Kleines Raketenschiff / Patrouillenboot Typ „Sassnitz“

Projekt 151
Nato-Code Balcom 10

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Inhalt:
Zweckbestimmung Konstruktion Schiffstechnik Bewaffnung Elektronik Besatzung Taktisch-technische Daten Schiffe

Der Entwicklungsbeginn des Schiffes begann 1981. Geplant wurde zuerst, dass das Projekt als Bugtragflügel-Schnellboote. Es wurden verschiedene Varianten erarbeitet. Dabei stellte sich heraus, dass entsprechend der Forderungen nur ein Verdrängungsboot realistisch ist.

Das Projekt sollten die RS-Boote Projekt 205 (NATO-Code OSA I) ablösen. Geplant waren für die Volksmarine anfangs ein Nullschiff und 16 Serienschiffe, diese Zahl wurde aus Kostengründen im Januar 1989 zuerst auf 12 und danach auf 10 reduziert. Dabei sollte das Nullschiff auf Serienstand gebrachten werden. Die UdSSR wollte anfangs 20 Schiffe kaufen, später waren es nur noch 5 bis 8. Im April 1990 trat die UdSSR ganz aus dem Vertrag.

Projektiert und gebaut wurde das Projekt als kleines Raketenschiff VM-Projekt. Das erste Schiff wurden ab 03.11.1986 bis Juni 1988 auf der Peene-Werft Wolgast gebaut. Dieses Nullschiff Projekt 151.0 wurde von Juli 1988 bis August 1989 eine längere Erprobungszeit unterzogen. Auf Grund der angespannten wirtschaftliche Lage der DDR wurde entschieden, dass das Nullschiff ebenfalls auf den Stand eines Serienschiff gebracht werden sollte. Der Umbau erfolgte von September 1989 bis Mai 1990.

Bedingt durch die gesellschaftlichen Umbrüche in der DDR 1989/90 wurde das Konzept eines kleines Raketenschiffs aufgegeben. Im April 1990 wurde vom Minister für Abrüstung und Verteidigung Pastor Rainer Eppelmann festgelegt, dass 5 Schiffe als Raketenschiffe Projekt 151R und 5 Schiffe Artillerie-Schnellboot Projekt 151A zum Ende zu bringen sind.
Am 30.07.1990 wurde die Bezeichnung des Projekts 151 in Patrouillenboot PB 151 geändert und die Raketenvariante gestrichen. Daraufhin wurden die Transport- und Startcontainer vom Nullschiff abgebaut und am 31.07.1990 stellte die Volksmarine das Projekt 151.0 als Patrouillenboot „Sassnitz“ in Dienst.

Festgelegt wurde nun die Fertigstellung von zwei weiteren Booten und den Abbruch der Serienfertigung. Die bereits im April 1990 bestellten drei teilausgerüsteten Bootskörper durch Polen sollten fertiggestellt und ausgeliefert werden.

1. Zweckbestimmung des Kleines Raketenschiff

Die Hauptaufgabe sollte die Vernichtung von Kampfschiffen und –booten des Gegners sein. Ebenso die Vernichtung von Schiffen und Landungsmitteln des Gegners im Einsatz auf den Seeverbindungswegen und in der Landungsabwehr der eigenen Küste.

Als Nebenaufgabe waren die Ausübung des Schiffsvorpostendienstes, die Beteiligung an Landungs-, Diversions- und Aufklärungsoperationen angedacht.

  

2. Konstruktion des Schiffes

Das Projekt war ein Verdrängungsboot mit durchlaufendem Oberdeck, ausfallenden Vorsteven und Spiegelheck. Das Schiff wurde durch 7 wasserdichte Schotten in 8 wasserdichte Abteilungen unterteilt. Es wurde als Zweiabteilungsschiff ausgelegt, dadurch sollten zwei benachbarte Abteilungen geflutet werden können, ohne dass die Schwimmfähigkeit verloren ging.

Der Schiffskörper bestand aus Stahl, die Aufbauten aus Leichtmetall. Es gab vier Decks: Zwischendeck, Oberdeck, Brückendeck und Peildeck. (Zeichnung)

Bei der Berechnung und Projektierung des Schiffskörpers wurde von einer Lebensdauer von 20 Jahren ausgegangen.

  

3. Schiffstechnik

Die Maschinenanlage war in folgenden Räumen untergebracht:
Maschinenraum 1 Spant 7,4 bis 13,8
Maschinenraum 2 Spant 13,8 bis 20,4
Maschinenleitstand Spant 20,4 bis 22,4
 

3.1 Hauptantriebsanlage

Die Hauptantriebsanlage bestand aus drei Dieselmotoren Typ M 520 TM 5. Jeder Dieselmotor betrieb eine Propellerwelle und gewährleistet Voraus- und Zurückfahrt des Schiffes. Der Dieselmotor war ein schnelllaufender Viertakt-Sternmotor mit Wasserkühlung und Abgasturboaufladung. Der Motor hatte sieben Blöcke zu je acht Zylinder. Er war mit angehängten Frischkühlwasserpumpe, Seewasserpumpe, Kraftstoffförderpumpe sowie Schmieröldruckpumpe und Schmierölrückförderpumpe ausgestattet.

Die Bedienung der Dieselmotoren konnte über Fernbedienung von der Brücke, dem Maschinenleitstand oder direkt am Fahrstand des Motors erfolgen.

3.2 Hilfsmaschinenanlage

Für die Stromversorgung des Bordnetzes waren drei Dieselgeneratoren eingebaut.

3.3. Elektroenergieversorgung

Die Verteilung der E-Energie erfolgte über zwei E-Werke, die im Parallelbetrieb und auch im Inselbetrieb gefahren werden konnten.
Die Energieübernahme von Land bzw. von anderen Schiffen mit 380 V Drehstrom, 200 A war möglich.
Verbraucher, die mit 220 V Drehstrom oder 220 V Wechselstrom betrieben werden, erhielten ihre Stromversorgung aus dem 380 V-Bordnetz über vorgeschaltete Transformatoren.

3.4 Schiffssysteme

3.4.1 Lenzsystem

Dieses System diente zum Lenzen des Wassers aus den Abteilungen des Schiffes. Das Lenzsystem war ein Einrohrsystem mit manuell absperrbaren Zweiglenzleitungen. Es bestand aus:

3.4.2 Notlenzsystem

In den beiden Maschinenräumen befanden sich je eine Feuerlöschpumpe Typ KRZ 1W-65/250-68 mit einer Leistung von 40 m³ je Stunde. Die Pumpen waren jeweils für den anderen Maschinenraum zuständig. Da diese Pumpen nicht selbstsaugend waren, musste in dem entsprechenden Maschinenraum erst eine bestimmte Wasserhöhe erreicht sein, um die Funktion der Pumpen zu erreichen.
Im Hauptbetriebsgang auf dem Oberdeck waren zwei transportablen Lenzpumpen Typ KRD 10-B/145/6 mit einer Leistung von je 60 m³ je Stunde vorhanden. Sie dienten zum Lenzen der Betriebs- und Wohnräume unter Deck.

3.4.3 Bilgenwasserlenzsystem

Das System diente zum Lenzen von ölhaltigem Bilgenwasser aus den beiden Maschinenräumen. Es bestand aus der Bilgenwasserentölungsanlage Typ BWEA 0,5 mit einer Leistung von 0,5 m³ je Stunde und aus der Bilgenwasserlenzpumpe Typ AM9 32/40/2,5-400 mit einer Leistung von 0,5 m³ je Stunde. Das anfallende Bilgenwasser wurde durch die Bilgenwasserlenzpumpe angesaugt und durch den Bilgenwasserentöler und den Bilgenwasserfilter über ein Rückschlagventiel nach außerbords gedrückt. Das abgeschiedene Öl wurde automatisch in den Schmutzöltank abgelassen.

3.4.4 sanitäres Seewassersystem

Es bestand aus einer Seewasserpumpe Typ WBI-32/2-20-0 mit einer Leistung von 3 m³ je Stunde. Die Seewasserpumpe saugte direkt von außen, ein Reservebetrieb erfolgte durch das Wasserfeuerlöschsystem.
Dieses System diente für das

3.4.5 sanitäres Frischwassersystem kalt/warm

Dieses System versorgte die Mischbatterien der Waschbecken, Duschen und die Abwäsche in der Kombüse mit kalt- und Warmwasser. Es bestand aus:

Der Frischwasservorrat in Trinkwasserqualität wurde durch die Trinkwassererzeugungsanlage, die über das Wasserfeuerlöschsystem betrieben wurde, ergänzt. In der Kombüse war zur Wasserentnahme ein Kohleaktivefilter vorgeschaltet.

3.4.6 Halon-Gasfeuerlöschanlage

Die fernbedienbare Anlage diente zur Schnellen und sicheren Brandbekämpfung in folgenden Räumen:

Im Maschinenleitstand war ein Schaubild zur Brandsignalisation und eine Signalisierung der Löschmittelzufuhr vorhanden.

4. Bewaffnung

4.1 Artilleriebewaffnung

4.1.1 Geschütz AK-176 M

Das vollautomatische 76 mm Universalgeschütz AK-176M diente zum Bekämpfen von See-, Luft- und Landzielen bis zu einer Entfernung von knapp neun Seemeilen. Das eine Geschütz stand auf der Back. (Weitere Daten siehe Datenblatt hier)

4.1.2 Geschütz AK-630 M

Ein Geschütz war achten der Aufbauten installiert. Das sechsläufigen 30-mm-Gatling AK-630M war eine Nahbereichsabwehrwaffe gegen tief fliegende Luftziele und Flugkörper. Ebenso konnte sie zur Bekämpfung von See- und Landzielen eingesetzt werden. Der Gatling hatte eine Feuergeschwindigkeit von bis zu 5.000 Schuss pro Minute. Pro Waffe waren 2 000 Granaten gegurtet. Es wurden Splitter-Spreng- und Leuchtspurgeschosse im Verhältnis 9:1 verwendet. Je weitere 1000 Granaten gegurtet waren als Reserve in der Barbette. (Weitere Daten siehe Datenblatt hier)

4.2 Raketenbewaffnung

4.2.1 Raketensystem 1520

Das Raketensystem diente zur Vernichtung von Schiffen. Es waren zwei Startcontainer FG 1520 zu je 4 Raketen Typ 152 vorgesehen. Das System wurde nur zur Erprobung an Bord ohne die Raketen installiert. Das Raketensystem wurde aufgrund der politischen Umstände nicht mehr auf dem Schiffstyp aufgebaut.

Der Transport- und Startcontainer TPK 1520 wurde auf der Peenewerft entwickelt und gebaut. Zwölf Container wurden 1989 auch an die UdSSR geliefert.
Der Container bestand aus Aluminium. Er sollte für den Transport, der Lagerung und dem Straft von Seezielraketen dienen. Zur Langzeitlagerung der Raketen sollte der Container gasdicht ausgeführt und mit trockener Luft gefüllt werden. So sollte es möglich sein die Raketen auf Schiffen 4 ½, auf Freiflächen 10 und in Lagerräumen sogar 15 Jahre gelagert werden. Die Container sollten für den Transport per Kraftfahrzeug, Eisenbahn und Flugzeug geeignet sein. Dies sollte mit Einzelnen oder im Block mit 2 oder 4 Container möglich sein. Beim Projekt 151 sollten jeweils zwei Blöcke zu je 4 Container achtern Steuerbord und Backbord mit einem Schießwinkel von 35 Grad Steigung auf klappbaren Fundamenten aufgestellt werden.

Vorgesehen waren Seezielflugkörper Typ 152. Es war ein Vorläufer des in Russland eingeführten Flugkörper Typ Kh-35E „Uran-E“ (Nato-Code: SS-N-25 Swichblade) mit Feststoffantrieb.
Der Seezielflugkörper Typ 152 stand bei der Erprobung des Projekts 151 noch nicht zu Verfügung. Die Erprobungen erfolgte mit Dammys. Es gab zwei Typen. Zum einen ein Masse-Dummy mit ungefährem Gewicht der vorgesehen Rakete. Des Weiteren ein Funktions-Dummy mit denen Übungsstart durchgeführt worden sind. Diese waren mit einem Starttriebwerk ausgerüstet und hatten aber keine weitere Elektronik und Steuerung. Sie wurden einfach ballistisch abgeschossen.

Zuerst wurden Startversuche vom werfteigenen Wohnschiff „Maria“ (Projekt 62.2) durchgeführt. Dazu wurde auf dem Wohnschiff ein Startcontainer FG 1520 montiert. Die Tests erfolgten im Hafen der Insel Ruden, im Hafen Ladebow und im Hafen Vierow bei Greifswald. Mit dem Nullschiff Projekt 151.0 fand im Januar 1989 im Seegebiet vor Zingst Starts mit den Funktions-Dummy statt.

Von den an die UdSSR gelieferten TPK 1520 wurde zwei auf dem RS-Boot „Korsar“ Bord-Nr. R44 (Projekt 206MR, Matka-Klasse) im Jahr 2000 anstelle der bisherigen P-15 Startbehälter aufgebaut. Nach dem Abschluss der Erprobungen 2002 wurden diese wieder entfernt.
Der russische Vierfachstarter KT-184 für den Flugkörper „Uran“ ähnelt den TPK 1520 sehr stark.

 

4.2.2 Fliegerabwehrstartanlage FAM-14

Dieses Waffensystem dient zur Selbstverteidigung gegen Luftziele und Flugkörper im Bereich bis drei Seemeilen Die Startanlage diente der Aufnahme von 4 Stück Fliegerabwehrraketen Typ 9M32M oder 9K34. Einzel- oder Salvenstart der Raketen war möglich. (Weitere Daten siehe Datenblatt hier).

4.3 Funk-Elektronisches Raketen-Abwehr-System (FERAS-Komplex)

Dieses Raketenabwehrsystem sollte bestehen aus:

1990 war das FPF-2 noch in Entwicklung. Die sowjetische MR-405-III-Ä war als Nachrüstung vorgesehen, sollte aber durch eine Eigenentwicklung ersetzt werden. Somit war der FERAS-Komplex nicht einsatzbereit.

4.3.1 Schiffsgeschoßwerfer SGW 3 

Entwickelt wurde dieser Schiffsgeschoßwerfer (SGW) in der DDR (Nato-Code Chaff Rock). Auftragnehmer war das VEB Instandsetzungswerk Pinnow. Die Geschosse selbst wurden im VEB Pyrotechnik Silberhütte gefertigt.
Erprobt wurde das SGW-3-System bei der Technischen Erprobung des Null-Schiff 151.0 vor Zingst 1988/89. An Bord waren zwei Werfer achtern jeweils Steuer- und Backbord angebracht. Jeder Werfer hatte 32 Führungsrohre zum verschießen der Geschosse. Sie dienten zur Erzeugung von Radarscheinzielen gegen gelenkte Raketen mit Zielsuchlenksystem sowie gegen Radarmessortung- und Beobachtungsmitteln.

4.3.2 Schiffdüppelgebläse SDG-1

Das SDG waren achtern auf dem B-Deck angebracht. Damit konnte man Aluminium bedampfte, Glasfaser-Düppelstreifen ausblasen. Die Anlage bestand aus eine automatische Schneideanlage, die die Streifenlänge an die Wellenlänge des Suchradars anfliegender Flugkörper zuschneidet und ein Ausblasrohr. Es handelt sich dabei um ein 90 Grad gekrümmtes Rohr mit einem Durchmesser ca. 15 cm und eine Höhe ca. 2 m.

4.4 Schützenwaffen

Die Sollausrüstung betrug 6 Pistolen Typ M und 24 MPi Typ AK-47. Gelagert wurden diese in der Schützenwaffenhellegatt.
An Munition wurde in der Munitionslast des Gefechtsabschnitts II 5760 Patronen 7,62 mm M-43 Stahlkern und 1440 Patronen 7,62 mm M-43 Leuchtspur aufbewahrt.

5. Elektronik / Sensoren

5.1 Funkmess-Artilleriewaffenleitanlage MR 123/176 Wympel-Ä

Das Selbstverteidigungssystem A-213 Wympel-Ä (russisch: Вымпел- Э, NATO-Code: Bass Tilt) besteht aus den Artilleriekomplexen AK-630M und AK-176 sowie der Funkmeß-Artilleriewaffenleitanlage MR-123/176 „Wympel-Ä“. Durch das Feuerleitsystem werden die Artilleriekomplexe einzeln oder gleichzeitig mit Daten versorgt und eingesetzt.

Die Anlage MR-123/176 dient zur Bekämpfung von schnellfliegenden Luftzielen bis 700 m/s sowie Überwasserzielen. Mit ihr kann man Ziele feststellen, auswählen, auffassen und verfolgen. Dabei werden die Werte für das Schießen erarbeitet, z.B.: Kurs, Flughöhe, Entfernung, laufende Zielkoordinaten, Geschützrichtwinkel. Die Zeit für die Errechnung der Werte betrug 9,5 bis 12,5 Sekunden. Die Artilleriekomplexe werden ferngesteuert. Das Richten der Geschütze mit einer Fernsehkamera war eine mögliche Hilfsvariante. Die Kamera war nicht nachtsichtfähig. Als Reservevariante können die Geschütze mit der optischen Richtsäule „Kolonka“ (Hood Wink) bedient werden.

Das Feuerleitradar MR-123/176 verfügt über eine Reichweite von 45 km, bei Störung durch den Gegner soll die Reichweite immer noch bei 30 km liegen. Luftziele sollten bis 4000 m und Seeziele bis 5000 m zerstört werden können. Die AK-176 hat eine effektive Schussentfernung bis 12000 m.

Entfernungsbereiche: 0 bis 15 km; 0 bis 30 km und 15 bis 45 km
Messgenauigkeit: Peilung: +/- 5,4 Grad; Entfernung +/- 5 m
Tote Zone: 90 m
Betriebsintervall: 8 Stunden Dauerbetrieb, 3 Stunden kein Betrieb

5.2 Seeraum-Rundsuch- und Raketenwaffenleitanlage Garpun-Ä

Die Funkmessanlage „Garpun-Ä“ (russisch: Гарпун-Э, Nato-Code: Plank Shave) ist ein Rundsicht- und Zielverfolgungsradar für Seezielflugkörper. Eine Zielverfolgung von Hand und automatisch ist möglich. Die Anlage arbeitet im X-Band und kann sektorenweise abstrahlen. Die Erfassungsreichweiten für Seeziele beträgt ca. 75 sm. Diese Anlage konnte als Navigationsradaranlage genutzt werden. Hergestellt wurde die Anlage in der UdSSR.
Aufgaben:

Betriebsarten: Kanal I = Zielsuche (rundsicht- oder Sektorensuche)
  Kanal II = Navigationsregime
Entfernungsbereiche: 1, 5, 25, 50 sm bzw. bei Kanal II 75 sm
Auffassungsreichweite: leichter Kreuzer bis 45 km, Schnellboot bis 30 km, mittlere Boje bis 7 km
Auflösungsvermögen: Peilung: 1,5 Grad; Entfernung: 50 bis 70 m
Tote Zone: 50 bis 70 m
Betriebsintervall Kanal I: 8 Stunden Dauerbetrieb, 1 Stunde kein Betrieb
Rechenteil: elektromagnetischer Analogrechner KASU
Störschutzeinrichtung: Monopulsverfahren, Festzielunterdrückung, automatische Sendekanalumschaltung, Störantwort-Impulsunterdrückung, Seegangsenstörung und Rauschstörschutzeinrichtung

Die Anlage „Garpun-Ä“ arbeitet mit der Raketenwaffenleitanlage „Korall-Ä“ zusammen. Die Raketenwaffenleitanlage berechnet die Zielkoordinaten (Entfernung, Kurswinkel) aus den Angaben der Funkmessanlage. Die Daten sollten an den Zielsuchkopf der Raketen übergeben werden. Die Anlage konnte in zwei Arbeitsregimen betrieben werden: in einer aktiven für die Nutzung der Raketenwaffen und einer passiven für die Aufklärung der Abstrahlung von Zielen im Frequenzbereich 0,8 - 12 GHz bis ca. 120 km Entfernung.

5.3 Freund-Feind-Kennanlage

(IFF-System = englisch: identification friend or foe) Mit der Anlage „Nichrom-RR“ ist es möglich, ein durch die Funkmessanlage ausgemachtes Ziel zu identifizieren.

Das Abfragegerät sendet drei Impulse an das aufgefasste Ziel. Eigene Einheiten antworten automatisch mit einem codierten Signal. Dieses Signal wird decodiert und die Antwort als Bogen über dem Ziel im Sichtgerät der Funkmessanlage abgebildet. In diesem Fall wird das Ziel als Freund identifiziert [Bild]. Es gibt eine allgemeine Abfrage und eine Abfrage der individuellen Kennung eines Zieles. Bei der individuellen Kennung wird das Kennungssignal zusätzlich nach dem Morsealphabet verschlüsselt.

Für die Anlage gab es 12 verschiede Codefilter. Der Filter 4 (3,67 MHz) wurde zur Abstimmung und Funktionskontrolle verwendet. Sieben Filter (1,67 MHz bis 6,33 MHz) wurden nach einem vorgegebenen Plan (Eingestuft als Geheime Verschlußsache) in einem vorgeschriebenen Rhythmus, eine bis maximal sechs Stunden, gewechselt. Für den Ernstfall waren die Filter 9 bis 12 (7,00 MHz bis 9,00 MHz) vorgesehen. Der Wechsel geschah gleichzeitig für alle drei Ostseeflotten des Warschauer Vertrages.

5.4 Funkausrüstung

 -  Morsegeber MG80 (Bild)
automatisierte Umsetzung und Sendung von Buchstaben/Zahlen zu Morsezeichen,
Gebegeschwindigkeiten: 12, 20, 24, 28, 26 Gruppen pro Minute fest zugeordnet
 -  Fernschreibmaschine F 1301
Sende-Empfangs-Schreiber mit Lochbandgerät überträgt schriftliche Nachrichten bzw. Daten über Stand- und Wählleitungen sowie im Lokalbetrieb
 -  KW-Sender KSS 1300
Frequenzbereich: 1,5 ... 29,99999 MHz, Sendeleistung: 1 kW
 -  drei UKW-Sende- und Empfangsgeräte R-625
Sicherstellung der Telefonie- und Telegrafieverbindungen im Simplex- und Duplexverkehr Möglichkeit des Übertragungsfunkverkehr und Anschluss von Endgeräten des gedeckten Funkverkehrs.
Frequenzbereich: 100 … 149,975 MHz; Anzahl Festfrequenzen: 9200; Sendeleistung: 25 ... 50 W
 -  UKW-Sende- und Empfangsanlage FM 3307
Herstellung von Sprechfunkverbindungen auf internationalen Frequenzen und Netzen zur Verbindung Schiff-Schiff und Schiff-Küstenfunkstelle.
 -  Allwellen-Empfänger KW EKD 500 (Bild)
mikroprozessorgesteuerter Betriebs- und Überwachungsempfänger
Frequenzbereich: 14 kHz ... 30 MHz
 -  KW-Sende- und Empfangsgerät SEG 100D (Bild)
zur Überbrückung bis zu einer Entfernung von 1000 km, Frequenzbereich: 1,6-12 MHz, 100 W Leistung
 -  Drei Fernsprechgerät T-612 „Mimosa“
diente zum Chiffrieren von Sprachimpulsen im digitalen Verfahren von UKW-Sprachsignalen in Verbindung mit Funkstation R-625.
Es arbeitete mit einem Tagesschlüssel, der nur einmal und nicht länger als 24 Stunden genutzt werden durfte, für Informationen bis zum Geheimhaltungsgrad „Geheime Verschlußsache“ (GVS).
 -  Fernsprechgerät T-617-1 „Elbrus“ (nur auf der 151.0)
diente zum automatischen Ver- und Entschlüsseln von Sprachimpulsen auf KW- und UKW-Funkkanälen.
Es arbeitete mit einem Tagesschlüssel, der nur einmal und nicht länger als 24 Stunden genutzt werden durfte, für Informationen bis zu „Vertrauliche Verschlußsache“ (VVS).
 -  Bündelchiffriergerät T 230
war als Ersatz für T-617 gedacht, da diese nicht mehr produziert wurden. Das Gerät wurde durch die UdSSR nicht mehr geliefert.
Es sollte für Fernsprech-, Fernschreibsignalen und Datenverbindungen bis zu 9600 bit/s dienen. Die Verbindungen sollten über Draht-, Funk- Richtfunk-, Troposphären- und Satellitenkanäle erfolgen.
 -  Funkgerät UFT-435
tragbares Gerät für Wechselsprechverbindungen auf 60 festen Kanälen,
Frequenzbereich: 45,6 bis 47,075 MHz, 0,5 W Leistung, Reichweite: 5 bis 30 km.

5.5 Navigationsausrüstung / Schiffsführungstechnik

5.5.1 Navigationsfunkmeßanlage SRN-743

Diese Radaranlage diente zur navigatorischen Sicherstellung und Beobachtung von Überwasserobjekte. Die Anlage war an LOG- und Kompasssystem angeschlossen. Hergestellt wurden diese Anlagen in Polen.

Auffassungsreichweite: bis 60 sm
Entfernungsbereiche: 0,75; 1,5; 3; 6; 12; 24 und 60 sm
Messgenauigkeit: Peilung +/- 1 Grad; Entfernung 1,5 % vom Bereichsendwert
Tote Zone: 20 m

5.5.2 Kreiselkompasskursweisungsanlage GKU-1

Wurde nur auf der Bau-Nr. 151.0 eingebaut, Hersteller war die UdSSR.
Die Anlage besitzt ein Einkreiselsystem. Sie übertrug den Kurswert in folgende Anlagen:

5.5.3 Kreiselkompassanlage Gazelle 2

Wurde nur auf der Bau-Nr. 151.01 und 151.02 eingebaut, Hersteller war die DDR.
Luftgekühlte, meridiansuchende Kreiselkompassanlage, mit Eigenüberwachung, zur Bestimmung der Nordrichtung des Meridians. Der ermittelte rechtweisende Kurs des Schiffes wurde auf das Tochtergerät übertragen sowie in Spezialsysteme eingespeist.

5.5.4 Kreiselkompasssystem AG-61

Wurde nur auf der Bau-Nr. 151.01 und 151.02 eingebaut, Hersteller war die DDR.
Es handelte sich um ein Kurs-Lage-Referenzsystem, das die Funktion eines Kreiselkompasses und einer stabilisierenden Plattform realisierte. Auf dem beiden Schiffen wurde die Anlage nur als stabilisierenden Plattform verwendet. Es ermittelte die Winkelwerte für das Rollen und Stampfen des Schiffes und übertrug diese an andere Systeme.

5.5.5 Fahrtmessanlage 4601

Diese Anlage wurde in Polen hergestellt. Es war eine elektrodynamische Fartmessanlage zur Messung der Komponenten x und y der Schiffsbewegung durch das Wasser sowie des zurückgelegten Weges.

5.5.6 Funkpeilanlage ARC-1404

Diese Anlage wurde in Polen hergestellt. Es war eine automatische Funkpeilanlage zur Standortbestimmung des Schiffes nach Funkstandlinien sowie für die Funkzielfahrten auf ein Funkfeuer oder ein havariertes Schiff.

5.5.7 Echolotanlage SP-4301

Diese Anlage wurde in Polen hergestellt. Sie misst die Wassertiefe unter dem Kiel des Schiffes. Die kleinste messbare Wassertiefe betrug 1 m.

5.5.8 Funknavigationsempfänger Pirs 1M(D)

Wurde nur auf der Bau-Nr. 151.0 eingebaut, Hersteller war die UdSSR.
Die Anlage dient der Ermittlung von Funkstandlinien des Decca-Navigator-Systems, deren Auswertung in speziellen Seekarten den Standort des Schiffes ergibt.

5.5.9 Funknavigationsempfänger Pirs 2

Wurde nur auf der Bau-Nr. 151.01 und 151.02 eingebaut, Hersteller war die UdSSR.
Die Anlage ist eine Weiterentwicklung des Funknavigationsempfängers Pirs 1M(D). Sie dient ebenfalls der Ermittlung der Standlinienwerte des Decca-Navigationssystems, deren Auswertung in speziellen Seekarten den Standort der Schiffe ergibt. Die Anzeige der Hyperbelwerte erfolgt digital

5.5.10 Hand- und Selbststeueranlage HSSA IV

Der Hersteller dieser Anlage war die DDR.
In Verbindung mit einer hydraulischen Rudermaschine und der Kreiselkompassanlage wurde mit der HSSA IV das Schiff wahlweise im Handsteuerbetrieb oder im Selbststeuerbetrieb auf Kurs gehalten. Ein manueller Eingriff in die Kursregelung im Selbststeuerbetrieb war möglich. Der Maximaler Ruderwinkel (Hartlage) betrug 35° Backbord und Steuerbord, die Stellgenauigkeit ± 1°.

5.5.11 Automatische Koppelanlage AP-5

Der Hersteller dieser Anlage war die UdSSR.
Die Anlage ermittelte nach Eingabe einer geographischen Ausgangsbreite und Ausgangslänge aus Kurs und Geschwindigkeit des Schiffes selbstständig den Standort des Schiffes nach Länge und Breite und zeichnet mit 2 Koppeltischen den zurückgelegten Weg graphisch auf. Die Koppeltische ermöglichen den Einsatz von Seekarten oder von Planschettpapier. Maßstabsbereiche der Koppeltische betrug 1 : 100000 bis 1 : 3200000 unterteilt in 5 Unterbereiche., der Konstante Maßstab war 1 : 37040. Die Korrekturgrößen betrugen bei Strömung 0 – 7 sm/h und bei Abdrift ± 15°.

5.5.12 Windmesseinrichtung WME 80

Der Hersteller dieser Anlage war die DDR.
Es war eine Rechnergestützte Anlage zur Ermittlung von Richtung und Geschwindigkeit des wahren Windes. Es wurden mit anlageneigenen Sensoren die Werte des scheinbaren Windes erfasst und unter Berücksichtigung von Kurs und Geschwindigkeit des Schiffes die Größen des wahren Windes berechnet und angezeigt.

6. Besatzung

Die Unterbringung der Besatzung sollte wie folgt erfolgen:
Die Offiziere sind in zwei Ein-Mann-Kammern mit je ein Reserveplatz und zwei Zwei-Mann-Kammern. Die Fähnriche in einer Drei-Mann-Kammer mit drei Reserveplätze. Die Unteroffiziere in ein Acht-Mann-Deck. Die Matrosen in einem Zwei-Mann-Kammer mit ein Reserveplatz und in einem 10-Mann-Deck.

Geplant waren 6 Offiziere, 3 Fähnriche/Meister, 8 Unteroffiziere und 12 Mannschaften, die Dienstposten sollten wie folgt besetzt werden:

  Offizier Fähnrich/
Meister
Unteroffizier Mannschaft
Kommandant 1      
Chiffrier-Maat     1  
Kommandeur GA I 1      
Steuermannsmaat     1  
Steuermannsgast       1
E-Nautiker       1
Kommandeur GA-II 1      
Raketen-Waffenleit-Maat     1  
Artillerie-Techniker   1    
Artillerie-E-Gast       2
Fla.-Raketen-Gast       1
Kommandeur GA-IV 1      
Funkmaat     1  
Funkgast       1
Raketen-Techniker   1    
Funkmeß-Maat     1  
Funkmeß-Waffenleit-Maat     1  
Signalgast       1
Kommandeur GA-V 1      
WI 1      
Mot.-Maat     1  
Mot-Gast       2
Pumpengast       1
E-Maat     1  
E-Gast       1
Oberbootsmann   1    
Koch       1

7. Taktisch-technische Daten

Verdrängung: Standard: 332 t, Normal: 347 t, Voll: 362 t 
Länge: über alles: 48,90 m
Breite: über alles: 9,20 m; in der KWL: 7,45 m
Höhe: Bauhöhe: 18,20 m, Seitenhöhe: 4,45 m 
Tiefgang: vorn:1,99 m bis 2,28 m, achtern: 2,32 m bis 2,31 m
Geschwindigkeit: 34 kn bei 3x 2000 U/min, 32 kn bei 3x 1850 U/min, 12 kn bei 1x 1000 U/min
Fahrstrecke: 1200 sm bei 12 kn
Seetüchtigkeit: Wind 12, See 9
Eiseinsatz: Eisschlamm, Festeis bis 5 cm Dicke
Antriebsanlage: 3x Dieselmotor M 520 TM 5
Leistung: je 3600 kW bei 1900 U/min, max.: 3970 kW bei 2000 U/min
Propeller: 3
Hilfsmaschinenanlage: 2x Dieselmotor 6 VD 18/15-2 SRW, 1x Dieselmotor 6 VD 18/15 A-2 SRW
Bordnetz: Drehstrom 380 V, 50 Hz
Autonomie: Kraftstoff 4 Tage, Wasser unbegrenzt
Vorräte: Dieselkraftstoff 40 t, max. 58,75 t; Schmieröl M-20 Bp 1,12 t, max. 3,2 t; Schmieröl MD 402 0,2 t
  Kühlwasser 0,14 t; Trinkwasser 2 x 0,5 m3 (lfd. Erzeugung möglich) 
Rettungsmittel: 3 Rettungsflöße RF 12, 6 Rettungsringe, 36 Schwimmwesten, 2 Leinenwurfgeräte
ABC-Schutz: Wassersprühsystem, Kernstrahlungsmessgerät KSMG 1/1, Gerät GZCA 21, Tornisterentgiftungsgerät TEG 57 M
Bewaffnung: 1x 76,2 mm Geschütz AK-176 M, 1x 6-läufige 30 mm Geschütz AK-630 M 
  1x4 Fla-Raketenstarten FAM-14
  Raketensystem 1520 – nicht installiert
Täuschmittel: 2x Düppelwerfer SGW 3, 1x Schiffdüppelgebläse SDG-1
Besatzung: 29 (34) Mann

8. Die Schiffe

Die Schiffe wurden als Patrouillenboot und ohne Raketenkomplex als Projekt 151A ausgeliefert.

8.1. Stationierung

Die Schiffe des Projekts 151 wurden der 9. Raketenschiff-Brigade der 6. Flottille zugeordnet.
Die „Sassnitz“ wurde Wolgast in Dienst gestellt und verlegte am 01.08.1990 zum Stützpunkt Dranske. Die Indienststellung der „Ostseebad Sellin“ erfolgte noch am 02.10.1990. Die „Ostseebad Binz“ wurde bei der Volksmarine nicht mehr in Dienst gestellt, sie bekam aber noch eine Bord-Nr. der Volksmarine. Auch war sie zuerst noch nicht komplett ausgerüstet, äußerlich Sichtbar an fehlende Anlage „Garpun-Ä“ oben im Mast.
Alle drei fertiggestellten Schiffe lagen im Stützpunkt der 6. Flottille in Dranske.

8.2. Chronologie

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8.3. Verbleib

151.0
Die „Sassnitz“ wurde kurzzeitig im Bestand des Küstenwachgeschwader der Bundesmarine übernommen. Das Schiff wurde in die Klasse 620 eingeordnet. Nach der Außerdienststellung wurde sie nach Neustadt/H. überführt, als Auflieger. Das Schiff sollte beim Bundesgrenzschutz (BGS) wieder in Dienst gehen.

151.01
Die „Ostseebad Sellin“ wurde nicht in Dienst der Volksmarine genommen. Sie wurde nach Eckernförde zur WTD-71 überführt und wurde dort ca. drei Jahre lang gründlichen Tests unterzogen. Dabei soll auch U.S.-Marinepersonal anwesend gewesen sein. Danach wurde das Schiff auf den BGS-Stützpunkt „Auf dem Wieksberg“ Neustadt/H. betriebsfähig aufgelegt. Nach dem keine weitere Verwendung für das Schiff gefunden wurde, gelang das Schiff per Schlepp im April 2002 nach Leer zur Interseroh Evert Heeren GmbH, wo sie im Juni 2002 verschrottet wurde.

151.02
Die „Ostseebad Binz“ wurde an die Bundesmarine übergeben aber nicht im Bestand übernommen. Sie wurde im Sommer 1991 nach Neustadt/H. überführt, als Auflieger. Das Schiff sollte beim Bundesgrenzschutz wieder in Dienst gehen.

8.3.1 Schiffe im Dienst des Bundesgrenzschutzes / Bundespolizei

Die Projekte 151.0 und 151.02 sind nach den Erfordernissen und den Bauvorschriften des BGS umgebaut worden. Der Umbau zum Wachboot der Klasse 54 erfolgte in der Peene-Werft Wolgast, die 151.0 von 28.02.1992 bis 15.09.1993 und die 151.02 von April 1995 bis 07.08.1996. Bei der Bundespolizei (Küstenwache) ab 01.07 2005 wurden sie als Polizei-Einsatzschiff der Klasse PB 50 zugeordnet. Der Heimathafen war Neustadt in Holstein.

Die Umbauten waren umfangreich: Der Rumpf wurde weitestgehend Entkernt, die Raumaufteilung wurde verändert, das Deckshaus wurde angehoben, aller Waffen und Waffensysteme wurden demontiert, es wurden neue Dieselmotoren eingebaut, auch ein Querstrahlruder bekamen die Schiffe.

Die 151.0 wurde am 15.09.1993 mit den Namen „Neustrelitz“ in den Dienst gestellt und die 151.02 am 07.08.1996 als „Bad Düben“. Die Aufgabe der Schiffe war der grenzpolizeiliche Schutz der deutschen Seegrenzen, schifffahrtpolizeiliche Aufgaben, maritimer Umweltschutz, Hilfeleistungen auf See sowie Terrorismusbekämpfung auf See. Hauptsächlich wurde das Seegebiet von Wismar bis Flensburg abgedeckt.
Die „Bad Düben“ war Hauptakteur in der ZDF - Serie „Küstenwache“ als „Albatros II“.

Die „Neustrelitz“ wurde aufgrund technischer Probleme am 02.11.2016 aus dem Fahrbetrieb genommen. Die „Bad Düben“ fuhr bis zum 31.03.2017 die letzten Seestreifen, bevor sie aufgrund des Auslaufens der Klassenlaufzeit aus dem Fahrbetrieb genommen wurde. Die Außerdienststellung beider Schiffe erfolgte am 28.06.2017. Beide Schiffe wurden 2018 in Frederikshavn / Dänemark abgebrochen.

 

Taktisch-technische Daten:
Verdrängung: Normal: 350 t
Länge: über alles 48,94 m, Kielwasserlinie: 45,70 m
Breite: über alles: 8,65 m
Höhe: Durchfahrtshöhe: 20,00 m (ab Wasserlinie), Seitenhöhe: 8,48 m
Tiefgang: max.: 2,48 m
Geschwindigkeit: max. 24 kn, Marsch: 21 kn
Antriebsanlage: 2x MTU-Diesel 12V595 TE90
Leistung: 2x 3240 kW
Propeller: Festpropeller Bb. / Stb: 2x Schaffran, Durchmesser 1400 mm, 4-flügelig
  Verstellpropeller Mitte: 1x Hundested, Durchmesser 1400 mm, 4-flügelig
Hilfsmaschinenanlage: 2x Dieselmotor MTU, 8 V, 332 kW; 1x Dieselmotor MTU, 6 V 183, 135 kW
E-Fahrmotor: „Neustrelitz“: 1 x MDR, 400L-4, 400V, 500 kW
  „Bad Düben“: 1 x Siemens-MD, 315 L-4, 400V, 200 kW
Drehstromgenerator: „Neustrelitz“: 2 x Leroy Somer, LSAM 47.1L10C6/4, 312 kW, 400 V
  „Bad Düben“: 2 x AVK, DSG 43L 1-4, 175 Kva, 400 V
Ausrüstung: Bordkran Tirre; Davit Arbeitsboot Rhp.HC, 35/2 16, SWL 31 kN 
Bewaffnung: 1x 40 mm Bofors 40L60 (nur am Anfang, wurde später entfernt)
Besatzung: 14 (17 mit Bewaffnung) Polizeivollzugsbeamte

8.3.2 Schiffe für die polnische Marine

Für die polnische Seekriegsflotte wurden 3 Schiffskörper gefertigt, die noch 1990 übergeben wurden. Die teilausgerüsteten Rümpfe wurden 1992-1995 auf der Nordwerft in Gdansk als Raketenkorvetten fertiggebaut. Als Projekt 660/151 Typ Orkan wurde die Boote bezeichnet.

Die Schiffe wurden ab 2007 mit vier schwedische Seezielraketenkomplexe Saab RBS 15 für insgesamt acht Raketen ausgerüstet. Zuerst wurde die Rakete RBS 15 MK 2 verwendet, ab 2015 die RBS 15Mk 3. Damit können Land- und Seeziele von mehr als 200 km getroffen werden. 2009 erfolgte eine weitere Modernisierung durch Thales Nederland. Geliefert wurde das TACTICOS-Kampfmanagementsystem mit Link 11, STING EO-Feuerleitradar, Kommunikations- und Navigationssystemen, 3D-Radarüberwachungsradar und ein neues Navigationsradar.

Stationiert sind sie bei der 3. Flottille in der Marinebasis Gdynia-Oksywie.

8.3.3 angefangene und geplante Schiffe

Die Verwaltung Schiffbau kündigte am 11.09.1990 die Aufträge für die Boote ab Projekt 151.03.
Bauzustand dieser Schiffe:
151.03: Aufbauten vollständig, Mast mit achterlichen Saling aufgebaut,
151.04: Aufbauten vollständig, Mast ohne achterlichen Saling,
151.05: Aufbauten unständig, ohne Mast,
151.06: keine Aufbauten und ohne Mast, Vorschiff eingehaust.

© 2018 Peter Kieschnick