlichen Stützpunkt  Peenemünde. (Befehl 201/52 vom 23.07.1952 des Chefs der VP-See)
ab 03.09.1952
bis 15.01.1953
wurden die Boote zum scharfen Minenräumen eingesetzt (Befehl 267/52 des Chefs der VP-See).
Dabei waren vier R-Boote aktiv und zwei in Reserve. Zur Sicherung als Bojenboote wurden abwechselnd zwei KS-Boote der 2. und 3. Küstensicherungsabteilung eingesetzt. Der Tanklogger „Vilm“ 941 und der Versorgungslogger „Ruden“ 931 standen zu Verfügung. Zur nautisch-hydrographischen Sicherstellung des Minenräumens waren die Tonnenleger „Wolf“ und „Alfred Merz“ sowie das KS-Boot 121 als Vermessungsfahrzeug abgestellt.
Zuerst sollte mit dem Seegebiet östlich von Rügen begonnen werden, ab Tonne 4 vor der Westansteuerung Swinemünde (Flottenzwangsweg I). Die Boote räumten in vier Monaten einen Zwangsweg von 15 sm Länge und 0,54 sm Breite von Fernzündungs- und Kontaktminen. Zum Einsatz kam das Scherdrachengerät (SDG/R) gegen Ankertauminen. Minen wurden nicht geschnitten. Abschluss dieses Räumens war am 12.09.1952. Danach begann das Räumen von elektromagnetischen Fernzündungsminen. Mit dem Kabelfernräumgerät (KFRG) gegen Magnetminen waren 24 Überläufe des Räumgebietes notwendig. Zu Räumerfolgen kam es nicht.
Die Besatzung erhielt für den Einsatz eine Bord- und Minenräumzulage. Diese betrug je Stunde für Matrosen/Obermatrosen 2,00 DM, für Maate bis Obermeister 2,50 DM, für Offiziere 3,00 DM und für den Kommandanten 3,50 DM. Die Besatzungen waren versichert, z.B. die Offiziere mit 20 000 Mark.
19.-22.10.1952 Taktische Übung zur Überführung eines Geleites von Sassnitz nach Warnemünde, dabei waren auch mindestens vier R-Boote (R4, R6 und ?).
Dezember 1952 die Räum- und Küstenschutzdivision erhielt die Bezeichnung „Flottenbasis“ (ab 10.02.1953 „Flottenbasis Ost“). Ein Bestandteil war die Räumabteilung mit sechs Booten.
Januar bis Juli 1953 Nach Abschluss des scharfen Räumeinsatzes befand sich R3 zur Durchführung der Werftliegezeit in der Peenewerft. Danach wurde das Boot als Begleitboot für das ersteMLR „Habicht“ (Bau-Nr. 2001) eingesetzt. Auf dem MLR wurden die Dieselmotoren Typ 6 KVD 43 A erprobt.
18.06.1953 die R-Boote R1, R4 und R6 versahen Vorposten im Adlergrund, bis wann?
21.08.1953 Bei R 3 wurden die Flak-Waffen in der Peenewerft montiert.
09.10.1953 bis 13.10.1953 Taktische Übung im Seegebiet östlich von Rügen unter Teilnahme von R-Booten
Abwehr einer Landung und Durchführung eines Geleitzuges von Saßnitz aus. Drei R-Boote (R 3 und ?) führten das Räumgeleit durch. Der Geleitzug bestand aus dem Flaggschiff „Ernst Thälmann“, dem Versorgungslogger „Ruden“ 931 und dem Tanklogger „Vilm“ 941.
17.11.1953 Aufgrund des Verschleißzustandes der Boote waren sie nicht mehr für den operativen Einsatz geeignet. Die Räumboote wurden der Schulbootsabteilung Parow übergeben.
Winter 1953/54 Die Räumboote R1, R3 und R4 lagen abgerüstet und aufgeslipt bei der VEB Schiffs- und Bootswerft Rostock-Gehlsdorf (ehemals Max Rohde Schiffs- und Bootswerft) in Winterruhe.
Frühjahr 1954 Umklassifiziert als Schulboote mit neuen Bordnummern 811 bis 816 lt. Befehl Nr. 9/54 des Chefs der VP-See.
Die Boote gehörten zur 1.Abteilung der Schulbootsdivision.
01.11.1954 Im Schiffsbestand der VP-See befanden sich nur noch fünf Schul-Räumboote R-218 mit Bord-Nr. 811 bis 815.
Welches Boot außer Dienst gestellt worden ist, ist unbekannt. Es muss nicht zwangsläufig das Boot R6 gewesen sein! (siehe Sep. 1956)
01.12.1954 Umstrukturierung der Schulbootsdivision in Schulbootsabteilung. Die Boote gehörten nun der Räumbootsabteilung an.
01.05.1956 Übernahme der Schulbootsabteilung in die Seestreitkräfte der NVA als Schulflottille. Die Schul-Räumboote gehörten zur 1.Gruppe dieser Flottille.
Juli 1956 R1 und R2 wurden dem SHD als Seezeichen-Kontrollboote übergeben. Sie erhielten neue Bordnummern. Nach Nutzung abgebrochen bzw. versenkt (siehe 28.03.1957).
2. Jahreshälfte 1956 Außerdienststellung der drei Schul-Räumboote
September 1956 R6 wurde nach Greifswald-Wieck überführt. Übergabe durch den Chef der Schulflottille Parow an den Leiter der GST-Hochseejachtenstation.
Dort als Schulboot mit dem Namen „Freundschaft“ eingesetzt. Das Boot wurde 1959 außer Dienst gestellt, danach abgewrackt (nach anderen Quellen in der Ostsee versenkt.)
28.03.1957 R1 nordöstlich von Rügen im Adlergrund mit Gasgranaten aus Peenemünde versenkt. Zuvor wurde das Boot im Stützpunkt Hohe Düne abgerüstet und nach Peenemünde geschleppt.
Sommer 1957 befand sich ein Boot (wahrscheinlich R3 oder R4) noch im Hafen Parow als schwimmendes Kabinett für die Flottenschule, ohne Bewaffnung und mit nur einem Motor – natürlich außer Dienst. Das Boot lag im Juli 1959 noch im Hafen von Parow, später wurde es abgebrochen (wann?).

Eine Chronologie der Bordnummern der Räumboote ist erarbeitet wurden, Stand September 2013.
Interessenten zu einzelnen Booten oder anderen Details melden sich bitte über E-Mail: webmaster@parow-info.de

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Besondere Kennzeichnung

R1
R2
R3
R4
R5
R6
Die Boote R1 bis R6 verfügten über ein taktisches Zeichen am Mast unter der oberen Rahe. Es war ein Kreis mit einem Balken, der in eine bestimmte Richtung zeigte (von links oben bis rechts oben). Diese taktischen Zeichen wurden nach Angaben von Zeitzeugen bis Ende April 1956 noch verwendet.

„Malings“
An verschiedenen Booten waren kurzzeitig Malings seitlich am Deckshaus in weißer Farbe angebracht. Bekannt ist das Boot R1 mit einem Pferd. Hufeisen, Kleeblatt und Drachen soll es auch gegeben haben, eine Zuordnung zu den einzelnen Booten ist leider nicht möglich. Wahrscheinlich Ende 1952 wurden diese Malings per Befehl abgeschafft.

Es gibt zwei Versionen über die Herkunft dieser Art der Kennzeichnung von Booten:
1. dass dies durch ehemaligen Angehörigen der Kriegsmarine mitgebracht worden ist,
2. dass diese Malings beim streichen der Boote unter der alten Farbe am Bug entdeckt wurde sind und so der Gedanke entstanden ist, Malings an den R-Booten anzubringen.

Taktisch-technische Daten der Räumboote:

Verdrängung: normal: 131,24 t, voll: 148,62 t
Länge ü.a.: 39,35 m
Länge in der Konstruktionswasserlinie: 36,80 m
Breite ü.a.:   5,72 m
Seitenhöhe: Vorschiff: 3,85m, Achterschiff: 3,35 m
Tiefgang: vorn: 1,40 m, achtern: 1,75 m
Antriebsanlage: 2x umsteuerbare MWM-6-Zylinder-4takt-Dieselmotoren RS 143 SU mit Aufladung, Leistung: 2x 1830 kW 
Schiffsschrauben: 2x Festpropeller
Geschwindigkeit: Marsch: 17 kn; max.: 22,7 kn
Fahrstrecke: 1500 sm bei 15 kn
Hilfsdiesel: 1x 4-Zylinder-DM Hanomag ca. 20 PS
  später 1x DM 40 VEB Motorwerk Schönebeck (außer R4)
E-Anlage: 110 V Gleichstrom, 24 V Notstrom
Vorräte: 15 t Dieselkraftstoff
    1,5 t Trinkwasser
Bewaffnung: auf der Back: 1x 20 mm Flak 29 L/85 Oerlikon / R1 – 1x2 20mm Flak 29 L/85 Oerlikon mit Schutzschild
  hinter dem Aufbau: 1x 20mm Flak C/38 Rheinmetall
  auf der Schanz: 1x 20 mm Flak C/38 Rheinmetall
Minenräumgeräte: SDG/R – Scherdrachengerät für Räumboote
  SSG - Schleppspulgerät
  GBT Geräuschboje Turbine - akustisches Räumgerät
KFRG - Kabelfernräumgerät (ab Frühjahr 1952 bis Frühjahr 1953)
dafür wurden ein Dieselgenerator aus DDR-Produktion an Oberdeck mit dem Vier-Zylinder-Dieselantriebsmotor Typ EM 4-15 (4KVD 14,5) mit einer Leistung von 40 kW und eine Kabeltrommel montiert. Dazu gehörte auch eine Umpolvorrichtung
Ausrüstung: drei Magnetkompasse
  2 Schlauchboote
  Oberdeckslautsprecher zu beiden Seiten des Mastes auf halber Höhe
Besatzung: 28 - 31 Mann

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Vorgeschichte der Räumboote:

Kriegsmarine-Kennung Seepolizei/VP-See Kennung
R-254 R1
R-257 R2
R-258 R3
R-270 R4
R-421 R5
R-423 R6
Eine genaue Zuordnung der Kriegsmarine-Bordnummern zu den Bezeichnungen der Seepolizei / VP-See, wie es auf einer russischen Internetseite steht, kann zurzeit nicht bestätigt werden. Folgende Zuordnung wurde auf der russischen Internetseite definiert – Tabelle rechts :

Im Flottenhandbuch „Jane’s Fighting Ships 1957-58“ werden für die DDR-Marine 6 Räumboote der Bauserien R 218-290 oder R 401-424 (Bauprojekt 1943) aufgelistet. Nach Auswertung der wenigen Bilder, die leider zum großen Teil in schlechter Qualität sind, könnten die Boote R4 und R5 zur Bauserie 401 gehören und damit die ehemaligen Boote R-421 und R-423 sein. Die anderen Boote müssten zur Bauserie 218 gehören.

 

Der Lebensweg der Räumboote von der Kriegsmarine bis zur Übergabe an die DDR sah wie folgt aus:

R-254 Werft: Burmeister in Bremen-Burglesum; Bau-Nr.: 2861, Stapellauf: 1944; in Dienst am 22.09.1944 als R-254 in der 15.Räumbootsflottille mit Einsatzgebiet in der Ostsee um den Golf von Finnland und 1945 in den Küstengewässern von Dänemark. Nach der Kapitulation Mai 1945 zur 25.Räumbootsflottille*,
Ab 01.08.1945 Dienst bei der englischen Organisation „German Mine Sweeping Administration“ (GMSA)**,
Boot am 26.10.1945 an die UdSSR übergeben; in Dienst in der Baltischen Rotbannerflotte am 27.12.1945 als Räumboot KT-1014; ab 22.02.1947 Wachboot mit Kennung SK-486; außer Dienst am 20.05.1950.
R-257 Werft: Burmeister in Bremen-Burglesum; Bau-Nr.: 2864, Stapellauf: 1944; in Dienst am 21.10.1944 (andere Quelle: 04.11.1944) als R-257 in der 8.Räumbootsflottille mit Einsatzgebiet in den Küstengewässern von Dänemark; nach der Kapitulation Mai 1945 zur 25.Räumbootsflottille*,
Ab 01.08.1945 Dienst bei der englischen Organisation GMSA;
Boot am 04.11.1945 an die UdSSR abgeliefert; in Dienst in der Baltischen Rotbannerflotte am 27.12.1945 als Räumboot KT-1015; ab 22.02.1947 Wachboot mit Kennung SK-487; außer Dienst am 20.05.1950.
R-258 Werft: Burmeister in Bremen-Burglesum; Bau-Nr.: 2865, Stapellauf: 1944; in Dienst am 31.10.1944 (andere Quelle: 22.11.1944) als R-258 in der 8.Räumbootsflottille mit Einsatzgebiet in den Küstengewässern von Dänemark; nach der Kapitulation Mai 1945 zur 25.Räumbootsflottille*,
Ab 01.08.1945 Dienst bei der englischen Organisation GMSA;
Boot am 26.10.1945 an die UdSSR abgeliefert; in Dienst in der Baltischen Rotbannerflotte am 27.12.1945 als Räumboot KT-1016; ab 22.02.1947 Wachboot mit Kennung SK-488; außer Dienst am 20.05.1950.
R-270 Werft: Burmeister in Swinemünde; Bau-Nr. 3026, Stapellauf: 1945; in Dienst am 21.04.1945 als R-270 in der am 01.03.1945 neuaufgestellten 3.Räumbootsflottille, vollständig ausgerüstet im Arsenal Kiel-Friedrichsort; als Einsatzgebiet war mittlere und westliche Ostsee vorgesehen; Anfang Mai ohne zum Einsatz gekommen zu sein nach Flensburg-Solitude verlegt.
Ab 01.08.1945 Dienst bei der englischen Organisation GMSA;
Boot am 20.11.1945 an die UdSSR abgeliefert; im Dienst in der Baltischen Rotbannerflotte am 27.12.1945 als Räumboot KT-1017; ab 22.02.1947 Wachboot mit Kennung SK-489; außer Dienst am 20.05.1950.
R-421 Werft: Abeking & Rasmussen in Lemwerder; Bau-Nr.: 3903, Stapellauf: 1945; in Dienst am 10.03.1945 als R-421 in der am 01.03.1945 neuaufgestellten 3.Räumbootsflottille; vollständig ausgerüstet im Arsenal Kiel-Friedrichsort; als Einsatzgebiet war mittlere und westliche Ostsee vorgesehen; Anfang Mai ohne zum Einsatz gekommen zu sein nach Flensburg-Solitude verlegt.
Boot am 15.11.1945 an die UdSSR abgeliefert; in Dienst in der Baltischen Rotbannerflotte am 27.12.1945 als Räumboot KT-1023; ab 22.02.1947 Wachboot mit Kennung SK-495; außer Dienst am 20.05.1950.
R-423 Werft: Abeking & Rasmussen in Lemwerder; Bau-Nr.: 3905, Stapellauf: 1945; in Dienst am 24.03.1945 als R-423 in der am 01.03.1945 neuaufgestellten 3.Räumbootsflottille; vollständig ausgerüstet im Arsenal Kiel-Friedrichsort; als Einsatzgebiet war mittlere und westliche Ostsee vorgesehen; Anfang Mai ohne zum Einsatz gekommen zu sein nach Flensburg-Solitude verlegt,
Boot am 15.11.1945 an die UdSSR abgeliefert; in Dienst in der Baltischen Rotbannerflotte am 27.12.1945 als Räumboot KT-1024; ab 22.02.1947 Wachboot mit Kennung SK-496; außer Dienst am 20.05.1950.

*   Die 25.Räumbootsflottille wurde im Jahr 1945 gebildet, war aber nicht mehr im Krieg eingesetzt. Nach der Kapitulation Deutschlands wurde sie mit Booten aus anderen aufgelösten Flottillen aufgefüllt.
** Die „German Mine Sweeping Administration“ (GMSA) wurde am 21. Juni 1945 gebildet.

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Technische Daten der Kriegsmarine-Räumboote:

  R 218 R 401
Wasserverdrängung: max. 154/ normal 140 t max. 150/ normal 140 t
Länge über alles: 39,35 m 39,35 m
Länge in der Konstruktionswasserlinie: 36,80 m 36,80 m
Breite über alles:   5,72 m   5,72 m
Tiefgang: vorn: 1,67 m, achtern: 1,50 m vorn: 1,65 m, achtern: 1,50 m
Seitenhöhe:   3,13 m   3,22 m
Antriebsanlage: 2x MWM-6-Zylinder-4takt-Dieselmotor 6RS143Su mit Aufladung, 2x MWM-6-Zylinder-4takt-Dieselmotor 6RS143Su mit Aufladung,
Leistung: 2x 1250 PS bei 620 U/min 2x 1250 PS bei 620 U/min
Hilfsdiesel: 1 Dieseldynamo 15 kW 110 Volt 1 Dieseldynamo 15 kW 110 Volt
Geschwindigkeit: 23,8 kn 25 kn
Fahrstrecke: 1000 sm/15 kn 1000 sm/15 kn
Brennstoffbestand: 13,8 t 15 t
Bewaffnung: 1x 3,7 cm Flak L/83 SK C/30 - 1000 Granatpatronen 1x 3,7 cm Flak L/83 SK C/30 - 1000 Granatpatronen
  3x 2 cm Flak L/65 C/30 (zuletzt 6x 2 cm) Flak,
je Waffe 1000 Granatpatronen
6x 2 cm Flak L/65 C/30 - 6000 Granatpatronen,
    2x Raketenabschuss-Gestell RAG 8,6 cm,
  12 Minen möglich 12 Minen möglich
Besatzung: 29 bis 40 Mann 33 bis 37 Mann

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Wer ist auf den Räumbooten gefahren und kann berichten? Auch Einzelheiten, wie Daten zum Boot, Ausrüstung und Bilder sind interessant. Bitte eine Mail an webmaster@parow-info.de.
Danke für die Unterstützung von Helbe, Horst Maiwald (†2014), Bernd Loose, Reinhard Kramer und Egon Wirth.

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