(Stand: 11.08.2016)

Schiff-Schiff Rakete P-15M „Termit“

NATO-Code: SS-N-2 C/D „Styx-mod“
sowjetischer Industriecode: 4K51 
Exportbezeichnung: P-21 „Termit“

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Die P-15M (П-15М „Термит“) ist eine Weiterentwicklung des sowjetischen Flugkörpers P-15U (SS-N-2B; 4K40U) aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Sie gehört zur dritten Serienversion der ersten Generation sowjetischer Anti-Schiffs-Flugkörper. Der Raketenkomplex P-15M wurde 1972 in die Bewaffnung der sowjetischen Marine übernommen. Zuerst wurde die Rakete auf dem Raketenschnellboot Projekt 205M gefahren. Auch auf größeren Schiffen ist dieser Flugkörper eingesetzt worden.

Der Rumpf der P-15M war eine geschweißte Ganzmetallkonstruktion, das Material bestand aus Aluminium-Magnesium-Legierungen (AlMg 6).
Die Rakete hatte Klappflügel, dadurch konnte ein gegenüber der ersten Version der P-15 kleinerer Hangar genutzt werden.

P-15M

Zum Start aus dem Hangar verfügte die Rakete über ein Feststoff-Starttriebwerk Typ SPRD-192 R (СПРД-192 P). Dieses wurde automatisch nach dem Verbrauch abgeworfen. Die Flügel klappten nach dem Verlassen des Startcontainers automatisch aus.
Das Marschtriebwerk Typ S2.722W war ein Einkammer-Flüssigkeitstriebwerk. Es wurde selbstzündender Zweikomponenten-Flüssigtreibstoff verwendet. Die Treibstoffkomponenten waren der Brennstoff „Samin“ TG-02 (219 kg) und der Oxydator „Melange“ AK-20K (635 kg), ein Salpetersäuregemisch.
Das Marschtriebwerk besaß zwei Arbeitsregime. Das Beschleunigungsregime dauerte 45 Sekunden mit einer Schubkraft von 1215 Newton, das Marschregime hatte eine Brenndauer von 286 Sekunden mit einer Schubkraft von 554 Newton.

Der Flugkörper hatte ein Trägheitssteuersystem, es gab zwei Varianten:

Vor dem Raketenstart wurde die Zielsuchanlage mit den Daten für Peilung und Distanz gespeist. Die Einschaltentfernung zum Zuschalten der Zielsuchlenkanlage vor dem Ziel wurde festgelegt, meist ca. 19,5 km vor dem Ziel. Bis zu diesem Flugpunkt wurde die Rakete durch den Autopiloten Typ APR-25 (АПР-25) und den Funkhöhenmesser Typ RV-MB (РВ-МБ) gesteuert. Auf dieser Flugetappe war die Rakete durch elektronische Störmaßnahmen nicht beeinflussbar. Nach dem Einschalten begann die Zielsuchlenkanlage mit der Zielverfolgung und Zielauffassung.

Bei der P-21 übernahm nun das Funkmesssystem das Regime. Die Antenne des Radarsystems konnte selbständig in einem Sektor von 12,5 Grad den Horizont nach dem Ziel absuchen. Dabei konnte das eingestellte Ziel neu erfasst oder ein neues Ziel im Zielsektor erkannt werden. Bei der Zielsuche sendete die P-21 aktive Signale auf einer bestimmten Frequenz aus. Während dieser Phase des Fluges war die Rakete durch aktive und passive Störmaßnahmen beeinflussbar. Bei der Volksmarine konnte die Rakete auf eine Übungsfrequenz bzw. auf drei verschiedene Gefechtsfrequenzen eingestellt werden.

Bei der Erprobung der Rakete P-21 in den USA wurde folgendes festgestellt:

Die Trefferwahrscheinlichkeit der Raketen wurde mit größer als 90 % bewertet. Die Rakete hatte 365 kg Sprengstoff Typ TGAG-5 an Bord. Dieser bestand aus einem Trotyl-, Hexogen- und Aluminiumgemisch mit 5% Golowax als Stabilisator. Die Wirkung auf das Ziel war durch Spreng- und Splitterschäden gekennzeichnet. Das Raketenschießen der Volksmarine fand im Schießgebiet der Baltischen Rotbannerflotte vor Kap Taran (bei Baltisk) statt. Dabei trafen die Raketen zu 100 % ins Ziel.

Ab 1984 wurde in die Volksmarine das kleine Raketenschiff Projekt 1241 RÄ (NATO-Code: Tarantul I) mit dem Raketensystem P 20 eingeführt. Diese Raketen wurden auch durch das Küstenraketenregiment-18 (KRR-18) für das Küstenraketensystem „Rubesh Ä“ (Рубеж-Э; NATO-Code SS-C-3 Styx) verwendet [Bild].

Gewartet und bereitgestellt wurden die Raketen durch die Raketentechnische Abteilung 6 (RTA-6) in Tilzow, östlich von Bergen auf der Insel Rügen. Eine Kompanie (3. RTK) dieser Abteilung war im Stützpunkt der 6.Flottille auf dem Bug/Dranske stationiert. Überholt wurden die Raketen im Instandsetzungswerk Pinnow (IWP).

Der Zielsuchlenkkopf, der Raketenkörper und die Zwei-Komponenten-Flüssigkeitsantriebsmittel wurden jeweils getrennt gelagert.
Der Transport der Raketen erfolgte mit LKW Typ KRAZ-255 B, die für den Transport von zwei Raketen hergerichtet waren. Vor dem Verladen auf die Schiffe mussten die Raketen betankt und geregelt werden. Dies konnte sowohl unter stationären Bedingungen, in den technischen Zonen, als auch mobil vor Ort geschehen.

Daten der P-21 (P-15M)  
Länge:  6,74 m
Durchmesser: 0,76 m
Spannweite im Flug:  2,413 m
Startmasse: 2624 kg
Masse des Starttriebwerks: 490 kg
Masse des Gefechtsteil 4G15 475 kg
Masse des Sprengstoff: 365 kg TGAG-5
Marschgeschwindigkeit: 312 m/s
Flughöhe im Marschabschnitt:  25 m bzw. 50 m
Flughöhe im Endanflug 2,5 m
Schußweite: 8 - 80 km
Triebwerke: Start: Feststoff Starttriebwerk Typ SPRD-192R
  Marsch: Einkammer-Flüssigkeitstriebwerk Typ S2.722W

 

Die hier abgebildete Rakete P-21 stammt aus der Offiziershochschule der Volksmarine. 1990 ging die P 21 zur Marinewaffenschule Lehrgruppe B Kappeln in die Lehrsammlung. Mit der Auflösung dieser Schule wurden Teile der Lehrsammlung zur Marinetechnikschule Parow verlegt.
Auf den folgenden Bildern ist eine P-22 zu sehen, ehemals als Lehrmittel an einer Schule der Volksmarine verwendet. Zu sehen ist die Rakete in der Sonderausstellung „95 Jahre Schnellboote in deutschen Marinen“ des Deutschen Marinemuseum Wilhelmshaven.
     

Literatur dazu:

© 2007 - 2016 Peter Kieschnick