Stand:21.09.2016

Kleines Raketenschiff Projekt 1241 RÄ

Russisch: проекта 1241РЭ „Молния“ (deutsch: „Blitz“)
NATO-Code: Tarantul I

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Die Schiffe des Projekts 1241 wurden in den 1970er Jahren entwickelt. Sie wurden ständig weiterentwickelt [Projekt 1241.1 (Tarantul I), 1241 M (Tarantul II), 1241.7 (Tarantul II mod), 1241.1MP (Tarantul III), 1241.8 (Tarantul IV) u.w.].

Die Variante Projekt 1241 RÄ ist die Exportversion des Projekts 1241.1. Das Kürzel RÄ bedeutet: R = raketnyi (Rakete), Ä = eksport (Export). Gebaut wurden von dieser Variante 22 Schiffe: 1 für die Sowjetunion (für Test und Training), 5 für die DDR, 5 für Indien, 4 für Polen, 3 für Rumänien, 2 für Jemen und 2 für Vietnam.

Vorgesehen war der Schiffstyp für den Überwasserkampf in Küstennähe und im erweiterten Küstenvorfeld. Klassifiziert wurden diese Schiffe als „Kleine Raketenschiffe“ (russisch МРК = малый ракетный корабль). Bei der NATO wurden sie als Flugkörperkorvetten eingestuft.

Die Schiffe für die Volksmarine

Anfang der 80er Jahre machte sich die Ablösung der RS-Boote vom Projekt 205 der Volksmarine dringend erforderlich. Ursprünglich waren 12 Schiffe vom Projekt 1241 geplant. Das war finanziell nicht durchführbar, ein Schiff kostete 77,1 Millionen Mark.

Baubelehrung

Am 01.07.1983 begann der erste Lehrgang im Ausbildungszentrum der Baltischen Flotte in Riga. Daran nahmen Offiziere, Fähnriche und Unteroffiziere der ersten beiden Besatzungen und der Instandsetzungsbasis (I-Basis) aus der 6. Flottille sowie Spezialisten / Ausbilder der Offiziersschule der VM, der Flottenschule Parow, der I-Basis Dänholm und des Kommandos der Volksmarine teil. Sie erhielten eine Sprachausbildung bis Dezember 1983.

Die eigentliche Baubelehrung begann im Januar 1984. Dazu kam weiteres Personal nach Riga, das bereits die russische Sprache beherrschte. Die Fachausbildung erfolgte getrennt nach Offizieren und Unteroffizieren und natürlich der Ausbildungsrichtung. Die Ausbildung dauerte bis Ende Mai /Anfang Juni 1984.
Mitte Juni 1984 erfolgte die praktische Ausbildung an Bord des sowjetischen Schulschiffes R-26 (Bau-Nr. 01710) des Projekts 1241 RÄ in Riga [externes Bild auf http://www.wrk.ru] Daran nahmen die ersten beiden kompletten Besatzungen sowie der Brigadestab teil.

Nach Zulauf der ersten beiden Schiffe wurde im Frühjahr 1985 mit der Ausbildung der nächsten beiden Besatzungen begonnen. Diese wurden vor Ort durch die ersten beiden Besatzungen geschult.
Mit Eintreffen der nächsten beiden Schiffe wurden die Besatzungen aller vier Schiffe gemischt, so dass es an Bord jedes Schiffes auch Besatzungsmitglieder gab, die die Erstausbildung in Riga erhalten hatten.

Zulauf der Schiffe

Für die Volksmarine wurden fünf Schiffe der Exportversion des Projekts 1241.1, das Projekt 1241 RÄ, angeschafft. Sie wurden in der Werft Nr. 341 Wolodarskij in Rybinsk gebaut. Im Oktober 1984 erfolgte die Übergabe des ersten Schiffes. Eine sowjetische Besatzung brachte es zum Stützpunkt der 6. Flottille nach Dranske [Bild]. Das Schiff wurde am 31.10.1984 in Dienst gestellt. Unterstellt waren die Schiffe der am 01.11.1984 gebildeten 7. Raketenschiffsbrigade (7.RSB) mit Standort Dranske. Im April 1988 wurde die 7. RSB, komplett mit Wohnschiff, Schlepper und Barkasse, nach Sassnitz verlegt.

Zwei Schiffe waren zuvor im Bestand der Baltischen Flotte. Es waren das Projekt 1241/3 „Fritz Globig“ als R-615 und das Projekt 1241/5 „Hans Beimler“ als R-630. Eine Besonderheit gab es noch auf dem Projekt 1241/5: bei einem Teil der Anlagen war die Beschriftung in Russisch und Englisch.

Verbleib der Schiffe

Die „Rudolf Engelhofer“ (Projekt 1241/2) wurde durch die Bundesmarine mit dem Namen „Hiddensee“ und der Bord-Nr. P 6166 übernommen. Alle anderen Schiffe wurden noch bis zum 31.12.1991 im Schiffsnummernverzeichnis der Bundesmarine (Klasse 621, Flugkörper-Korvette) ohne neue Bordnummer aufgeführt. Auf Grund Personalmangels konnte nur noch ein Schiff fahrbereit gehalten werden.

Die „Hiddensee“ wurde nach der Nutzung bei der Bundesmarine am 27.11.1991 an die USA zu Erprobungszwecken weitergegeben. Im Frühjahr 1992 wurde das Schiff mit dem Schwerlast-Dockschiff „American Cormorant“ über den Atlantik transportiert. Am 14.02.1992 ist das Schiff als „USNS Hiddensee“ mit Registrier-Nr. 185NS9201 bei der US-Navy in Dienst gestellt worden. Auch wurden 190 Seeziel-Flugkörper vom Typ SS-N-2C STYX den USA übergegeben.
Die Tests mit dem Schiff wurden bei der Naval Air Warfare Center (NAWC) in Solomons Annex im Bundesstaat Maryland durchgeführt. Zur Erprobungsbesatzung gehörten auch zwanzig ehemalige Volksmarine-Angehörige. Die amerikanische Besatzung war von der Sprengkraft und Reichweite der Seezielraketen überrascht. Auch über die hohe Schiffsgeschwindigkeit waren sie erstaunt. Während einer AK-Fahrt bei optimalen Bedingungen erreichte das Schiff 51 kn (94 km/h). (Ein Video vom Test auf youtube – 9 min lang)
Am 18.04.1996 wurde die „USNS Hiddensee“ endgültig außer Dienst gestellt. Nach einer kurzen Zeit als Auflieger ist sie heute als Museumsschiff in Battleship Cove, Fall River, Massachusetts zu besichtigen.
Das Schiff fuhr unter vier Flaggen: Sowjetmarine, Volksmarine, Bundesmarine und US-Navy.

Die „Hans Beimler“ (Projekt 1241/5) wurde entmilitarisiert. Seit 1994 ist das Kleine Raketenschiff ein Museumsschiff in Peenemünde. Anfangs lag das Schiff im Hafenbereich des „Historisch-Technischen Informationszentrums“. Seit Ende 2013 befindet sich der Liegeplatz an der Nordspitze des Peenemünder Hafen. Die Marinekameradschaft Peenemünde kümmert sich um das Schiff.
Ein Besuch lohnt sich immer, hier der Link zur Internetseite: Museumsschiff. Auch ein Roman wurde geschrieben „Gekapert – Ein Ostseethriller“.

Die anderen drei Schiffe sind bei MTW Schiffswerft Wismar durch die „Geräte- und Recycling GmbH Dorf Mecklenburg“ abgebrochen wurden: „Albin Köbis“ von August bis Dezember 1994, „Paul Eisenschneider“ Dezember 1994 bis Juni 1995 und „Fritz Globig“ ab März 1995.

Das Schiff

Die Schiffe sind in Knickspantenbauweise gebaut worden. Der Glattdecker war durch acht wasserdichte Querschotte in neun Abteilungen unterteilt [Zeichnung]. Der Schiffskörper bestand aus Stahl, die Innenstrukturen und die Aufbauten teilweise aus Leichtmetall.

Das Schiff hatte eine starke Bewaffnung für den Eigenschutz. Markant waren die Flugkörpercontainer für die Seezielraketen seitlich der Aufbauten. Auf dem Deckshaus befanden sich ein hoher Mast mit Radar- und weiteren Antennen.

Bewaffnung

Raketenbewaffnung

Schiff-Schiff - Raketen
Die Hauptbewaffnung bestand aus dem Seeziel-Flugkörper-System P 20 „Termit" mit zwei Doppelhangars KT-138 für Raketen der Typen P 21 (Radar-Suchlenkkopf) und P 22 (Infrarot-Suchlenkkopf), NATO-Code: SS-N-2C „Styx-mod“. (Weitere Daten zu den Raketen siehe Datenblatt hier).

Die Raketen-Kampfsätze wurden an Bord, im Stützpunkt und in der Raketentechnischen Abteilung 6 (RTA-6) in Tilzow gelagert.Im Stützpunkt und beim RTA-6 erfolgten die Lagerung des Raketen-Körpers mit Zielsuchlenkkopf. Die beiden Treibstoffkomponenten wurden getrennt gelagert. Bevor die Raketen an Bord gegeben wurden, sind sie geregelt und betankt worden. Dies konnte sowohl unter stationären Bedingungen, in den technischen Zonen, als auch mobil vor Ort geschehen.
Die Übernahme von Raketen erforderte eine eingeübte Besatzung.
Die Rakete wurde vom Transportfahrzeug auf ein Übernahmegestell gesetzt und verankert. Mit Hilfe eines Autokranes wurde dies auf das Oberdeck gehievt. Das Übernahmegerüst musste nun ausgerichtet und mit dem Startcontainer verbunden werden. Danach konnte die Rakete in den Container eingeführt werden. Dieser Vorgang wiederholte sich beim Laden der oberen Rakete, was besonders schwierig war. Zuerst wurden die beiden Raketenbehälter auf einer Seite beladen. Das Schiff mußte anschließend gedreht werden, damit die weiteren beiden Raketen an Bord genommen werden konnten. Anschließend wurden die Raketen überprüft. Der gesamte Übergabevorgang dauerte ca. drei bis vier Stunden.

Auf dem Projekt 1241 waren bei der Volksmarine im Gefechtsfall 3 P-21 und eine P-22 an Bord vorgesehen. Eingesetzt werden konnten die Raketen bis See 5.

Das regelmäßige Raketenschießen erfolgte im Schießgebiet Kap Taran vor Baltijsk. Geschossen wurde mit Übungsraketen, der Gefechtskopf war mit Beton gefüllt. 1985 nahm erstmals ein Schiff des Projekts 1241 der Volksmarine an den jährlich stattfindenden Raketenschießabschnitten (RSA) teil. Geschossen wurde auf einen verankerten Zielponton bzw. ferngesteuertes Zielboot.
Beim RSA 1986 wurde eine Rakete mit Hilfe eines fliegenden Fühlungshalters ins Ziel gebracht. Ein Hubschrauber vom Typ Mi-14 PL ermittelte die Daten des Zieles und übermittelte diese zum Schiff, dort wurden die Schusswerte ermittelt und der Rakete eingegeben – Volltreffer.

Schiff-Luft-Raketen
Der Fla-Raketenstand MTU-4US (МТУ-4УС) ist ein Vierfachstarter für den Fla-Raketenkomplex Typ 9K32M „Strela-2M“ (9К32М „Стрела-2М“, NATO-Code: SA-7B Grail). Der Fla-Raketenstand MTU-4 wird auch als FAM-14 (ФАМ-14) bezeichnet.

Dieses Waffensystem dient zur Selbstverteidigung gegen Luftziele und Flugkörper im Bereich bis drei Seemeilen (Weitere Daten siehe Datenblatt hier).

Täuschkörperwurfanlage
Der Geschoßwerfer PK-16 diente zum Erzeugen von Radar- und Infrarotscheinzielen. Er bestand aus zwei Startcontainern KL-101 mit je 16 Startrohren (Weitere Daten siehe Datenblatt hier).

Artilleriebewaffnung

Hauptgeschütz
Das vollautomatische 76 mm Universalgeschütz AK-176M diente zum Bekämpfen von See-, Luft- und Landzielen bis zu einer Entfernung von knapp neun Seemeilen. (Weitere Daten siehe Datenblatt hier)

Nahbereichs-Abwehrgeschütze
Die zwei sechsläufigen 30-mm-Gatling AK-630M waren Nahbereichsabwehrwaffen gegen tief fliegende Luftziele und Flugkörper. Ebenso konnten sie zur Bekämpfung von See- und Landzielen eingesetzt werden.
Der Artilleriekomplex war Bestandteil des Selbstverteidigungssystem A-213 Wympel-A.
Zum Komplex gehörten auch die beiden AK-630M. Die Waffen schossen immer im Doppel, man konnte beide Waffen nicht trennen. Wenn eine Waffe in die Begrenzung lief (zum Schutz der eigenen Aufbauten), dann unterbrach sie das Schießen und lief automatisch in die Ausgangslage zurück. Befand sich das Ziel wieder in ihrem Bereich, schaltete sie sich wieder automatisch zu.

Der Gatling hatte eine Feuergeschwindigkeit von bis zu 5.000 Schuss pro Minute. Pro Waffe waren 2000 Granaten gegurtet. Es wurden Splitter-Spreng- und Leuchtspurgeschosse im Verhältnis 9:1 verwendet. Je weitere 1000 Granaten gegurtet waren als Reserve in der Barbette. (Weitere Daten siehe Datenblatt hier)

       

Elektronik / Sensoren

Radar- / Waffenleitanlagen

Seeraumüberwachungs- und Feuerleitradar für Seezielflugkörper
Die Funkmessanlage „Garpun-Ä“ (russisch: Гарпун-Э, Nato-Code: Plank Shave) ist ein Rundsicht- und Zielverfolgungsradar für Seezielflugkörper. Eine Zielverfolgung von Hand und automatisch ist möglich. Die Anlage arbeitet im X-Band und kann sektorenweise abstrahlen. Die Erfassungsreichweiten für Seeziele beträgt ca. 75 sm. Aufgaben:

Die Anlage „Garpun-Ä“ arbeitet mit der Raketenwaffenleitanlage „Korall-Ä“ zusammen. Die Raketenwaffenleitanlage berechnet die Zielkoordinaten (Entfernung, Kurswinkel) aus den Angaben der Funkmessanlage. Die Daten werden an den Zielsuchkopf der Raketen P-21/22 übergeben. Die Anlage kann in zwei Arbeitsregimen betrieben werden: in einer aktiven für die Nutzung der Raketenwaffen und einer passiven für die Aufklärung der Abstrahlung von Zielen im Frequenzbereich 0,8 - 12 GHz bis ca. 120 km Entfernung.

Funkmessanlage „Garpun-Ä“
Raketenwaffenleitanlage „Korall-Ä“
     

Funkmess-Artilleriewaffenleitanlage
Das Selbstverteidigungssystem A-213 Wympel-Ä (Вымпел- Э, Bass Tilt) besteht aus den Artilleriekomplexen AK-630M und AK-176 sowie der Funkmeß-Artilleriewaffenleitanlage MR-123/176 „Wympel-Ä“. Durch das Feuerleitsystem werden die Artilleriekomplexe einzeln oder gleichzeitig mit Daten versorgt und eingesetzt.

Die Anlage MR-123/176 dient zur Bekämpfung von schnellfliegenden Luftzielen sowie Überwasserzielen. Mit ihr kann man Ziele feststellen, auswählen, auffassen und verfolgen. Dabei werden die Werte für das Schießen erarbeitet, z.B.: Kurs, Flughöhe, Entfernung, laufende Zielkoordinaten, Geschützrichtwinkel. Die Artilleriekomplexe werden ferngesteuert. Das Richten der Geschütze mit einer Fernsehkamera war eine mögliche Hilfsvariante. Die Kamera war nicht nachtsichtfähig.

Das Feuerleitradar MR-123/176 verfügt über eine Reichweite von 45 km, bei Störung durch den Gegner soll die Reichweite immer noch bei 30 km liegen. Luftziele sollten bis 4000 m und Seeziele bis 5000 m zerstört werden können. Die AK-176 hat eine effektive Schussentfernung bis 12000 m.

Als Reservevariante können die Geschütze mit der optischen Richtsäule „Kolonka“ (Hood Wink) bedient werden [Bild].

Freund-Feind-Kennanlage

(IFF-System = englisch: identification friend or foe)
Mit der Anlage „Nichrom-RR“ ist es möglich, ein durch die Funkmessanlage ausgemachtes Ziel zu identifizieren.

Das Abfragegerät sendet drei Impulse an das aufgefasste Ziel. Eigene Einheiten antworten automatisch mit einem codierten Signal. Dieses Signal wird decodiert und die Antwort als Bogen über dem Ziel im Sichtgerät der Funkmessanlage abgebildet. In diesem Fall wird das Ziel als Freund identifiziert [Bild]. Es gibt eine allgemeine Abfrage und eine Abfrage der individuellen Kennung eines Zieles. Bei der individuellen Kennung wird das Kennungssignal zusätzlich nach dem Morsealphabet verschlüsselt.

Für die Anlage gab es 12 verschiede Codefilter. Der Filter 4 (3,67 MHz) wurde zur Abstimmung und Funktionskontrolle verwendet. Sieben Filter (1,67 MHz bis 6,33 MHz) wurden nach einem vorgegebenen Plan (Eingestuft als Geheime Verschlußsache) in einem vorgeschriebenen Rhythmus, eine bis maximal sechs Stunden, gewechselt. Für den Ernstfall waren die Filter 9 bis 12 (7,00 MHz bis 9,00 MHz) vorgesehen. Der Wechsel geschah gleichzeitig für alle drei Ostseeflotten des Warschauer Vertrages.

Die Anlage „Nichrom-RR“ arbeitete mit beiden Funkmessanlagen zusammen. Dazu befand sich das Bediengerät 17B neben jeder Anlage. Die Abfrage konnte entweder mit der einen oder der anderen Funkmessanlage erfolgen oder auch kombiniert.

Funkausrüstung

Die Funkausrüstung war umfangreich. Sie erlaubte einem Brigadestab das Arbeiten in See. An Bord gab es folgende Funkgeräte:

 -  Morsegeber MG80
automatisierte Umsetzung und Sendung von Buchstaben/Zahlen zu Morsezeichen,
Gebegeschwindigkeiten: 12, 20, 24, 28, 26 Gruppen pro Minute fest zugeordnet
 -  KW-Funkanlage R-615M
Kurzwellensende- und -empfangsanlage zur Sicherstellung von Sprechfunk-, Tastfunkverbindungen,
Frequenzbereich: 1,5 bis 12,00 MHz, 1561 Festfrequenzen, bis 15 Frequenzen programmierbar, Sendeleistung: Telegrafie: 50 bis 100 W und Telefonie: 40 bis 100 W.
 -  zwei UKW-Sende- und Empfangsstationen R-619
Sicherstellung der Sprech- und Tastfunkverbindungen im Simplexverkehr,
Frequenzbereich: 100 bis 150 MHz, 601 Kanäle davon 20 abstimmbar, 12 W Sendeleistung
 -  KW-Funksender R-654NR
Sicherstellung der Sprechfunk-, Tastfunk-, Bildfunk-, Funkfernschreib- und Schnelltelegrafieverbindungen,
Frequenzbereich: 1,5 bis 24 MHz, Sendeleistung: Telegrafie: 1000 W.
 -  zwei Empfänger R-678N
Empfang von Tastfunk- und Sprechfunk- sowie Funkfernschreibsignalen,
gewährleistet Empfang ohne Suchen der Gegenstelle und ohne Frequenznachtrimmung, Frequenzbereich: 1,5 bis 29,999 MHz
 -  Fernsprechgerät R-754 „Sirena“
automatisches Sprachchiffriergerät für UKW-Sprechfunkverbindungen für die Funkstation R-619,
Eingesetzt bis Mai 1987, danach ersetzt durch T-612
 -  Endstellengerät R-758 „Akula“
Schnelltelegrafieeinrichtung zur Nachrichtenverbindung zwischen Schiffen und Küstenfunkstationen,
Umsetzung des auf Lochband geschriebenen Textes in elektrische Rechteckimpulse zur Ansteuerung des Senders. Betriebsarten: gedeckter Betrieb mit einer Sendedauer von 0,66 bis 0,71s für max. 12 vierstellige Gruppen und offener Betrieb mit einer Sendedauer abhängig von Lochbandlänge, Bandgeschwindigkeit: 2,5 m/s
 -  KW-Sende- und Empfangsgerät SEG 100D
zur Überbrückung bis zu einer Entfernung von 1000 km, Frequenzbereich: 1,6-12 MHz, 100 W Leistung,
 -  Fernsprechgerät T-612 „Mimosa“ (ab Mai 1987)
diente zum Chiffrieren von Sprachimpulsen im digitalen Verfahren von UKW-Sprachsignalen in Verbindung mit Funkstation R-619.
Es arbeitete mit einem Tagesschlüssel, der nur einmal und nicht länger als 24 Stunden genutzt werden durfte, für Informationen bis zum Geheimhaltungsgrad „Geheime Verschlußsache“ (GVS).
 -  Fernsprechgerät T-617-1 „Elbrus“
diente zum automatischen Ver- und Entschlüsseln von Sprachimpulsen auf KW- und UKW-Funkkanälen.
Es arbeitete mit einem Tagesschlüssel, der nur einmal und nicht länger als 24 Stunden genutzt werden durfte, für Informationen bis zu „Vertrauliche Verschlußsache“ (VVS).
 -  Funkgerät UFT-435
tragbares Gerät für Wechselsprechverbindungen auf 60 festen Kanälen,
Frequenzbereich: 45,6 bis 47,075 MHz, 0,5 W Leistung, Reichweite: 5 bis 30 km.
 -  Seefunkanlage für UKW-Kanal 16
war eine polnische Sprechfunkanlage für die Seenotfrequenz (156,80 MHz),
Reichweite: ca. 30 sm, wurde ab September 1989 nchgerüsten, außer bei Projekt 1241/5
 -  Vermittlungsblock DPU P-460-5M
dient zur Weiterleitung von Funkverbindung zur Brücke
 -  eine unbekannte Antenne befand sich auf den Projekten 1241/1 und 1241/2 (siehe vorletzte Bild unten). Wer kann dazu Angaben machen?

ab September 1989 nur auf.

Navigationsausrüstung / Schiffsführungstechnik

Navigationsradar
Das Navigationsradar ist ein Mittel der Schiffsführung. Es dient der Erhöhung der Sicherheit bei schlechten Sichtverhältnissen und beim Befahren schwieriger Fahrwasser. Diese Anlagen arbeiten in der Betriebsart „Rundsicht“.

Auf den Schiffen der Volksmarine wurden zwei Typen verwendet:
Die Projekt Nrn. 1241/1 bis 1241/3 hatten die „Kiwatsch-2“ (russisch: Кивач-2; Nato-Code: Spin Through) und die Projekt Nr. 1241/4 sowie 1241/5 hatten die „Petschora-1“ (Печора-1) an Bord. Das Sichtgerät der Anlage war direkt neben dem Kommandantensitz eingebaut. Die Antennen waren auf dem Brückendach installiert.

Beim Projekt 1241/4 wurde 1987 beim Werftaufenthalt in Tallin die Antenne an der Saling des Funkpeilers am Mast angebracht. Dazu wurde der Peiler nach unten versetzt. Dadurch konnte der achterliche tote Winkel der Navigationsanlage, bisher ca. 40o, verringert werden [Bild].

  Kiwatsch-2 Petschora-1
Wellenlänge: 3,2 cm 3,2 cm
Antennenumdrehung: 20 U/min 20 U/min
Impulssendeleistung: 7 kW 12 kW
Impulsfolgefrequenz: bis 4 sm: 3000 Hz, ab 8 sm: 2000 Hz bis 1 sm: 3400 Hz, 2 und 4 sm: 1700 Hz, ab 8 sm: 850 Hz
Bildschirmskala: 0,4 - 24 sm 0,5; 1,0; 2,0; 4,0; 8,0; 16,0; 32,0; 48,0 sm
Herstellerland: Bulgarien Bulgarien

 

Kiwatsch-2
   
Petschora-1 aufgenommen auf der „Hans Beimler“ in Peenemünde
Die „Hiddensee“ (Projekt 1241/2) bekam ein anderes Navigationsradar in den USA.
 

Funknavigationsanlagen
An Bord befanden sich zwei verschiedene Funknavigationsanlagen: PIRS-1M und GALS. Beide dienten zur Bestimmung der Schiffsposition. Die Navigation beruht auf der Abstandsbestimmung zu verschiedenen landgestützten Sendern.

Die Funknavigationsanlage PIRS-1M nutzte das internationale System Decca. Dieses ist in Ketten organisiert. Jede Kette besteht aus fest stationierten Sendern, einem Hauptsender und drei Nebensendern. Diese arbeiten ununterbrochen auf vier Frequenzen im Langwellenbereich zwischen 70 und 130 kHz.

Die Funknavigationsanlage GALS arbeitete nach dem militärischen Verfahren BRAS, das im Warschauer Vertrag eingesetzt wurde.
Auf dem Gebiet der DDR soll es drei Senderketten gegeben haben. Betrieben wurden diese durch den Seehydrografischen Dienst. Die Sender waren mobil auf Kraftfahrzeugen stationiert. Zu einer Kette gehörten eine Leitstation und zwei Nebenstationen. Die Sendeleistung einer Station betrug 15 kW, die Reichweite bis 110 sm. Es standen 11 Festfrequenzen zur Verfügung. Die Betriebsfrequenz lag zwischen 1650 und 2120 kHz. Die Genauigkeit lag bei 10 bis 15 m.

Sichtfunkpeiler „Rumb“
Die Anlage dient zur Bestimmung der Schiffsposition
  Periskop „PMK“
 

Koppelanlage AP-4
Die Anlage dient zur Darstellung des gefahrenen Kurses eines Schiffes mittels eines Lichtpunktes auf einer Seekarte. Die erforderlichen Ausgangsdaten werden vom Log und vom Kreiselkompass eingespeist.

Luftlageinformationsdisplay Volksmarine (LID/VM)
Das Luftlageinformationssystem wurde für die Luftstreitkräfte/Luftverteidigung entwickelt, die Volksmarine war Mitnutzer dieses Systems.
Mit diesem Display sollten Luftlagedaten vom Lagezentrum der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung in Neubrandenburg empfangen werden. Die Luftlage sollte man in Echtzeit verfolgen können. Sie deckte im Wesentlichen die gesamte DDR-Küste ab sowie Teile des Küstenvorfeldes.

 

Befehlsübertragungs- und Kommandoanlage P-405 „Listwenitza“ (П-405 Лиственница)
Die Anlage diente zu Übertragung von Befehlen und Kommandos auf dem Schiff. Bis zu 30 Endgeräte konnten angeschlossen werden.

Schiffstechnik

Hauptantriebsanlage

Die Schiffe haben einen reinen Gasturbinenantrieb mit einer Gesamtleistung von 22 932 kW.
Zwei Marschturbinen „DM 76“ befinden sich im Bugmaschinenraum, die beiden Gefechtsturbinen „DR 77“ im Heckmaschinenraum. Die vier Turbinen wirken über ein Kreuzgetriebe auf zwei Wellen. Der Vortrieb wird mit zwei fünfblättrigen Superkavitationspropellern erzeugt, hinter denen zwei Ruder angeordnet sind.

Insgesamt sind vier Getriebeschaltungen (Regime) möglich:
 -  Regime 1: alle vier Gasturbinen wirken auf die zwei Wellen,
 -  Regime 2: beide Gefechtsturbinen wirken auf zwei Wellen,
 -  Regime 3: beide Marschturbinen wirken auf zwei Wellen,
 -  Regime 4: eine Marschturbine wirkt über eine Querwelle auf zwei Wellen.

Im Regime 4 waren sehr geringe Geschwindigkeiten von zwei bis vier Knoten möglich, bei eingeschränkter Manövrierfähigkeit. Die Höchstgeschwindigkeit bei Regime 1 ist mit 43 kn angegeben. Kurzeitig konnten 48 bis 50 kn erreicht werden.

Die Zuluft wird über die Ansaugschächte vom Oberdeck zugeführt. Hinsichtlich der Anordnung der Ansaugschächte und der Form des „Schornsteins“ gibt es zwischen dem Projekt 1241/1 und dessen Nachfolgern Unterschiede:

Im „Schornstein“ befinden sich die Abgasschächte für die Marschturbine und die Hilfsmaschinen. Am Heck hinter den beiden Heckklappen sind die Abgasrohre für die Gefechtsturbinen.

 

Hilfsmaschinenanlage

Für die Stromerzeugung stehen drei Dieselgeneratoren zu Verfügung.
Im Bug- und Heckmaschinenraum befindet sich je ein 12 Zylinder-Dieselmotor „7D12“, diese sind mit je einem Generator „DGR/2A/200/1500“ gekuppelt. Der Dieselverbrauch liegt bei 50 Liter pro Stunde bei einer Belastbarkeit bis zu 361 Ampere. Im Heckmaschinenraum befand sich zusätzlich ein 6-Zylinder Dieselmotor „7D6“, der ebenfalls mit einem Generator gekuppelt ist, die Belastbarkeit beträgt 180 Ampere. Die Gesamtleistung aller drei Generatoren beträgt 50 kW. Erzeugt wurden Ströme von 380 V / 50 Hz, 220 V 400 Hz und 27 V.

Schiffsyssteme

Kompressor
Für die Bereitstellung von Druckluft wurde ein dreistufiger doppeltwirkender Differentialkolbenhochdruckverdichter Typ „ÄKPA 2-150“ verwendet. Der maximale Arbeitsdruck betrug 200 bar.

Feuerlösch- und Lenzpumpen
Die festinstallierten drei Pumpen vom Typ NZWS 40/65 konnten als Lösch- oder Lenzpumpen verwendet werden. Als Feuerlöschpumpe hat sie eine Leistung von 40 m³/h bei einem Druck von 6,5 bar und einer Saughöhe von 5 m. Die Leistung als Lenzpumpe ist geringer, 24-28 m³/h.
Zusätzlich ist eine tragbare E-Lenzpumpe mit einem Gewicht von ca.70 kg vorhanden. Der Lagerort ist im achterlichen Schlechtwettergang. Die Leistung beträgt 40 m³/h und die Saughöhe 10 m.

CO2 Feuerlöschanlage
Zwei fernbedienbare CO2 Feuerlöschanlagen Typ TschS (ЖС) sind an Bord vorhanden. Sie dienten zur schnellen und sicheren Brandbekämpfung von Bränden in folgenden Räumen: Geräteraum, Funkmessraum, Rudermaschinenraum, Bug- und Heckmaschinenraum.
Die beiden Komponenten, Kohlenstoffdioxid und Chlorbrommethan (CH2BrCl), sind Atemgifte. Vor dem Einsatz in den entsprechenden Räumen mussten diese evakuiert werden.

Seewasserentsalzungsanlage
Die Seewasserentsalzungsanlage DM-1 dient der Erzeugung von Brauchwasser. Das Seewasser wurde verdampft, die Energie lieferte der Hilfsdiesel 1. Das Destillat gelangte mit einer Temperatur von 40°C in den Brauchwasserbehälter Backbord. Ca. 40 bis 60 l/h konnten so erzeugt werden, dafür benötigte man 13 bis 15 m³/h Seewasser.

Taktisch-technische Daten:

Verdrängung: Standard 385 t, normal 420 t, voll 455 t, Überlast 496 t
Segelfläche: 570m²
Länge: in Konstruktionswasserlinie 50 m, über alles 56,10 m
Breite:  in Konstruktionswasserlinie 8,70 m, über alles 11,50 m
Seitenhöhe: Bug 7,00 m, mittschiffs 5,31 m, Heck 6,00 m
Größte Höhe über Wasserlinie: 19,70 m
Tiefgang: Standard 3,30 m, normal 3,35 m, voll 3,60 m, maximal 3,90 m, vorn 2,14 m, achtern 3,87 m
Antrieb: 2x Marschturbinen „DM 76“ je 2940 kW, 2x Gefechtsturbinen „DR 77“ je 8526 kW
Gesamtleistung: 22 932 kW
Propeller: 2 - Fünfblatt-Superkavitationspropeller
Geschwindigkeit: maximal 43 kn, Marschfahrt 15 kn, minimal: 5 kn
Fahrstrecke: maximal 2440 sm bei 15 kn
Bunkerkapazität: 104t Dieselkraftstoff, 1500 l Turbinenöl, 1500 l Getriebeöl, 1000 l Hilfsdieselöl, 3,4 t Trinkwasser, 2,4 t Brauchwasser
Hilfsdiesel: 2x „7D12“ und 1x „7D6“
Autonomie: 10 Tage
Einsatz: bis Wind 10, bis See 8, bei Scholleneis bis 10 cm
Bewaffnung: 1x 76 mm Geschütz AK 176M, Kampfsatz 254 Sprenggranaten
  2x 30 mm sechsläufiger Gatling AK 630M, Kampfsatz 6000 Granaten
  Raketenkomplex P-20 mit zwei Doppelhangars für 4 Raketen P-21/P-22
  1x Fla-Vierfachstarter MTU-4U, Kampfsatz 8 Fla-Raketen Typ 9K32M „Strela-2M“
  2x Geschoßwerfer PK-16, Kampfsatz 32 Täuschkörper TRG-82
  Handfeuerwaffen: 15 MPi Typ KmS-72, 6 Pistolen Typ M
Besatzung: 39 Mann (6 Offiziere, 6 Fähnriche, 8 Unteroffiziere, 19 Matrosen)

Unterbringung der Besatzung an Bord

Kommandanten-Kammer      
       
zwei Offizierskammern, je für bis zu vier Offiziere   Offiziersmesse
 
zwei Meister- / Fähnrich-Kammer, je für bis zu vier Personen   Unteroffiziersdeck für sechs Personen
 
Mannschaftsdeck 1 für 12 Matrosen   Mannschaftsdeck 2 für acht Matrosen
 
Mannschaftsmesse ausgestattet mit 4 Tischen und 8 Bänken      
       

Herzlichen Dank für die von Frank Rehnig, Holger Neidel, Claus Rothe und Bernd Loose zur Verfügung gestellten Fotos und Informationen.

© 2016 Peter Kieschnick