Stand: 24.08.2016

Fla-Raketenstand FASTA-4M / FAM-14

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Der Fla-Raketenstand „FASTA-4M“ (Fliegerabwehr-Startanlage) war ein Vierfachstarter für den Fla-Raketenkomplex Typ 9K32M „Strela-2M“ (9К32М „Стрела-2М“, NATO-Code: SA-7B Grail).

Dieses System war eine Lizenzproduktion des sowjetischen MTU-4 (МТУ-4; морская тумбовая установка счетверенная). Es gab zwei Versionen: MTU-4S und MTU-4US (МТУ-4С и МТУ-4УС). Hergestellt wurde der Komplex im „Instandsetzungswerk Pinnow” (IWP). Dort wurde er auch weiterentwickelt zur „FASTA-4M“, „FASTA-4M1“, „FASTA-4M2“ und „FASTA-14“. Die Marineversion der „FASTA-4M2“ erhielt die Bezeichnung „FAM-14“ (ФАМ-14). Die Bezeichnung FAM-14 findet sich in Typenblättern von Schiffen, die in der UdSSR und Polen hergestellt worden sind, für Schiffe/Boote der DDR dagegen verwendete man die Bezeichnung „FASTA“. Der Fla-Raketenstand „FASTA-4“ wurde in den verschiedenen Versionen exportiert, bekannt sind als Abnehmer die VR Polen und die UdSSR. Im Lieferabkommen 1981-1985 an die UdSSR z.B. waren 3000 Stück festgeschrieben.

Seit 1978 befand sich die „FASTA-4“ in der Bewaffnung der NVA, zuerst für die landgestützte Luftverteidigung und auf LKWs montiert.
Für die Bedienung der „FASTA 4“ wurden noch zwei Schützen benötigt. Ab 1988 kam die „FASTA 4M“ in die Bewaffnung. Diese benötigte nur noch einen Schützen. Die Konstruktion der vorderen Schutzkappen und der Stromversorgung wurde geändert, die Zeit zum Auffassen und Verfolgen des Zieles verkürzte sich.
Die „FAM-14“ war vorgesehen für die Fla-Raketenkomplex Typ 9K32M „Strela-2M“, 9K34 „Strela-3“ und 9K38 „Igla“ Raketen.

Dieses Waffensystem diente zur Selbstverteidigung gegen Luftziele und Flugkörper im Nahbereich bis drei Seemeilen. Dabei konnten Ziele im An- und Abflug sowie in der Standschwebe bekämpft werden. Bedient wurde das Waffensystem durch eine Person. Gerichtet wurde manuell, der Richtbereich horizontal betrug 360°.

Der Fla-Raketenkomplex 9K32M „Strela 2M“ als Einzelwaffe bestand aus der Rakete (9M32), einem Startrohr mit Visier und einem Griffstück mit integrierter Elektronik und einer thermoelektrischen Batterie. Das Startrohr war aus glasfaserverstärktem Kunststoff.
Es gab verschiedene Startrohre mit unterschiedlichen Erkennungsfarben entsprechend ihrer Verwendung: silbern = Exerzierkomplex, gelb = Lehrtrainigskomplex und grün/grau = Gefechtskomplex.

Nach dem Einschalten der Stromversorgung verfolgte der Schütze das Ziel mit dem optischen Sucher und betätigte den Abzug am Griff. Dadurch wurde der Suchkopf aktiviert und die Elektronik versuchte sich auf das Ziel aufzuschalten. Wenn das Signal stark genug und die Winkelgeschwindigkeit im zulässigen Bereich war, wurde dies durch eine rote Lampe und ein Summsignal angegeben. Der Schütze musste weitere 0,8 Sekunden das Ziel verfolgen, bis die Rakete zündete. Beim Start beschleunigte der Startmotor (9Sh153) die Rakete auf 30 m/s und eine Rotation von 20 U/s. Nach dem Verlassen des Rohres klappten die vorderen und hinteren Leitflächen von 30 cm Spannweite aus. Nach etwa 0,3 Sekunden zündete in etwa 5 Metern Entfernung der Raketenmotor (9Sh152). Nach etwa 45 Metern Flugstrecke wurde der letzte Sicherheitsmechanismus abgeschaltet und der Sprengkopf scharfgeschaltet. Wenn nach 12 Sekunden kein Ziel getroffen wurde, zerstörte sich die Rakete selbständig.

Daten des Fla-Raketenkomplex 9K32M „Strela 2M“
Kaliber: 72 mm
Länge Startrohr:  1,50 m
Länge Rakete:  1,44 m 
Durchmesser:  72 mm
Gesamtgewicht:  15 kg
Startgewicht der Rakete:  9,8 kg
Gewicht Startrohr: 3 kg
Antrieb: 2-Regime-Feststoff-Raketentriebwerk
Marschgeschwindigkeit: 500 m/s
Lenksystem: passive Einkanal-Infrarot-Zielsuchlenkung
Lenkmethode: proportionale Annäherung
Verbotswinkel in Richtung Sonne 30 Grad
Reichweite: 5,2 km
Gefechtskopf: 1,17 kg, Aufschlagzünder 9Ä22M
Sprengladung: 350 g 
Komplex feuerbereit in: 6 s

 

Schießverfahren: Gegenkursverfahren Einholververfahren
Zielentfernung nah 600 m 600 bis 1110 m
Zielentfernung fern 1500 bis 2000 m 4200 m
Zielhöhe min 50 m 50 m
Zielhöhe max 1500 m 2000 m
Zielgeschwindigkeit 150 m/s 260 m/s

Der Vierfachraketenstand war auf folgenden Schiffen/Booten der Volksmarine eingesetzt:

Der hier abgebildete Fla-Raketenstand stammt aus der Flottenschule „Walter Steffens“. Nach 1990 ging die FAM-14 zur Marinewaffenschule Eckernförde in die Lehrsammlung. Mit der Auflösung dieser Schule wurde die Lehrsammlung zur Marinetechnikschule Parow verlegt.

FAM-14 in der Waffensystemsammlung der Marinetechnikschule. Eingespannt ist eine Exerzierrakete 9M32 „Strela 2M“
 
MTU-4US (МТУ-4УС) auf dem Museumsschiff „Hans Beimler“ in Peenemünde

© 2006 - 2016 Peter Kieschnick