Ausbildungsschiff „Ensdorf“

(Bearbeitungsstand 27.08.2016)

Die „Ensdorf“ lief am 29.07.2014 in den Hafen Parow ein.

Wappen der „Ensdorf“
Am 08.12.1989 lief das Minenkampfboot „Ensdorf“ vom Stapel. Die Indienststellung erfolgte am 16.10.1990 mit der Hull-Nr. M 1094 und dem Rufzeichen: DRFN.
Es war das siebte Boot der „Hameln“-Klasse (343). Insgesamt wurden 10 Boote auf der Werft Abeking & Rasmussen gebaut (Bau-Nr. 6411 bis 6420). Die Boote gehörten dem 5. Minensuchgeschwader mit Heimathafen Olpenitz an.

Ihre Hauptaufgabe war das Minenlegen unter Bedrohung. Die Boote konnten bis zu 60 Minen verschiedener Typen aufnehmen. Zum Minenräumen war ein mechanisches Räumgeschirr „MIRGA 6 tief“ und akustische Räumbojen vorhanden, Hohlstäbe konnten geschleppt werden. Später wurden sie als Schnelle Minensuchboote klassifiziert.
(Miniaturbilder zur Vergrößerung bitte anklicken.)

In der Zeit von 1999 bis 2001 wurden fünf Boote dieser Klasse zum Hohlstablenkboot, Klasse 352, umgebaut. Der Umbau der „Ensdorf“ als Typ-Boot begann am 15.03.1999 in der Friedrich-Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack. Er dauerte bis zum 07.09.2000 ohne dass eine Außerdienststellung erfolgte. Die bisherige Räumausstattung wurde beibehalten.
Als Hohlstablenkboot hatte es die Aufgabe drei bis vier unbemannte Räumboote Typ „Seehund“ fernzulenken.

2006 wurde der Heimathafen des 5.Minensuchgeschwader Kiel. Die „Ensdorf“ nahm an mehreren NATO-Manövern teil.

Hier einige Einsätze:
10.04.1995 bis 27.06.1995 Fahrt ins Schwarze Meer mit Zielhafen Odessa
Mai 2007 bis 14.11.2007 UNIFIL-Mission (United Nations Interim Force in Lebanon) im östlichen Mittelmeer
  Der Aufgabenbereich bestand darin, die Seewege vor der libanesischen Küste in enger Abstimmung mit den libanesischen Streitkräften zu überwachen, um damit einen möglichen Waffenschmuggel auf dem Seeweg in den Libanon zu unterbinden.
16.09.2011 bis 29.06.2012 UNIFIL-Mission (United Nations Interim Force in Lebanon) im östlichen Mittelmeer, Besatzungswechsel am 12.03.2012
  Aufgaben: [Hier ein Bericht auf youtube]
 
  • Überwachung des Seeraumes vor der Küste, insgesamt 462 Kontrollanrufe, sogenannte „Hailings“, gegenüber Handelsschiffen getätigt
  • Ausbildung von Soldaten der libanesischen Marine, dabei Beteiligung an zahlreiche Manöver und Übungen mit der libanesischen Marine.

Die feierliche Außerdienststellung der „Ensdorf“ erfolgte am 31.07.2014 in Parow. Eine Delegation der Gemeinde und der Marinekameradschaft Ensdorf aus dem Saarland war anwesend. Seit Oktober 1990 bestand mit beiden und dem Boot eine Patenschaft. Die „Ensdorf“ löste seinerzeit die „Widder“ ab. Sie war auch eine Hulk in Parow.
Ca. 500 Frauen und Männer dienten auf dem Schiff. Nun wird die „Ensdorf“ weiter zur Ausbildung zukünftiger Seemänner dienen. Ein Umbau als Ausbildungsschiff für die Marinetechnikschule in der Peenewerft Wolgast war für September 2014 vorgesehen, dies ist nicht geschehen.
Die Bewaffnung war bereits vor der Ankunft in Parow abgebaut. An der MTS sind weitere Teile abgebaut wurden, die für die Ausbildung nicht benötigt werden bzw. die Winterfest gemacht wurden (siehe Bilder unten, 13.12.2014).

Am 23. Juni 2015 wurde die „Ensdorf“ mit Hilfe von Schleppern zum Umbau nach Rostock geschleppt. Bei der engen Durchfahrt der Stralsunder Ziegelgrabenbrücke waren die Schlepper „Delphin“ und „Taucher Wulf 5“ beteiligt. Danach zog nur noch die „Taucher Wulf 5“ das Schiff zur Tamsen-Werft Rostock. Dort erfolgte der Umbau zur Hulk, das Schiff hat nun Null-Vorschub, eine Fahrt ohne Schlepper ist nicht mehr möglich. Die Antriebsmaschinen dienen nur noch der Ausbildung. Es wurde die Abgasanlage und das Kühlsystem an die neuen Bedingungen angepasst und ein Raum für Schiffsicherungsausbildung hergerichtet (siehe Bilder unten, 11.02.2016). Im Januar 2016 befand sich das Schiff wieder im Hafen von Parow.

Am 17.03.2016 wurde die „Ensdorf“ wieder mit Hilfe des Schlepper „Taucher Wulf 8“ zur Rostock zur Tamsen-Werft Rostock geschleppt. Am 25.08.2016 konnte die Hulk wieder in Parow festmachen.
Es wurden umfangreiche Reparatur- und Umbaumaßnahmen durchgeführt. Der Schiffsantrieb wurde überholt und für die Ausbildung hergerichtet, die Klima- und Lüftungsanlagen sowie Überwachungseinrichtung der Motoren wurden gewartet. Die alte Farbe wurde entfernt. Sechs neue Farbschichten im Unterwasser- und eine Schicht im Überwasserbereich wurde aufgetragen. Zuletzt wurde ihr das Schwimmzertifikat ausgestellt.

So gerüstet wird die praktischen Ausbildung im Decksdienst, Motorentechnik und Brückenausbildung der Rekruten an Bord durchgeführt. Diese sind u.a. die Brand- und Leckabwehr, Ankermanövern, Behebung technischer Störungen an den Maschinenanlagen.

Technische Daten des Hohlstablenkboot

Verdrängung: 635 t
Länge ü.a.:  54,4 m
Breite:    9,2 m
Tiefgang KWL:    2,5 m
Vmax: ca. 18 kn
Antrieb: 2 × MTU 16V 538 TB91 Dieselmotoren zu je 2250 KW
E-Anlage: 3x E-Werke gesamt 860 KV A; 3x Dieselmotoren MWM TBD 601 6 S und 3x Drehstromgeneratoren Siemens 1 FR6 350-4 
Sensoren: Navigationsradar Raytheon SPS-64; Satellitennavigationsanlage GPS-Navstar; Such- und Feuerleitradar M 20/2; Ankertaudetektionssonar ADS DSQS 15A  
Bewaffnung: 2x 40-mm- Bofors Geschütze, später 2 × Mauser 27-mm-MLG
  2x Fliegerfaust 2 (FIM-92 Stinger)
  2x 12,7-mm-MG
  2 Täuschkörperwurfanlage
  Minenjagddrohne „Seefuchs“
Besatzung: 37 bis 41 Mann (4 Offiziere)

Der Seehund bestehen hauptsächlich aus einer in den Rumpf integrierten magnetischen Spule für das Räumen von Magnetminen, also ein Hohlstab. Außerdem führte er eine Geräuschboje zum Räumen von akustischen Minen mit. Der Hohlstab simuliert die Schiffsgeräusche und Schiffsmagnetfelder. Werden Minen zur Detonation gebracht, geschieht dies ohne Risiko für das Hohlstablenkboot und deren Besatzung. Aufgrund der robusten Bauweise des „Seehundes“ können sie auch die Detonation von Minen in kurzer Entfernung ohne Schaden überstehen. Es besteht die Möglichkeit, dass das Hohlstablenkboot die Steuerung des „Seehundes“ übernimmt.

 

Daten eines Seehundes
Verdrängung: 99 t
Länge / Breite / Tiefgang: 26,9 m / 4,6 m / 1,4 m
Vmax: 9 kn
Antrieb: 1x zwölf Zylinder V-Diesel Motor, Leistung: 328 kW
Besatzung: 2 Mann

 

UNIFIL-Einsatz        1995 zum Tag der offenen Tür im Hafen Parow 
               
Ankunft der „Ensdorf“ am 29.07.2014 in Parow
             
Außerdienststellung in Parow am 31.07.2014
         
         
Aufnahme 13.12.2014
               
Aufnahme 11.02.2016 nach dem ersten Werftaufenthalt
         

© 2014 - 2016 Peter Kieschnick