(Stand 08.04.2016)

Schiffe „Fürstenberg“ und „Prenzlau“

ex „Fürstenberg“ als Schulschiff der GST

Vorgeschichte
Beide Schiffe wurden auf der staatlichen Marinewerft in Kopenhagen für die Königliche Dänische Marine gebaut. Die Bau-Nr. 123 „Minekran V“ lief am 16.02.1917 vom Stapel. Die Bau-Nr.130 „Minekran VI“ lief am 21.12.1918 vom Stapel und kam 1919 in Dienst.
Die Schiffe hatten auf dem Vorschiff einen großen Kran. Dieser diente zur Aufnahme, Kontrolle und Instandsetzung von kabelgezündeten Minen.

Ab 1933 fuhren beide Schiffe als Minentransporter. Sie erhielten neue Namen: „Minekran V“ wurde „Quintus“ und „Minekran VI“ wurde „Sixtus“.

Bei der gewaltsamen Übernahme der dänischen Flotte durch die deutsche Kriegsmarine am 29.08.1943 lagen beide Schiffe im Hafen von Kopenhagen. Sie wurden durch die eigenen Besatzungen mittels Sprengladungen versenkt.
Im Auftrag der deutschen Kriegsmarine wurden die Fahrzeuge gehoben und instandgesetzt. Die Kriegsmarine setzte die Schiffe als Motorfähren ein. Sie erhielten die taktischen Nummern MF 1 (ex „Sixtus“) und MF 2 (ex „Quintus“). Die Schiffe wurden zum Güter- und Personentransport zwischen den dänischen Inseln eingesetzt. Nach anderen Quellen sollen sie auch als Wachschiff und Minenleger gedient haben.

1945 lagen beide Schiffe beschädigt im Stadthafen Rostock. 1946/1947 wurde Dänemark die Rückführung der Schiffe durch die SMAD angeboten. Dänemark lehnte dies aber auf Grund des schlechten Zustandes der Schiffe und der inzwischen erfolgten Zuführung von norwegischen Schiffen ab. Die UdSSR übergab die Schiffe an die DDR.

Auf der Hanse-Werft Wismar wurden die Schiffe seetüchtig gemacht. Dann führte die Peenewerft Wolgast unter den Werft-Bau-Nr. 8 (spätere „Prenzlau“) und Werft-Bau-Nr. 9 (spätere „Fürstenberg“) ab 1950 den Umbau zu Räumfahrzeugen der Seepolizei durch.

Die Boote bekamen neue Antriebsanlagen mit je zwei Viertakt-Dieselmotoren des Typs R8DV136 von Buckau-Wolf. Als Dieselgeneratorsätze wurden zwei DM-40- und ein DM-20-Aggregat eingebaut.
Als Bewaffnung erhielten sie zeitweilig ein 37 mm Geschütz SK C30 in U-Bootslafette auf der Back.
Zum Räumen mit geschleppten Räumgeräten wurden die Boote mit einer Leinenwinde und einer Heckführungsrolle ausgerüstet. Damit konnten sie das mechanische Scherdrachengerät SDG/R und das mechanische Motorpinaß-2-Schiffs-Verbundgerät MPG einsetzen. Die Räumgeräte waren nur zeitweilig für Ausbildungsaufgaben an Bord.

Welche baulichen oder ausrüstungsmäßigen Unterschiede es zwischen beiden Schiffen gab, ist leider nicht bekannt. Aufgrund der besonderen Eigenschaften und Bauweise hatten die Schiff verschiede Spitznamen wie „Hochhaus“ oder „Schaukelmimmi“.

„Prenzlau“

Am 29.03.1952 wurde die „Prenzlau“ bei der Räum- und Küstensicherungs-Division in Dienst gestellt. Dieses Datum der Indienststellung wird in anderen Quellen auch als Beginn der Baubelehrung bzw. des „Einfahrens“ genannt.
Am 01.07.1952 wurde das Schiff in Parow als Schul-Räumschiff stationiert.

Als Seezeichen-Kontrollboot wurde die „Prenzlau“ ab 15.07.1956 eingesetzt.
Aber bereits ab dem 15.12.1956 wurde das Schiff schwimmende (Hilfs-) Führungsstelle und Nachrichtenschiff (Hafensignalstelle) in der 4.Flottille Warnemünde. Die Antriebsanlage soll da bereits demontiert worden sein. Vorhanden waren noch der Generatorsatz und ein Heizkessel für die Warmwasserheizung. Anschließend wurde die „Prenzlau“ als Wohnschiff genutzt. Im März 1957 lag sie noch in Warnemünde

Am 15.04.1961 wurde der inzwischen besatzungs- und nutzungsfreie Auflieger von seinem Liegeplatz im Pinnegraben durch einen Tümmler des Hafenkommandos zur Kranpier verholt, wo man ihn vermutlich auf seinen geplanten letzten Einsatz als Zielschiff vorbereitete.
Im August 1961 diente die „Prenzlau“ als Zielschiff für die Torpedoschnellboote des Projekts 183 [siehe auch hier].
Bei dieser Aktion wurde in der Prorer Wiek der einzige scharfe Torpedoschuss der Volksmarine abgegeben, und zwar vom TS-Boot Projekt 183 „Arvid Harnack“ mit der Bord-Nr. 304 (Bau-Nr. 183/15). Zielschiff war die „Prenzlau“. Sie war in das Zielgebiet geschleppt worden und soll völlig ausgeschlachtet gewesen sein. Der Torpedo lief jedoch ca. 2 m vor dem Bug vorbei und strandete. Die Ursache waren die zu geringe Größe und zu wenig Tiefgang des Zielschiffes. Am Ufer wurde der Torpedo dann gesprengt.

Das genaue Datum der Außerdienststellung der „Prenzlau“ ist nicht sicher bekannt, als Datum wird der 06.09.1956 angegeben. Auch der weitere Werdegang nach dem missglückten Torpedoschuss ist nicht bekannt. In verschiedenen Quellen wird das Jahr 1973 für die Verschrottung genannt.

„Fürstenberg“

Am 01.04.1952 wurde sie in Wolgast bei der Räum- und Küstensicherungs-Division in Dienst gestellt. Dieses Datum der Indienststellung wird in anderen Quellen auch als Beginn der Baubelehrung bzw. des „Einfahrens“ genannt.
Am 01.07.1952 wurde sie in Parow als Schul-Räumschiff stationiert. (Unterschiedliche Zeitangaben sind bekannt). Zur Ausbildung wurden hauptsächlich das Gebiet rund um Rügen und die mittlere Ostsee bis zum Adlergrund befahren.

1956 erfolgte das Schiff in Wolgast der Umbau zum Seezeichen-Kontrollboot. Der Seehydrografische Dienst übernahm das Schiff am 15.07.1956 als D-113. Stationiert war es auf der Insel Dänholm / Stralsund. Die Aufgabe des Schiffes war der Tonnenwechsel, bis zu 4 Seezeichen konnten an Deck geladen werden.
Ab dem 01.12.1957 diente die „Fürstenberg“ als Wohnschiff im Stützpunkt Warnemünde. 1958 kam sie zeitweilig bei der 6.Flottille als Torpedofangboot zum Einsatz. In der 1.Flottille wurde sie ab dem 01.01.1959 als Scheiben- und Polygonschlepper verwendet.

Am 22.09.1959 wurde die „Gesellschaft für Sport und Technik“ (GST) neuer Eigner. Der Standort war jetzt die Seesportschule Greifswald-Wieck. Das Schiff erhielt den Namen „Freundschaft“. 1960/61 erfolgte ein weiterer Umbau in der Peenewerft. Es wurden eine neue Radaranlage KSA-3, Funkpeiler, Echolot und Nachrichtenmittel eingebaut, die Brücke bekam eine feste Reling, auf dem Achterdeck wurde ein Mast mit Ladebaum aufgebaut, und die Wohnräume wurden verbessert.

1973 wurden in Stralsund die beiden Hauptmaschinen entfernt und das Schiff zum stationären Freizeitschiff (Pionierschiff) umgebaut. Am 12.12.1973 ging die „Freundschaft“ mit dem Liegeplatz im Hafen von Stralsund vor Anker. Der Besitzer war jetzt die Pionierorganisation der DDR.
1990 übernahm die Stadt Stralsund das Schiff. Es wurde zuerst an den „Club maritim“ vermietet. Später wurde es zum Dänholm geschleppt, wo es auch heute noch an der Pier liegt. Es wird als Basisschiff der Segelschule für die Kinder- und Jugendarbeit genutzt.

Am 06.04.2016 wurde die „Freundschaft“ eine Filmkulisse. Sie stellte ein Hausboot für den zehnten Film der ZDF-Krimireihe „Stralsund“ dar. Dabei stürmten Film-SEK-Beamte das Boot um einen Tatverdächtigen festzunehmen. Mit Hilfe einer Leiter kletterten die „Polizisten“ lautlos an Bord und rückten mit Maschinenpistolen im Anschlag ins Innere vor.

 
 Basisschiff der Segelschule Dänholm (Oktober 2009)

Daten

  Minekran Schul-Räumschiff
Verdrängung: 186 t 199 t
Länge: 27 m 28,86 m
Breite: 6,30 m 6,31 m
Höhe bis Topp:   14,35 m
Tiefgang: 2 m 2,75 m
Geschwindigkeit: 8 kn 12 kn
Fahrstrecke   960 sm
Seetüchtigkeit:   See 4 / Wind 6
Antrieb: 2x Bergsund Oberflächen-zündung-Schweröl-Motoren 2x DM R 8DV 136 von Buckau-Wolf [Zeichnung]
Leistung: 260 PS 441 kW
Generatoren:   2x DM 40 und 1x DM 20
Bewaffnung: 2 x 1 - 37/38 Bofors
60 Minen
1x 37 mm SK C/30 in U-Bootlafette (zeitweise) [Bild und Daten]
 Kampfsatz: 1000 Schuss
Räumgeräte: keine Scherdrachengerät SDG/R
    mechanisches Motorpinaß-2-Schiffs-Verbundgerät MPG
Besatzung: 26 Mann 12 Mann

Ich bedanke mich recht herzlich bei Bernd Loose für die Informationen.
Wer ist auf den Schiffen gefahren und kann berichten? Auch Einzelheiten, wie Daten zum Boot, Ausrüstung und Bilder sind interessant. Bitte eine Mail an webmaster@parow-info.de.

© 2007 - 2016 Peter Kieschnick

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